Die Geschichte verbindet einen spannenden Kriminalfall mit Themen wie Vertrauen, Identität und sozialer Ungleichheit.
"Die Spur der Meisterdiebin" ist der zweite Band der Reihe Mika Mysteries. Nachdem der Auftakt im Winter 1880 spielte, führt die Fortsetzung in den Frühling 1881. Schauplatz bleibt das historische Schweden, während sich an den sozial und wirtschaftlich schwierigen Lebensumständen der Protagonistin wenig geändert hat. Die zwölfjährige Mika lebt weiterhin in einem Waisenhaus und trägt dort bereits große Verantwortung. Statt die Schule zu besuchen, unterstützt sie die Leiterin bei deren täglichen Aufgaben. Dabei fällt ihr auf, dass sich einige der älteren Kinder auffällig verhalten. Als kurz darauf ein Junge aus dem Waisenhaus verschwindet und der Kommissar Mika aufsucht, steckt sie bereits mitten in den Ermittlungen eines Falls, bei dem es erneut um Leben und Tod geht.Wie schon der erste Band ist auch dieses Kinderbuch spannend und atmosphärisch erzählt und entwickelt eine Sogwirkung, die es schwer macht, das Buch aus der Hand zu legen. Dazu trägt zum einen das historische Setting bei, das sich deutlich von der heutigen Lebenswelt unterscheidet und dadurch seinen besonderen Reiz entfaltet. Zum anderen umgeben mehrere Figuren aus Mikas unmittelbarem Umfeld persönliche Geheimnisse. Dadurch bleibt bis zum Ende lange unklar, wer über welche Informationen verfügt, welche Rolle die einzelnen Personen tatsächlich spielen und wem Mika überhaupt vertrauen kann.Mika ist eine ungewöhnlich starke Protagonistin, die trotz ihres jungen Alters bemerkenswert reif handelt, ohne dabei unglaubwürdig zu wirken. Gleichzeitig verdichten sich die Hinweise auf ihre bislang ungeklärte Herkunft. Neben dem kriminalistischen Handlungsstrang gewinnt die Geschichte dadurch eine persönliche und emotionale Ebene, die zusätzlich fesselt und genügend Stoff für die Fortsetzung bereithält.Dennoch erreicht dieser Band die Spannung des Auftakts nicht ganz. Das dürfte auch daran liegen, dass Schauplatz und Figuren inzwischen eingeführt sind und der Überraschungseffekt entsprechend geringer ausfällt. Der Kriminalfall bleibt zwar durchgehend packend, entwickelt aber etwas weniger Dynamik als im ersten Band. Da die Reihe noch mehrere offene Handlungsstränge bereithält, bleibt zu hoffen, dass sie konsequent auf einen überzeugenden Abschluss hinarbeitet und ihre erzählerische Qualität auch in den Folgebänden bewahrt.