Es gibt Bücher, bei denen man sich nach dem Lesen erst einmal sammeln muss. Molka gehört für mich definitiv dazu. Schon die Vorstellung, dass irgendwo eine winzige Kamera versteckt sein könnte und jemand glaubt, über mein Leben, meinen Körper und meine intimsten Momente verfügen zu dürfen, hat bei mir ein ausgesprochen mulmiges Gefühl hinterlassen. Monika Kim macht daraus keinen gewöhnlichen Thriller, sondern einen düsteren feministischen Horrorroman, der sich tief unter die Haut schiebt.
Besonders Dahye hat mich emotional gepackt. Ihr Weg von Scham, Verletzlichkeit und Verzweiflung hin zu einer Frau, die ihre Wut nicht länger herunterschluckt, ist brutal und gleichzeitig faszinierend. Dabei bleibt ihre Rache keineswegs angenehm oder harmlos. Genau das macht die Geschichte für mich so intensiv. Man schwankt zwischen Entsetzen, Genugtuung und der Frage, wie weit man selbst gehen würde, wenn einem jede Form von Gerechtigkeit verweigert wird.
Richtig stark fand ich außerdem die Atmosphäre. Das Buch erzeugt eine permanente Anspannung, bei der selbst alltägliche Orte plötzlich nicht mehr sicher wirken. Gleichzeitig regt die Geschichte dazu an, über Überwachung, Voyeurismus, Schuld, Scham und den Umgang mit Opfern nachzudenken.
Molka ist definitiv keine leichte Lektüre und an manchen Stellen wirklich heftig. Trotzdem konnte ich mich der Sogwirkung kaum entziehen. Für mich ein verstörender, wütender und emotionaler Horrorroman, der noch lange nach dem Zuklappen im Kopf bleibt.