Heilung auf Kosten der eigenen Lebenszeit, eine gefährliche Seuche und ein interessantes Worldbuilding. Außergewöhnlich, 4,5 Sterne
Edira ist wie ihre Tante eine Threadmenderin. Sie kann die Lebensfäden der Menschen sehen und sie heilen. Der Preis dafür ist die Verkürzung ihrer eigenen Lebenszeit, daher verbirgt sie ihr Talent. Doch als ihre Brüder an einer unheilbaren Seuche erkranken, wird sie entdeckt und geht einen Handel mit der Familie Fernglove ein. Diese sind Ever und somit unsterblich, einflussreich und leben fernab der normalen Menschen in einem prächtigen Anwesen. Edira soll als Nachfolgerin ihrer Tante eine Heilmethode für die Seuche finden, dafür schützt Familienoberhaupt Orin ihre Brüder mit seinem Zauber vor dem Tod. Eine schwierige Aufgabe, die Edira das Leben kosten könnte.Das Cover dieses Fantasy-Romans ist nicht umsonst so düster gehalten. Nicht nur die Menschenwelt, sondern auch die der Ever ist irgendwie dunkel und mysteriös. Die Autorin versteht es perfekt, diese Atmosphäre durchgehend zu halten und immer nur kurze Blicke hinter die Fassade zu gewähren. So entsteht vor dem Auge der Leser*innen eine ganz besondere Welt, die man weiter erkunden und entschlüsseln möchte. Die Protagonistin Edira gefiel mir ganz gut. Sie ist vorsichtig und ein Familienmensch. Ihre Brüder sind allerdings die einzigen, die von dieser Familie noch übrig sind. Als sie erkranken, setzt sie natürlich alles daran, sie zu retten. Selbst ihr eigenes Leben würde sie geben. Anders als bei normalen Krankheiten ist die Seuche selbst durch sie als Threadmenderin nicht heilbar. Ihre Anstrengungen, eine Möglichkeit zu entdecken, sind unnachgiebig. Sehr rätselhaft ist die Ever-Familie, die sie dafür zu sich holt. Sämtliche Mitglieder der Ferngloves scheinen Geheimnisse zu haben. Doch vor allem Orin ist sehr rücksichtsvoll und gutaussehend. Im Gegensatz zu seinem Bruder, der brutal und unfreundlich erscheint.Das Anwesen und die ganze Welt der Ever ist geheimnisvoll und überall gibt es Magie, dennoch scheint etwas ganz und gar nicht zu stimmen. Man weiß hier gar nicht, wem man vertrauen soll. Manchmal ist Edira hier etwas zu vertrauensvoll, wobei ihr auch wenig anderes übrig bleibt. Der Erzählstil ist sehr ruhig, fast schleichend und irgendwie zeitlos. Zauberaction sucht man hier vergebens, aber genau das macht den Reiz der Geschichte mit aus. Die Frage, ob Edira rechtzeitig eine Möglichkeit findet, die Seuche zu heilen, trieb mich um und vor allem auch die Frage, was dann passiert. Denn dass hinter allem mehr steckt, als die Unsterblichen zugeben wollen, war mir von vornherein klar und vor allem eine Sache kam dann auch wenig überraschend. Am Ende fügt sich jedoch alles zu einer runden, außergewöhnlichen Fantasygeschichte. 4,5 Sterne