Die englische Historikerin Janina Ramirez untersucht in ihrem neuen Buch Heldinnen Herrscherrinnen Heilige, wie die Lebensgeschichten von Frauen in der Vergangenheit vereinnahmt wurden. Ihre Namen sind zwar bekannt und ihre Errungenschaften werden seit Jahrzehnten im Unterricht behandelt, doch Frauen des Mittelalters wie Jeanne dArc, Lady Godiva und Isabella von Kastilien wurden falsch dargestellt; ihre Geschichten wurden verzerrt und instrumentalisiert.
Für ihre Darstellung wählte Ramirez sieben europäische Länder aus, in denen sich die Idee der Nation im Laufe des Mittelalters und der Neuzeit herausgebildet hatte, und betrachtete für jedes dieser Länder die Rolle zweier Frauen in diesem Prozess: einer eher neuzeitlichen und einer mittelalterlichen. Manche dieser Frauen dürften den meisten britischen Lesern bekannt sein, andere sind weniger geläufig. Jedem Kapitel ist eine Überschrift aus zwei alliterierenden Substantiven vorangestellt.
Den Anfang macht Frankreich mit Charlotte Corday, der Mörderin Marats, und Jeanne dArc. Jeanne dArc war am Prozess der Entstehung der französischen Nation aus verschiedenen unabhängigen Herrschaftsgebieten beteiligt, während es Charlotte Corday um die Frage ging, wie diese Nation regiert werden sollte. Die Iberische Halbinsel folgt mit der mittelalterlichen Isabella von Kastilien, die durch ihre Heirat mit dem König von Aragon die beiden bedeutendsten Königreiche der Halbinsel vereinte. Die zweite Frau ist weniger bekannt: Augustina von Saragossa, die gegen die Invasion Napoleons kämpfte.
Beim Griechenland-Kapitel erinnert Ramirez an die mittelalterliche Prinzessin Anna Komnene die erste Historikerin überhaupt und die Mystikerin und Äbtissin Maria von Oignies. Deutschland wird schließlich durch die mittelalterliche Kaiserin Adelheid (die später heiliggesprochen wurde) und durch Lola Montez, die Mätresse Ludwigs von Bayern im 19. Jahrhundert, repräsentiert.
Die Neuerscheinung bietet eine interessante Darstellung, wie das Wirken und die Mythen von Frauen die Entwicklung der europäischen Nationalstaaten beeinflussten.