Meister Eckhart betont in seinen Predigten und Traktaten die Gelassenheit als einen radikal freien Lebensvollzug in geistiger Tätigkeit. Anna Keiling vollzieht diese Konzeption anhand des Leitparadigmas der Muße nach. So können Darstellungen der Abgeschiedenheit, Gelassenheit,
ledecheit
und
ruowe
in mystischer Literatur in ihrem spezifischen Zusammenhang gesehen werden.
In seinen deutschsprachigen Predigten und Traktaten entwirft Meister Eckhart die Bewegung in Gelassenheit als einen radikal freien Lebensvollzug. Obwohl es nicht selbstverständlich ist, mit Blick auf diese Konzeption und auf mystische Literatur im Allgemeinen von 'Muße' zu sprechen, nutzt Anna Keiling das Konzept als Leitparadigma ihrer Analyse. Damit kann sie Darstellungen der Abgeschiedenheit, Gelassenheit, ledecheit und ruowe in ihrem spezifischen Zusammenhang untersuchen: Eckhart stellt traditionelle religiöse Lebensformen in Frage und propagiert anhand von Figuren wie Maria, Martha oder Elisabeth die Einheit geistig tätigen Lebens. Er eröffnet so die Möglichkeit eines freien Lebensvollzuges der Muße in jedem Kontext - ein radikaler Entwurf, der von Heinrich Seuse, Johannes Tauler oder dem Buch von geistiger Armut aufgenommen und diskutiert wird.