8000 Arten, als Mutter zu versagen ist ein sehr reißerischer Titel. Und nein, es werden nicht 8.000 verschiedene Szenarien dargestellt, in denen eine Mutter versagt. Carolin Kebekus nimmt mich mit einem Augenzwinkern mit durch ihre Zeit vor ihrer Schwangerschaft, die turbulenten Monate mit Babybauch und die ersten eineinhalb Jahre mit ihrem Kind.
8000 Arten, als Mutter zu versagen bewegt sich zwischen Stand-up-Comedy, pointierter Gesellschaftskritik und autobiografischem Erfahrungsbericht. Die Kapitel sind kurz und bauen aufeinander auf. Es ist deutlich spürbar, dass Carolin Kebekus eine der besten Comedians ist, denn viele Passagen haben ein perfektes Timing für klar gesetzte Pointen und stilvoll eingesetzte Brüche.
Sie schreibt, wie sie spricht: derb und direkt, genauso wie auf der Bühne. Manche Szenen kenne ich tatsächlich schon aus ihrem Programm.
In 8000 Arten, als Mutter zu versagen schafft es Carolin Kebekus, alltägliche Situationen nicht nur humoristisch zu verarbeiten, sondern auch die Unart einer Gesellschaft zu entlarven, die permanent den weiblichen Körper bewertet, kontrolliert und versucht, ihn in eine Norm zu pressen. Dabei hält sie den dabei auftretenden Widersprüchen den Spiegel vor, indem sie mit Haltung überspitzt und gelegentlich provokant wird.
Ich habe beim Lesen definitiv meinen Spaß und muss viel lachen, besonders über misslungene Ideale, absurde Erwartungen und über das ein oder andere Missgeschick mit dem Baby.
Das Lachen vergeht mir jedoch beim Thema Abtreibung, wenn es darum geht, dass die Politik über den weiblichen Körper und die Entscheidung darüber bestimmen will.
Zudem macht Carolin Kebekus auf die Situation der Hebammen aufmerksam, deren wichtige Arbeit von der Politik herabgewürdigt und beinahe belächelt wird. Dieses Thema trifft mich besonders, denn Hebammen sind wichtig. Sie begleiten neues Leben, tragen enorme Verantwortung und sollten dafür geachtet und entsprechend bezahlt werden. Der Druck, der von außen auf sie und ihre Arbeit ausgeübt wird, ist schlicht nicht hinnehmbar.
Der Wechsel zwischen Leichtigkeit und Ernst macht dieses Buch in meinen Augen stark, denn es regt zum Nachdenken an.
Was mir besonders gefällt, ist, dass sich Carolin Kebekus nicht zur Vorbildfigur aufschwingt. Sie zeigt offen, dass sie manchmal selbst überfordert und gelegentlich auch Teil des Problems ist, welches sie kritisiert. Diese Selbstreflexion verleiht dem Buch Tiefe und Glaubwürdigkeit.
Manchmal bindet Carolin Kebekus karikierte Nebenfiguren wie Internet-Hater oder gut gemeinte Fragesteller ein. Sie verdeutlichen, wie gesellschaftliche Rollen und Vorstellungen funktionieren.
8000 Arten, als Mutter zu versagen hat hier und da auch ein paar Schwächen. Manche Gags wirken etwas langgezogen, manche Themen wiederholen sich, und der Ton ist nicht immer zugänglich für mich. Aber das passt wiederum zum Buch, denn es will nicht gefallen, sondern etwas sagen.
8000 Arten, als Mutter zu versagen liest sich kurzweilig und unterhaltsam. Als schöner Nebeneffekt nimmt es auch den Druck raus, alles richtig machen zu wollen und perfekt zu sein. Denn die Erwartungen der anderen kann niemand zu hundert Prozent erfüllen.
Fazit:
8000 Arten, als Mutter zu versagen holt mich direkt ab. Es hat Wiedererkennungswert, bricht eine Lanze für die Mütter und hält eine flammende Rede für die Hebammen. Neben jeder Menge Humor gibt es stimmige Provokationen und ernste Themen.