Den eigenen Körper besser verstehen ¿ eine Wundermaschine, die so ihre Eigenheiten hat.
Die Illustrationen im Buch:Das Buch gefiel mir als Autorinnenlesung ziemlich gut. Mehrfach erwähnt Enders darin die Illustrationen, die ihre Schwester Jill zum Buch gestaltete. Ja, das Verhältnis zur Schwester wird sogar in einem der einleitenden Familien- und Beziehungskapitel, die jedem Organ voran stehen, ausführlich geschildert. Ich bestellte mir das Printexemplar in der Bibliothek, da das digitale Hörbuch nur die das wirklich wunderschöne Cover bietet. Das Cover lenkte auch meine Erwartung und ich stellte mir mehr Organbilder vor. Tatsächlich illustriert Jill aber (neben ein paar Schaubildern) eben jene einleitende Seiten, in denen Giulia Enders jede der fünf Organe mit persönlichen und privaten Erlebnissen verknüpft. Die Illustrationen gefallen mir sehr gut, aber es sind deutlich weniger, als ich erwartet hatte, und eben auch ganz anders, als vom Cover zu erwarten. Witzigerweise fiel mir ein, dass ich diesen Nachtrag zu den Illustrationen noch beim Buch selbst posten wollte, als ich heute einen Artikel zu Enders im Spiegel las. Der endet mit den Worten: "Giulia Enders ist, und das ist letztlich das Prinzip ihrer Bücher und das Geheimnis ihres Erfolges: Familientherapeutin im Gewand der Ärztin."Hier nun meine Gedanken zum (Hör)Buch:"Darm mit Charme" wurde mir schon so oft empfohlen, habe aber die Lektüre nie geschafft. Und irgendwie reizte mich das Thema von "Organisch" noch mehr, so dass ich nun endlich ein Buch von Giulia Enders gelesen habe. Besonders möchte ich hervorheben, wie toll die Autorin ihr eigenes Buch als Hörbuch einliest. Mir gefällt ihr Sprachrhythmus und besonders schätze ich, wenn ihr Humor durchscheint.In fünf großen Kapiteln führt uns Enders durch unseren Körper: Lunge, Immunsystem, Haut, Muskeln und Gehirn. Bei allen erzählt Enders faszinierende Aspekte und Zusammenhänge, Wirkungsmechanismen und Anekdoten, wie und warum sie funktionieren und wie sich das auf unser Leben auswirkt. Einiges kannte ich schon, einiges war mir neu, allem zueigen ist ein begeisterter und liebevoller Blick, den Endlers auf diese Wundermaschinen wirft, die wir alle selbst sind. So liebevoll gehen wir hoffentlich nach der Lektüre selbst mit uns und unserem Körper um.Ich höre ja vergleichsweise viele Sachbücher auch in der Hörfassung. Das geht mal besser, mal schlechter, weil die Komplexität doch manchmal ein Nachhören erfordert. Obwohl ich das Buch nicht per se kompliziert fand, musste ich doch an einigen Stellen nochmal zurückspringen, was mich aber nicht gestört hat. Generell ist das "Organisch" schon für Neueinsteigende in das Thema geeignet, aber man sollte schon Spaß an medizinisch, chemischen, genetischen, etc. Zusammenhängen haben.Endlers lockert die Kapitel jeweils mit einem Einstieg auf, in dem sie von persönlichen und privaten Erlebnissen erzählt, die lose mit dem Organ verknüpft sind. Das fand ich sehr anrührend und bewundere da ihre große Offenheit, mit der sie über Trauer oder Familie erzählt. Generell bemüht sie sich sehr um Ausgleich. An zwei Stellen schießt sie da für mich über das Ziel hinaus, die letztendlich auch zu einem Stern Verlust in meiner Bewertung führen. Beim Immunsystem geht sie auch auf Impfungen ein und zeigt da für mich eine falsche Ausgewogenheit. Ich finde ja in Ordnung, dass sie Verständnis für die Ängste aufbringt, sie ordnet diese aber nicht richtig ein, wenn sie nur auf mögliche schwere Folgen eingeht, aber z.B. auf Langzeitfolgen bei Ungeimpften wie Krebsentwicklung (u.a. bei HPV) und ME/CSF (u.a. bei Covid) nicht erwähnt. Bei Therapien über Schlafforschung zitiert sie unkritisch die Gesellschaft für Schlafforschung (DGSM), die bei einer Reihe alternativer Therapiemöglichkeiten wie Achtsamkeitsübnungen, Massage, Meditation, Aromatherapie, auch Homöopathie aufführt - dabei ist wissenschaftlich klar, dass Homöopathie nicht über den Plazeboeffekt hinaus wirkt. Da bin ich zwar gestolpert, aber richtig irritiert mich, dann, als Endlers ausführt, dass niemand Studien für alternative Ansätze finanziere: "Eine Massagelobby gibt es zumindest nicht." Das ist gleich doppelt irreführend, weil Universitäten und Forschungseinrichtungen schon dazu forschen. Und dazu setzt der alternative/esoterische Markt setzt Milliarden um und betreibt damit auch Lobbyarbeit. Schade, denn so hinterfrage ich das Buch dann ein Bisschen als Ganzes.Fazit:Bei der Lektüre hatte ich wirklich Spaß, meinen eigenen Körper und seine Zusammenhänge besser zu verstehen. Über einige Punkte, die mir sehr wichtig sind, geht sie allerdings etwas sehr flappsig hinweg. 4 von 5 Sternen.