Optisch macht Crimson Throne von Beth Revis und Saara Rasch schon einiges her. Ein hochwertig veredeltes Hardcover mit Silberfolie, gestaltetem Einband und einem wunderschönen Farbschnitt. Das Ganze in diesen dunklen Lilatönen..da lachte mein Herz.
Der Klappentext versprach eine magische Elfen-Fantasy im alten Schottland und eine Slow-Burn-Romance zwischen zwei Charakteren, die nicht sein darf.
Und obwohl der Prolog gleich spannend und actionreich begann, brauchte ich gute 50 Seiten, um mit der Geschichte warm zu werden. Es lag nicht einmal am Schreibstil, denn den empfand ich als wirklich angenehm und flüssig. Auch das Worldbuilding war nicht das Problem. Es war vielmehr eine gewisse Distanziertheit, die es mir etwas schwer gemacht hat.
Alyth ist eine Halb-Fae am schottischen Hof und beschützt Königin Mary. Zu Alyth brauchte ich, wie oben bereits erwähnt, ein paar Seiten, um mich in sie hineinversetzen zu können. Ich mochte ihre Art und ihre Einstellung, denn sie ließ sich eben nicht alles gefallen, was die Königin von ihr verlangte.
Königin Mary war mir dagegen mit ihrem Auftreten und Verhalten von Anfang an mehr als unsympathisch. Mein Verhältnis zu Alyth wurde allerdings mit der Zeit besser, als sie für mich durch ihre Gefühle zugänglicher wurde.
Samson,ein Straßenkämpfer, war mir hingegen sofort sympathisch. Dafür, dass er in einem Heim aufgewachsen ist und auf der Straße um seinen Lebensunterhalt kämpfen musste, wirkte er deutlich nahbarer.
Das Aufeinandertreffen der beiden versprach ein wahres Feuerwerk, schließlich heißt es Enemies to Lovers. Obwohl sich die Liebesgeschichte langsam anbahnte, fehlte mir allerdings der gewisse Biss. Die beiden zankten sich anfangs ein wenig und gingen sich aus dem Weg, wurden letztlich aber recht schnell zu Liebenden. Erfrischend anders war dagegen, dass es keine detaillierten Spice-Szenen gibt.
Zu Beginn nehmen sich die beiden Autorinnen viel Zeit, um uns die politischen und historischen Hintergründe näherzubringen. Für mich war es das erste Mal, einen Fantasyroman zu lesen, der im alten Schottland spielt, weshalb mir dieser Einstieg sehr entgegenkam.
Spannend fand ich außerdem, dass sowohl Alyths als auch Samsons Perspektive geschildert wurden, sodass ich abwechslungsreiche Einblicke erhalten habe. Gerade die politischen Aspekte spielten bis zur Mitte des Buches immer wieder eine Rolle, aber dadurch verstand ich als Leserin zumindest, worauf alles hinauslaufen sollte.
Ein Nebencharakter konnte mein Herz sofort erobern: Kitty.
Die Spannung war für mich persönlich allerdings eher oberflächlich spürbar, und ich hätte mir diesbezüglich mehr gewünscht. Auch mehr Einblicke in die Welt der Fae hätten mir gefallen. Dafür wurden die schottische Landschaft und das Schloss sehr detailliert beschrieben, sodass ich mir alles gut vorstellen konnte.
Die Enthüllungen und Geheimnisse, die nach und nach ans Licht kamen, waren allerdings überraschend. Ich habe die ganze Zeit mitgerätselt, doch da kam so manches ans Licht, das ich nicht erwartet hatte.
Die letzten Kapitel überschlagen sich schließlich vor Spannung und Ereignissen. Und so viel sei verraten: Diese Enthüllungen ließen mich die vorherigen Seiten in einem völlig anderen Licht sehen.
Für mich hatte Crimson Throne zwar anfangs einige Schwächen, doch die Geschichte entwickelte sich besonders gegen Ende völlig anders, als ich erwartet hatte, und konnte mich dadurch letztendlich doch noch überzeugen.
Gerade weil die politischen und historischen Hintergründe anschaulich erklärt werden, eignet sich das Buch auch hervorragend für Einsteiger. Außerdem gibt es keine ausführlichen Spice-Szenen, was im Fantasy-Genre durchaus überraschend ist.