Starke Fortsetzung mit knisternder Slow-Burn-Spannung. Nur stellenweise zu informationsdicht.
Prisca kennt Lorians wahres Gesicht und ist trotzdem gezwungen, an seiner Seite zu kämpfen. Während König Sabiums Soldaten ihnen auf den Fersen sind, versucht sie, die Hybriden sicher ins Reich der Fae zu bringen. Ihre einzige Hoffnung: ein altes Artefakt der Götter, das ihre volle Macht entfesseln könnte. Doch zwischen Verrat, unausgesprochenen Gefühlen und politischen Intrigen muss Prisca eine Frage beantworten, die größer ist als ihr Leben: Ist sie bereit, eine Königin zu werden?Stacia Stark schreibt bildhaft, atmosphärisch und mit dem genau richtigen Ton für Romantasy: poetisch genug für die emotionalen Momente, direkt genug, damit es nie kitschig wird. Die deutsche Übersetzung von Michaela Kolodziejcok bewahrt diesen Sound, und das ist bei diesem Genre wirklich nicht selbstverständlich. Die kurzen Kapitel und der ständige Perspektivwechsel zwischen Prisca und Lorian halten das Tempo hoch. Man plant "nur noch eine Seite" und blättert dann doch das halbe Buch durch.Prisca macht in diesem Band einen riesigen Schritt. Aus der unsicheren Hybridin von Band 1 wird eine Frau, die Verantwortung übernimmt, Entscheidungen trifft und sich nicht mehr verstecken lässt. Ihre Wandlung ist nachvollziehbar, ohne überstürzt zu wirken, das ist eine Stärke, die vielen Autor:innen fehlt. Lorian wird greifbarer. Endlich erfährt man mehr über seine Vergangenheit, seine Loyalitäten, seine Motive, und genau das macht ihn als Love Interest interessant. Sein Beschützerinstinkt ist gelegentlich an der Grenze zu "too much", aber er passt zu seiner Figur. Und die Nebenfiguren rund um den inneren Kreis bekommen endlich den Raum, den sie verdienen.Das Buch startet rasant und nimmt sich kaum Atempausen. Die Slow-Burn-Spannung zwischen Prisca und Lorian, diese Mischung aus Misstrauen, Anziehung und ungeklärten Gefühlen, ist mit Abstand das Beste am Buch. Sie knistert auf jeder Seite, ohne dass es plump wird. Was mich allerdings stellenweise rausgeholt hat: Die Informationsdichte ist hoch. Neue Königreiche, neue politische Allianzen, neue Artefakte und Magiesysteme, manchmal wird mehr "erzählt" als "erlebt". Gerade in der zweiten Hälfte hätte ich mir an einigen Stellen mehr Tiefe statt Tempo gewünscht.Die Welt von Kingdom of Lies wird in Band 2 deutlich größer. Wir lernen das Reich der Fae kennen, neue politische Kräfte, neue Magieformen. Atmosphärisch ist das stark gemacht, jede Szene hat ihren eigenen Vibe, und gerade die düstereren Settings haben mich richtig reingezogen. Das Hardcover mit Farbschnitt sieht übrigens nicht nur im Regal hammermäßig aus, sondern unterstreicht die Stimmung des Buches perfekt.Mein Fazit: Eine richtig starke Fortsetzung. Stacia Stark baut ihre Welt geschickt aus, lässt Prisca wachsen und drückt bei der Spannung zwischen ihr und Lorian alle richtigen Knöpfe. Wer Band 1 geliebt hat, wird hier nicht enttäuscht. Kleinere Schwächen gibt es bei der Erzähltechnik, aber die fallen kaum ins Gewicht, wenn man sich erst mal in der Welt verloren hat. Und der Cliffhanger am Ende schreit wieder mal nach mehr, wer Band 3 nicht sofort griffbereit hat, leidet.Empfehlenswert für Fans atmosphärischer Romantasy und Fae-Reihen wie Sarah J. Maas, Leigh Bardugo, Jennifer L. Armentrout oder Rebecca Yarros. Für alle, die Slow-Burn, Enemies-to-Lovers und emotionale Charakterentwicklung lieben, und die Freude an komplexem Worldbuilding mit politischen Intrigen haben. Auch für Sammler:innen, die auf schöne Hardcover-Ausgaben mit Farbschnitt stehen. Eher nichts für dich, wenn du mit hoher Informationsdichte und komplexen Magiesystemen Schwierigkeiten hast, keine Cliffhanger magst oder rasante Insta-Love-Romances bevorzugst.