Schon das Cover ist ein Hingucker, es zeigt den Gerechtigkeitsbrunnen in Solothurn. Tatsächlich ist Justitia mit verbundenen Augen dargestellt, und ich habe mich schon zu Anfang gefragt, ob das als Hinweis auf den Inhalt des Buches verstanden werden soll?
Um was geht es?
Regisseur Tom Kurti soll an den Solothurner Filmtagen für seine umstrittene Dokumentation über Frauenhass und Femizid ausgezeichnet werden. Leider erlebt er diese Auszeichnung nicht mehr, kurz vorher wird er ermordet und gefunden wird er ausgerechnet von Pia, der Tochter von Chefermittler Dominik Dornach. Zwar finden sich schon in den sozialen Netzwerken eine ganze Reihe von Drohungen gegen ihn, hauptsächlich aus dem ultrarechten Spektrum, aber Dominik stellt schnell fest, dass es noch andere Hintergründe gibt, die tiefer in die Vergangenheit gehen. Ein Fall von Femizid, den er als junger Polizeibeamter mit zu bearbeiten hatte, ist ihm da besonders in Erinnerung und es gibt Parallelen zu dem jetzigen Fall. Damals waren die Ermittlungen von den Vorgesetzten eher schlampig geführt worden.
Schon allein durch die Auffindesituation ist auch dieses Mal wieder Pia direkt in den Fall involviert und sie agiert weiterhin so, wie wir sie kennen: impulsiv, sehr hilfsbereit aber ohne viel nachzudenken oder andere in ihre Gedanken mit einzubeziehen.
Dominik scheint dieses Mal nicht so ganz bei der Sache zu sein, glücklicherweise stehen seine Ex-Partnerinnen ihm immer noch nah und übernehmen einen Teil der Ermittlungen.
Bei den Solothurn-Krimis sind Beruf und Privates nie so genau zu trennen, da Tochter Pia immer eine Rolle spielt. Ich fand das Verhältnis von Privatem zu Beruflichem aber ausgewogen und die Ermittlungen spannend. Zwischenzeitlich hatte der Krimi sogar etwas von einem Thriller und erinnerte an James Bond-Szenen.
Der Abschluss kam tatsächlich überraschend, war aber schlüssig und bestätigte mich in meiner Ansicht, dass nichts eine gute, neutrale und umfassende Ermittlung ersetzen kann. Nur so kann der Gerechtigkeit Genüge getan werden. Und so schlagen wir dann auch wieder den Bogen zur Justitia mit den verbundenen Augen.
Ich habe in vorangegangenen Rezensionen Christof Gasser schon für seine spannenden Krimis gelobt und das wiederhole ich auch dieses Mal gerne wieder.