Mit Regiokrimis war ich an sich ja durch, aber gerade aus der Schweiz hatte ich kürzlich wieder einen durchaus erquicklichen Vertreter gefunden, warum also nicht mal den Blick in eine andere Ecke schweifen lassen und es mit Solothurn ruft nach Vergeltung versuchen? Spannend klingt es ja
Worum es geht, sei krimigerecht nur knapp umrissen, um nicht zu viel vorwegzunehmen: Auf den Solothurner Filmtagen soll der gesellschaftskritische und durchaus umstrittene Filmemacher Tom Kurti ausgezeichnet werden. Doch so weit kommt es nicht Kommissar Dominik Dornach, der mit den Ermittlungen betraut wird, watet nicht nur schnell in einem knietiefen Abgrund, sondern sieht auch bald sich und seine Familie gefährdet.
Dass dieser Krimi bereits der 7. Band einer Reihe ist, tut der Lektüre keinen Abbruch, auch wenn man die Reihe nicht kennt dank in sich geschlossenem Fall kommt man auch als Neueinsteiger klar, dennoch verpasst man sicherlich die eine oder andere Anspielung. Das Setting ist mit der Filmwelt einerseits bunt und bietet die Möglichkeit, Skurrilitäten einzubauen, jedoch durch den Tätigkeitsschwerpunkt des Opfers (Dokus, Femizide) auch die, Gesellschaftskritik bzw. ernstere Themen anzugehen. Das hat Gasser sehr geschickt gemacht. Gerade vor dem Hintergrund, was man gerade aus der Welt über den großen Teich an Nachrichten über Verfilzung von Reichen und Schönen, die (junge) Frauen ausbeuten, hört bzw. liest, kann man sich nur zu gut vorstellen, dass die Handlung des Krimis real sein könnte aber doch bitte nicht vor unserer Haustür ... und genau da spielt der Autor sein nächstes As aus: Die doch sehr authentisch wirkende Atmosphäre wegen starker Regionalität. Die Protagonisten, insbesondere Dornach, bekommen so viel Privatleben ab, dass Reihenfans sicher gern dranbleiben. Der Spannungsbogen ist durch internationale Verflechtungen und zahlreiche Wendungen recht hoch, jedoch nicht wie bei skandinavischen Krimis, und dank flüssigem, aber nicht ödem Schreibstil schnell lesbar. Christof Gassers Solothurn ruft nach Vergeltung ist ein durchaus spannender Regionalkrimi, der einen Blick lohnt.