Ein bewegendes Kindersachbuch über Mut, Widerstand und Erinnerung gegen das Vergessen.
Mit Damals in der Rosenstraße gelingt Anja Tuckermann ein eindrucksvolles Kindersachbuch, das historische Wissensvermittlung mit erzählerischer Nähe verbindet. Ausgehend von den Rosenstraßen-Protesten im Berlin des Jahres 1943, einem der wenigen öffentlichen und friedlichen Proteste gegen das nationalsozialistische Regime, eröffnet der Band Kindern ab etwa zehn Jahren einen sensiblen Zugang zu Nationalsozialismus, Holocaust und zivilem Widerstand. Dabei verbindet die Autorin eine fiktive Familiengeschichte mit fundierten historischen Informationen und schafft so ein Werk von hoher literarischer und pädagogischer Qualität.Im Mittelpunkt steht die jüdische Familie von Doris und Helmut. Aus ihrer Perspektive erleben Leserinnen und Leser die zunehmende Ausgrenzung jüdischer Menschen, die Verhaftung des Vaters sowie die Angst und Unsicherheit, die den Familienalltag bestimmen. Als sich ihre Mutter gemeinsam mit zahlreichen anderen Frauen in der Berliner Rosenstraße dem NS-Regime entgegenstellt, wird Widerstand nicht als heroischer Ausnahmezustand, sondern als Ausdruck von Mut, Zusammenhalt und Menschlichkeit erfahrbar.Besonders gelungen ist die Verbindung erzählender Passagen mit sachlich fundierten Informationstexten. Historische Hintergründe zu nationalsozialistischer Ideologie, Entrechtung, Verfolgung und den Ereignissen der Rosenstraße werden behutsam in die Handlung integriert und erweitern den Blick auf die geschilderten Ereignisse. Dadurch entsteht ein ausgewogenes Verhältnis zwischen emotionalem Erzählen und historischer Einordnung, das Orientierung bietet, ohne die Geschichte zu unterbrechen.Einen wesentlichen Beitrag zur Wirkung des Buches leisten die ausdrucksstarken Illustrationen von Annabelle von Sperber. Ihre reduzierte, zugleich eindringliche Bildsprache macht Emotionen unmittelbar erfahrbar und eröffnet insbesondere jungen Leserinnen und Lesern einen niedrigschwelligen Zugang zu einem komplexen historischen Thema. Die Bilder illustrieren die Handlung nicht lediglich, sondern tragen wesentlich zum Verständnis der Atmosphäre und der historischen Situation bei.Gerade im schulischen Kontext entfaltet das Buch sein besonderes Potenzial. Die Verbindung aus Erzählung, Sachtexten und Illustrationen schafft zahlreiche Gesprächsanlässe über Nationalsozialismus, Holocaust, Zivilcourage und Erinnerungskultur. Zugleich vermittelt die Geschichte ein Hoffnung stiftendes Beispiel dafür, dass selbst unter einer Diktatur Formen gewaltfreien Widerstands möglich waren, ohne dabei die Verbrechen des Regimes zu relativieren.Damals in der Rosenstraße ist damit weit mehr als ein historisches Kindersachbuch. Es ist ein eindrucksvoller Beitrag gegen das Vergessen, der historische Bildung, Empathie und demokratische Werte auf überzeugende Weise miteinander verbindet und sowohl für Familien als auch für Schule und Bibliothek ausdrücklich empfohlen werden kann.