Es war mein erstes Buch von Elisa Hoven und nicht nur war die Lektüre ein im positivsten Sinne rasanter Rausch, ich bin danach auch in Höchstgeschwindigkeit in meine lokale Buchhandlung gerannt, um mir den Vorgänger zu kaufen - so absolut begeistert war ich von diesem Werk!
Selbst, wenn ich das Ende der einzelnen Fälle schon ahnte - und das war in einigen Geschichten der Fall - war es dem Schreibstil Hovens zu verdanken, dass ich absolut an ihren Lippen hing. Der Weg, den die Strafverteidigerin Eva beschreitet, um die mutmaßliche Wahrheit herauszufinden, ist super spannend und zugleich greifbar beschrieben. Sie wird eine kleine Detektivin, reflektiert aber auch selbst und profitiert vom Austausch mit anderen. Damit wird sie zu einer Protagonistin, die mir nah war und gleichzeitig nicht moralisch rein - wie eben auch die geschilderten Fälle. Gleichzeitig verzichtet Hoven auf scary Szenen, ohne dass dies auf Kosten der Spannung geht. Ich habe es absolut geliebt.
Die Feinheiten der Justiz, des Gesetzes, sind ein reizvolles und oft auch frustrierendes Thema für mich. Mein Gerechtigkeitssinn wurde hier wirklich maximal strapaziert, aber genau das liebe ich an Literatur. Viele Grundsätze, wie die unantastbare Würde des Menschen (und eben auch des Täters), sind absolut unverzichtbar, aber es gibt eben auch Fälle, in denen genau das einem Unrecht nahekommt.
Die Autorin schafft es, moralische Grautöne auszuloten, die Justiz auf den Prüfstand zu stellen und uns als Leser*innen selbst zum Denken, aber nie zum Verurteilen zu animieren. Die Fälle sind super leicht lesbar und Kurzgeschichten-artig kurz, was das Leseerlebnis nur noch einmal verbessert. Verbunden werden die in sich abgeschlossenen Fälle durch eine private Handlung der Protagonistin, die selbst wunderbar spannend konstruiert ist.
Es geht hier weniger darum, dass es immer total offen bleibt, wer es denn nun war und was genau passiert ist. Es sind die moralischen Feinheiten und der Weg hin zu einer vermeintlichen Wahrheit bzw. der Umgang der Strafverteidigerin damit. Außerdem ist es für mich total reizvoll und oft auch herzzerreißend zu wissen, dass die Autorin sich hier an realen Fällen bedient und sie fiktionalisiert hat.
Ich mochte auch Peter als Evas Mann wirklich sehr gerne. Er ist zwar nur eine Nebenfigur, die der Geschichte insgesamt aber Lebendigkeit gibt und Eva noch nahbarer macht. Die beiden haben eine tolle Beziehung und das war neben all den spannenden Fällen ein beruhigender Ausgleich. Elisa Hoven schreibt klug, gut verständlich und mitreißend-sympathisch. Ich freue mich jetzt schon auf alle zukünftigen Werke!