Seit einem Jahrzehnt halten Shane Hollander und Ilya Rozanov ihre Beziehung geheim. Aber wie lange kann Liebe hinter verschlossenen Türen bestehen?Haben wir in "Heated Rivalry" verfolgen dürfen, wie aus Geplänkel unter Rivalen tiefsinnige Gespräche, aus einer sporadischen Affäre echte Gefühle, wie aus Friends with Benefits die eine große Liebe wurde, tauchen wir jetzt in ein Gemeinsam ein, das nicht nur von Zukunftsplänen und Intimität abseits des Körperlichen geprägt ist, sondern von Heimlichkeit und Vorsicht. Gestohlene Stunden statt offener Zuneigung.Erneut begleiten wir die ungleichen Männer in wechselnder Perspektive, lernen sie noch genauer und innerhalb ihrer Partnerschaft, die oft einer Tortur gleicht, kennen, können ihre persönliche und zwischenmenschliche Veränderung, all die kleinen und großen Konflikte, die romantischen Gesten und ihr Wachsen verfolgen.Dass Shane - im Gegensatz zu Ilya - seine Karriere weiterhin auf Höhepunkten reitet, trägt aktuell nicht unbedingt zu einem entspannten Verhältnis bei. Angestauter Frust, der sich Bahn bricht. Denn der Captain der Montreal Voyageurs hat seine Familie und seinen besten Freund an und auf seiner Seite, hat Menschen zum Reden. Glück im Spiel. Nichts für das "Wir" geändert.Indes gärt in Rozanov zusehends Unzufriedenheit und Einsamkeit. Sein Alleinsein zieht sich durch die Kapitel und geht in Kombination mit seiner Vergangenheit, den Abgründen, in die seine Gedanken immer öfter driften, seiner angeschlagenen mentalen Gesundheit nah. Und obgleich beide stolz auf jene Kameraden sind, die den Mut finden, sich zu outen, ist da auch Neid ... Denn für sie scheint nie der richtige Zeitpunkt - und immer häufiger geraten die Hockey-Champs aneinander ...Neben dem Eishockey und der Beziehung legt Rachel Reid in diesem Buch großes Augenmerk auf die inneren Befindlichkeiten und die unterschiedlichen Bedürfnisse von Shane und Ilya. Die Dynamik der beiden ist wie schon im ersten Teil frisch, fühlbar und echt, doch im selben Maße auch ernster. Denn wie eine Zukunft planen, wenn niemand davon wissen darf? Zu keiner Zeit driftet ihr Miteinander in Stagnation, verläuft weder glatt noch hürdenlos. Dieser Umstand gibt der Romance nicht nur Abwechslung und genügend Raum, um mitzufiebern, sondern auch Authentizität, gerade in Bezug auf die Zerrissenheit der Männer - zwischen Karriere, Liebe und Selbstverleugnung.Von Kapitel zu Kapitel tauchen wir tiefer in die Protagonisten und die Probleme ein, sehen ihre Verletzlichkeit. Doch vor allem ist es Ilya, der seine Mauern langsam fallen lässt; zugänglicher, dessen Sicht von Schwere begleitet wird. Statt als selbstsicherer Aufreißer überrascht der Captain der Ottawa Centaurs mit einem Herz für Kinder und Tiere, mit Mitgefühl und seinem Engagement für psychische Gesundheit. Shane wirkte auf mich zwar teilweise blind für die Struggles seines Partners, aber sein Optimismus, seine süße Unbeholfenheit, sein Einsehen machten diesen Fauxpas wett. Denn trotz aller Schwierigkeiten und Uneinigkeiten, trotz ihrer Fehler und Ängste hat Reid hier eine intensive Liebe geschaffen, die wunderschön ist, auf Augenhöhe. Eine mit sämtlichen Schattenseiten und Höhenflügen, die heiße und melancholische Augenblicke mit Humor und unbequemer Relevanz vereint. Eine, die berührt und tief seufzen lässt. Ich mochte die witzigen, direkten Sticheleien, die Anzüglichkeiten zwischen den Laken, das durchdringende Begehren und die nie erkaltende Leidenschaft. Die reflektierten Unterhaltungen sowie die Gespräche mit anderen Sportlern und FreundInnen, wie Troy, Hayden oder Harris, die den Verlauf zusätzlich aufwerten. Die manipulative, Druck ausübende Vorgehensweise der NHL hat mich ebenso geschockt wie das Verhalten von Shanes Team, während häufiger ersichtlich wurde, welches Glück Ilyan mit seiner neuen Mannschaft hat. Natürlich geht's nicht nur auf dem Eis heiß her, sondern auch im Bett. Diese Szenen waren reallllllly hot, explizit und detailliert, weder zu viel noch in irgendeiner Weise klischeehaft, ganz im Gegenteil. Das Ende war perfekt und ich freu' mich auf das nächste Paar der "Game Changers"-Reihe."The Long Game" ist reich an stimmig auf- und eingebauten Entwicklungen und (Selbst-)Erkenntnissen, angefüllt mit glaubhaften Emotionen, echter Freundschaft und dem Rückhalt, den Familie bieten kann; überrascht mit unerwarteter Unterstützung und überraschenden Wendungen. Doch die Geschichte um Shane Hollander und Ilya Rozanov ist nicht nur herzerwärmend, amüsant, zuckersüß und spicy, sondern auch melancholisch und bitterer Ernst, spricht Rachel Reid auch von toxischer Männlichkeit und Diskriminierung, die nicht laut geäußert werden muss, um zu treffen. Von dem Versuch, mundtot zu machen, Homophobie und veralteten Strukturen in Männerdomänen. Ebenfalls thematisiert werden Leistungsdruck, Versagensängste und die Verurteilung sowie Bewertung von in der Öffentlichkeit stehenden Personen. Punkte, die leider nie an Aktualität verlieren. Des Weiteren werden (Psycho)Therapie und Erkrankungen der Psyche, etwas, vor dem selbst der erfolgreichste Mann nicht sicher ist, enttabuisiert, auf Auffangstationen für ausgesetzte Hunde/Tiere aufmerksam gemacht und die Frage gestellt, was der Einzelne bereit ist, für Erfolg zu opfern - und zu verschweigen?!Die Autorin schafft Sichtbarkeit für jene, die unsichtbar bleiben sollen. Und das in einer nachhallenden, unterhaltenden Art.Obgleich der sensiblen Themenvielfalt ist "The Long Game" - ebenso wie "Heated Rivalry" - purer Genuss und bekommt eine riesengroße Empfehlung meinerseits.The Hype is real - und er ist es definitiv wert.