Anjas Mutter verkündigt eines Tages, dass sie am 18. Februar um vier ihrem Leben ein Ende bereiten wird. Denn sie wird Sterbehilfe in Anspruch nehmen, obwohl sie nicht krank ist. Anja ist entsetzt und kann die Entscheidung ihrer Mutter nicht nachvollziehen. Doch die Mutter ist da ganz klar und entschieden. Nichts bringt sie von ihrem Plan ab, es ist bereits alles vorbereitet. Nur bei ein paar letzten Aufgaben soll Anja ihr noch helfen.
Während der verbleibenden Tage erhalten wir einen Einblick in die Mutter-Tochter-Beziehung, die von jeher eher toxisch als liebevoll ist.
"Beinahe hätte ich Mami gesagt, wie als Kind, als ich noch die totale Untertanin war, so klein, so folgsam, so bemüht, ihr zu gefallen, lieb zu sein, eine reizende kleine Puppe, die immer wittert und weiß, was der Mutter gefällt. Ich war perfekt darin, zu spüren, was sie gerade brauchte, meistens war es Bewunderung." (S. 21)
Die Mutter ist eine anstrengende Frau, übergriffig, narzisstisch, dominant, manipulierend. Ständig kritisiert sie an ihrer Tochter herum und stellt sich selbst dadurch besser dar, als sie eigentlich ist. Aber das ist schon immer ihre größte Sorge - gewöhnlich sein. Nein, das kommt nicht in Frage. Die Mutter muss immer besser sein als andere - etwas Besonderes eben. Und dafür will und soll sie natürlich bewundert werden. Dass darunter nicht nur die Beziehung zu ihrer Tochter leidet, kommt ihr gar nicht in den Sinn.
Für Anja haben die Muster der Kindheit Auswirkungen bis ins Erwachsenenalter. Sie leidet an einem Minderwertigkeitskomplex und plagt sich mit Selbstzweifeln und Schuldgefühlen. Liebe kennt sie nur in Form von Anerkennung und Schmeicheleien, die sie ihrer Mutter und später auch ihrem Exfreund Carlos zukommen lässt. Dabei merkt Anja gar nicht, dass sie die Verhaltensweisen der Mutter annimmt. Denn die Mutter musste Anjas Vater, der ein erfolgreicher Dirigent war, auch ständig bemuttern und gut zureden. Trotz Therapie fällt es Anja schwer, sich von ihrer Mutter abzugrenzen und auch Carlos endlich zu vergessen.
Neben dem Thema Sterbehilfe, das für mich ruhig mehr Raum hätte einnehmen können, spielen die Themen Suizide in der Familie und jüdische Identität eine Rolle, auf die meiner Meinung nach zu wenig eingegangen wurde. Vor allem weil sie innerhalb der Familie von zentraler Bedeutung waren und dennoch totgeschwiegen wurden.
Ob und wie die Mutter aus dem Leben tritt, müsst ihr selbst lesen.
"Vielleicht ist die Liebe so" ist eine skurrile Geschichte, die mich nicht komplett überzeugen konnte.
Die Mutter mochte ich überhaupt nicht. Sie ist eine durch und durch schreckliche Person. Vielleicht wurde sie extra überspitzt von der Autorin dargestellt!?
Anja hätte ich am liebsten ganz oft geschüttelt und ihr aufgezeigt, dass sie genauso eine verkorkste Beziehung mit ihrem Exfreund Carlos geführt hat, wie ihre Eltern sie hatten. Dass Anja bei jeder Kleinigkeit denkt, Carlos liebt sie doch noch und möchte sie zurückhaben, hat mich total genervt. Auch die Wandlung, die Anja zum Ende hin vollführt, konnte ich aufgrund der fehlenden Tiefe nicht ganz nachvollziehen.