Ein liebevolles Extra, ein kleines Highlight für Fans, süß, unterhaltsam und überraschend rund.
Mit Kill Joy liefert Holly Jackson eine kurze, stimmige Vorgeschichte zur A Good Girl's Guide to Murder und zeigt, wie alles begann. Im Mittelpunkt steht Pippa Fitz-Amobi, noch bevor sie sich in echte Mordfälle verbeißt, noch bevor ihr Leben aus Recherchen, Podcasts und unbequemen Wahrheiten besteht.Statt an ihrem Schulprojekt zu arbeiten, findet sich Pip auf einem Krimidinner im Stil der Zwanzigerjahre wieder. Was zunächst nach einem albernen Spiel klingt, entwickelt schnell einen Sog: Hinweise werden analysiert, Verdächtigungen ausgesprochen, Theorien gesponnen. Und genau hier zeigt sich bereits das, was Pip später ausmacht, ihr scharfer Verstand, ihr Ehrgeiz, ihr Drang, Antworten zu finden, selbst dann, wenn sie eigentlich abschalten sollte.Die Geschichte lebt von ihrer Atmosphäre. Das Setting ist verspielt, fast nostalgisch, die Dialoge clever und oft humorvoll. Besonders schön ist es, Pip einmal in einem vergleichsweise leichten, unbeschwerten Kontext zu erleben, vor all den dunklen Ereignissen der Hauptreihe. Gleichzeitig wird sehr klar, warum sie im ersten Band so besessen vom Fall Andie Bell ist: Kill Joy legt den emotionalen und gedanklichen Grundstein dafür, ohne sich aufzudrängen oder zu viel zu erklären.Natürlich bleibt die Novelle inhaltlich überschaubar. Die Nebenfiguren bleiben eher blass, und für die große Handlung der Reihe ist das Buch nicht zwingend notwendig. Wer mit der Trilogie bisher nichts anfangen konnte, wird hier vermutlich auch nicht bekehrt. Doch genau das will Kill Joy auch gar nicht sein.Kill Joy ist ein liebevolles Extra, ein kleines Highlight für Fans, süß, unterhaltsam und überraschend rund. Kein Muss, aber eine wunderbare Ergänzung, die Pip noch einmal von einer ganz anderen, fast unschuldigen Seite zeigt. Für alle, die die Reihe geliebt haben oder einen spoilerfreien Einstieg suchen, ist diese Vorgeschichte absolut lesenswert.