Ein Kochbuch mit alten Traditionen der italienischen Küche
Ich hatte vor Jahren Genaro Contaldo zusammen mit Jamie Oliver in den Kochsendungen gesehen, die sie in Italien zusammen mit Nonnas gedreht hatten. Mir gefielen die traditionellen, alten Familienrezepte sehr gut. Daher war ich auf dieses neue Kochbuch gespannt.Man mag vielleicht denken, nicht schon wieder eines dieser unzähligen italienischen Kochbücher mit den sich doch häufig wiederholenden Rezepten.Doch dies ist kein "reines" Kochbuch. Die Leser erfahren viel über die ursprüngliche und sehr unterschiedliche italienische Küche, einschließlich des Wandels bis in die heutige Zeit. Die Verschiedenartigkeit dieser Küche lässt sich nicht nur durch die jeweiligen klimatischen Bedingungen erklären, sondern gerade auch durch die unterschiedliche geschichtliche Entwicklung der Regionen und deren Bräuche. Vielen Gerichten werden die eigenen Entstehungsgeschichten oder Anekdoten vorangestellt, die teilweise bis ins 18. Jahrhundert zurückreichen, wenn nicht sogar weiter.Untermalt wird dies durch viele schöne Stimmungsbilder. Man spürt die Liebe des Autors zu seiner Heimat und deren über Jahrhunderte entstandene Esskultur. Auch lässt er den Leser teilhaben an seinen Kindheitserinnerungen, die mit manchen Gerichten verbunden sind.Das Buch ist unterteilt in Mittelitalien, die Inseln, den Norden und den Süden. Aus jeder der vier "Regionen" werden je 20 Rezepte vorgestellt. Die Bandbreite der Gerichte reicht von Fleisch- und Fischgerichten über die cucina povera bis hin zu Desserts. Sie sind bis auf die Süßspeisen meist auf 4 Personen ausgerichtet und werden überwiegend ergänzt durch ein Foto und Zutatentipps oder Serviervorschläge. Der Fokus liegt auf der Geschichte der italienischen Küche. Daher werden manche Anhänger der heutigen Küche hier explizit vegetarische oder vegane Rezepte einschließlich Nährwertangaben nicht finden.Gennaro Contaldo ist es hervorragend gelungen, dem Leser fernab der "Touristenpfade" sein geliebtes, vielfältiges kulinarisches Italien, das reich an Traditionen ist, näherzubringen.Sehr gefallen hat mir an diesem Kochbuch, dass es viele Rezepte enthält, die die Jahrhunderte überdauert haben und, vielleicht auch etwas abgeändert, oft noch heute Teil der italienische (Ess-)Kultur sind. Es ist eine sehr gelungene Zusammenstellung von Rezepten, die zeigt, dass italienische Küche weitaus mehr zu bieten hat als Pizza, Spaghetti Carbonara, Ossobuco und Tiramisù. Das Schöne an althergebrachten Gerichten ist, dass sie meist ohne umfangreiche Zutatenlisten auskommen, einfach umzusetzen und dennoch sehr schmackhaft sind. Allerdings sollte der Zeitaufwand nicht unterschätzt werden, sind doch größtenteils die Nudeln handgemacht. In meiner Küche ist es ein Wochenendkochbuch.