Ich wurde auf dieses Buch aufmerksam, weil es sich scheinbar einreiht in eine Anzahl jüngst erschienener erzählender Sachbücher, die Zeitgeschichte mit Literatur und ihren Literaten verknüpfen. Doch diese Annahme erweist sich nur bedingt als richtig, denn um Literatur geht es hier nur sehr peripher. Bei den anderen Büchern sind die Autoren bzw Künstler vor dem Hintergrund ihrer Zeit das Thema, doch hier ist das Thema der Spanische Bürgerkrieg, in den Autoren und andere Künstler als kämpfende Beteiligte oder Kriegsberichterstatter involviert waren. Das ist mE eine vollkommen andere Prämisse.
Ingendaay hat sein Werk in vier Teile gegliedert, von denen sich jeder einem Jahr des Krieges widmet, der 1936 im Sommer beginnt und im Frühjahr 1939 zu Ende geht. Diese Teile sind in überwiegend datierte kurze, teilweise sehr kurze Kapitel strukturiert. Vor allem im ersten Teil, der mit 142 von 315 Seiten der umfangreichste ist, ist die Vorgeschichte eingeflochten, ebenso der Werdegang Francos und einiger anderer maßgeblicher Akteure dieses Krieges. Auf der Seite der Republik stehen die Internationalen Brigaden, zu deren Kämpfern Männer und Frauen aus 60 Ländern gehören. Hier kommen die Literaten ins Spiel, denn in den Reihen der Internationalen Brigaden sind viele Künstler, Schriftsteller, Journalisten, Fotografen, Philosophen etc. Robert Capa und Gerda Taro (die im Juli 1937 in Spanien stirbt) machen ikonografische Fotos, Hemingway, Orwell, Arthur Koestler, Willy Brandt, Martha Gellhorn und andere sind Kriegsberichterstatter und verarbeiten ihre Erlebnisse später literarisch, in Romanen, Kurzgeschichten, in ihren Lebenserinnerungen und in Essays. Picasso erschafft mit Guernica ein gigantisches Ölgemälde als Reaktion auf die Auslöschung der gleichnamigen baskischen Stadt durch die Legion Condor am 26. April 1937, das, zunächst ohne nennenswerte Resonanz erstmals gezeigt bei der Pariser Weltausstellung 1938, zum berühmtesten Gemälde des 20. Jahrhunderts werden wird. Viele Szenen, Schlachten und persönliche Erlebnisse der Beteiligten schildert Ingendaay sehr detailliert und bildhaft, so dass man eine Vorstellung sowohl von der Komplexität als auch von der unfassbaren Grausamkeit dieses Krieges bekommt.
Durch den häufigen Perspektivwechsel und Formulierungen, die zum Einrahmen schön sind, ist dieses Buch nicht nur sehr informativ, sondern, trotz all der geschilderten Grausamkeiten, gleichzeitig auch sehr unterhaltsam zu lesen. Und es stellt sehr viele Referenzen her zu Literatur, die im Nachgang entstanden ist und macht große Lust, einige dieser Werke zu lesen.
Den Untertitel Der große Kampf der Literatur finde ich nicht nur aus den eingangs genannten Gründen etwas irreführend. Nicht die Literatur hat gekämpft. Es waren Menschen.