
Besprechung vom 05.10.2025
Besondere Vorkommnisse
Frauen des Exil
Mit dem Beginn des 2. Weltkriegs, der Besetzung Belgiens, der Niederlande, Dänemarks und Frankreichs werden diese Länder für viele der dort seit 1933 lebenden deutschen Emigranten zu mörderischen Fallen. Verzweifelt versuchen sie, ein neues, sicheres Exil zu finden, Tausenden gelingt die Flucht nach New York und dann weiter an die Westküste, nach Kalifornien. Die meisten leben unter prekären Umständen, benötigen Unterstützung durch Hilfsfonds und private Gönner, müssen ohne jede berufliche Anerkennung auskommen. Ursel Braun nimmt in ihrem hervorragend recherchierten, farbig erzählten Buch "Exil im Paradies" (Ebersbach & Simon, 20 Euro) die illustre Gemeinschaft der deutschen Exilanten in Pacific Palisades in den Blick, insbesondere einige der Frauen: die Schauspielerin Salka Viertel, die sich als Drehbuchautorin für Hollywood durchschlägt, Katia Mann, Marta Feuchtwanger, Alma Mahler-Werfel, Nelly Kröger-Mann, Helene Weigel. Alle sorgen sich um Angehörige und Freunde, haben Heimweh und immer auch mit ihren schwierigen, verwöhnten Ehemännern zu kämpfen, kümmern sich nicht nur um Kinder und Haushalt, sondern darum, Geld zu verdienen. Salka Viertel sticht als unermüdliche Unterstützerin und Mutmacherin hervor; in ihrem Salon treffen die Berühmtheiten aufeinander und genießen die Wiener Küche, Sachertorte inklusive, ein Stück des so schmerzlich vermissten Europas, aus dem schreckliche Nachrichten zu ihnen dringen. Natürlich geht dieses Leben nicht ohne Bosheiten, Klatsch und Liebesaffären ab, echte Freundschaften sind auch und gerade unter den schwierigen Bedingungen des Exils rar. Allein Marta Feuchtwanger wird in Kalifornien heimisch werden, alle anderen kehren dem "Paradies" spätestens Anfang der 1950er-Jahre den Rücken, bis auf Heinrich Manns Frau Nelly: Sie nahm sich bereits im Dezember 1944 aus Verzweiflung über Entwurzelung, Schulden und eine völlig zerrüttete Existenz das Leben. beha.
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