Ich hatte mir Die Musik der Fremde eigentlich geholt, weil ich dachte, ein bisschen Kultur könnte meinem inneren Couchkartoffel-Komponisten nicht schaden. Und was soll ich sagen das Buch hat geliefert. Michael Haas wühlt sich durch ein ziemlich schweres Thema, aber mit einer Eleganz, die fast so klingt wie Korngolds spätere Filmmusik. Und das meine ich im besten Sinne.
Natürlich gehts hier nicht um leichte Kost. Verfolgung, Exil, Identitätsverlust da bleibt einem das Notenpapier manchmal im Hals stecken. Aber Haas schafft es, all das so aufzubereiten, dass man nicht nach fünf Seiten wieder ins Streamingloch fällt. Ich habe tatsächlich was gelernt, ohne mich wie in einer Vorlesung zu fühlen. Und das ist bei mir ein Ritterschlag.
Man merkt, dass er tief drinsteckt im Thema, aber er verliert sich nicht im akademischen Elfenbeinturm. Stattdessen holt er einen da ab, wo man als Leser eben steht irgendwo zwischen Beethoven-Playlist und Wikipedia-Spaziergang durchs 20. Jahrhundert. Besonders spannend fand ich, wie sich die Musik dieser Komponisten durch das Exil verändert hat als würde ihre Sehnsucht plötzlich zwischen den Noten liegen.
Kleine Kritik: Manchmal hätte ich mir ein bisschen mehr Chaos, mehr Emotionen, mehr... Wahnsinn gewünscht. Die Geschichten dieser Menschen sind so dramatisch, da darfs ruhig auch mal krachen. Stattdessen bleibt der Ton manchmal zu nüchtern fast wie ein sauber geputztes Cello, das man doch lieber in Brand gesetzt hätte, um die ganze Tragik zu hören.
Aber hey das ist Jammern auf hohem Niveau. Wer sich für Musik, Geschichte und das, was Menschen im Exil mit ihrer Kunst anstellen, interessiert, sollte zugreifen. Und wer denkt, klassische Musik sei nur was für Leute mit Frack und Falten, wird hier eines Besseren belehrt.
Vier Sterne, eine Tasse starker Kaffee dazu und los geht die Reise in eine fremde Klangwelt.