"Doch in diesem Punkt irrten sich die jungen Leute, Denn im Nachhinein sollte sich herausstellen, dass es einen verborgenen Zusammenhang zwischen der Heimkehr des Glamourgirls und dem Dorfvorsteher Hoan Tatara gab."In Seishi Yokomizo durchaus vertracktem Fall "Die Spatzenmorde von Onikobe" beginnt alles eigentlich ganz beschaulich. Denn Kosuke Kindaichi möchte im Bergdorf Onikobe eigentlich ein paar ruhige Wochen verbringen. Doch das Bergdorf ist in großer Aufregung: Chieko, eine unter Künstlernamen bekannte Sängerin im Japan der Nachkriegszeit, stammt aus Onikobe und hat ihren Besuch angekündigt. Kindaichi behagt der Rummel, den vor allem die Dorfjugend um die Ankunft der Berühmtheit macht, gar nicht. Denn zu allem Übel ist Chiekos Familie in einen etwa zwanzig Jahre alten Mordfall im Ort verwickelt. Eher er sich versieht, befindet sich der schrullige Privatdetektiv mitten in einem neuen Fall. Anhänger des 1981 verstorbenen japanischen Krimiautors Yokomizo warten jeweils sehnsüchtig auf die (Neu)Übersetzung der gut fünfzig Krimis. Ursula Gräfe überträgt auch dieses Mal behutsam vom Japanischen ins Deutsche und sorgt dafür, dass die vielen japanischen Begriffe (von Lebensmittel über Bräuche bis hin zur Tracht) keine all zu großen Verstehensbarrieren darstellen. Auch in diesem Band ist wieder Stoff für einen klassischen Rätselkrimi enthalten. Doch anders als bei den bisherigen Übersetzungen ist es dem Leser dieses Mal gar nicht so leicht gemacht worden, dem Täter auf die Schliche zu kommen. Hatte man bei "Das Dorf der acht Gräber" etwa recht schnell einen Verdacht, gehen die Ideen bei "Die Spatzenmorde von Onikobe" erst einmal in alle möglichen Richtungen. Wer hier früh auf dem richtigen Dampfer sein möchte, muss auf Details achten. Der fünfte Band der Reihe hat es aber auch deshalb in sich, weil sehr viele Figuren auftauchen, teilweise mit mehreren Namen, Wer wo wohnt und mit wem verwandt ist, ist zu Beginn schwer zu durchblicken. Hinzu kommt, dass dieser Historienkrimi eben auch die Ermittlungen von 1932 immer wieder einbezieht, sodass sich der Leser oft zwei Handlungsebene merken muss. Doch auch bei allen komplizierten Figurenkonstellationen (die Auflistung am Anfang des Buches hilft hier nur bedingt), liest sich der Krimi spannend. Besonders gut gelungen sind in diesem Krimi die vielen Anleihen aus der japanischen Kultur der 50er Jahre. So erfährt man etwa eine Menge über die Geschichte des Kinos in Japan oder über traditionelle Kinderlieder. Der Fokus rückt nun weg vom Krieg (Heimkehrer spielten in den letzten Büchern oft noch eine große Rolle) hin zur Alltagskultur. Somit ist die Lektüre nicht nur unterhaltsam, sondern auch lehrreich.