Dieser Satz hat mich sehr beeindruckte, da ich ihn für einen Kernsatz halte. Manno, Hermann, benutzt ihn nach seiner Rückkehr nach Holland und am Ende der Nazizeit. Es ist für ihn eine wichtige Feststellung, er der der Kitt dieses Romans ist. Er der als 10-jähriger nach dem Tod der Mutter nach Wien zu seiner Tante Edmonda gebracht wird und dort aufwächst, nicht immer sehr glücklich. Doch der Aufenthalt in einer Jugendherberge zur Musikausbildung, ändert sein Leben. Dort trifft er auf seine Freunde, Lotte, Franzi, Bertl, Max und Bela, die eine verschworenen Gemeinschaft über den Aufenthalt in dieser Institution bilden. In den folgenden Jahre treffen sich die Freunde immer öfter und verbringen viel Zeit miteinander, doch die Zeiten ändern sich und so steht auch bald die Freundschaft dieser fünf auf dem Prüfstand.
Der Roman Der Betrachter von Judith Fanto beschreibt einen Teil des Lebensweges des Holländers und Kunstrestaurators Hermann Loch, genannt Manno. Er durchlebt sehr intensive Zeiten in seiner Jugend und auch später mit der Übernahme der Nationalsozialisten in Wien und später in seiner Heimatstadt Haarlem. Auf dem Cover ist dieser Mensch sehr gut dargestellt, er schaut er sehr nachdenklich aus und so wird er auch von der Autorin dargestellt. Die Erzählung ist aus seiner Perspektive geschrieben und dieser Betrachter hat einiges zu erzählen. Die Freundschaften, die diesen Roman begleiten sind sehr intensiv beschrieben und alle fünf weiteren Hauptcharaktere passen sehr gut wie ein Mosaik zusammen. Sie haben alle spannende Charaktere, wie Franzi, ein Sozialistin, Max, ein Jude, Bela ein ungarischer Aristokratensohn, Bertl, ein Wiener Unternehmersohn und Lotte, die als sehr bestimmend beschrieben wird. Sie alle erleben ereignisreiche Zeiten in Wien und auf ihren Touren in die nähere Umgebung. Sie durchleben auch schwere Zeiten, denn die Naziherrschaft bricht an, was für alle Freunde eine unterschiedliche Herausforderung darstellt. Hier entscheidet sich, wie die Freundschaft gewachsen ist. Die Autorin hat einen sehr bildhaft geprägten Schreibstil, der die Erzählungen sehr gut illustriert und so kann man gut mit Manno mitfühlen.
Ich bin begeistert von diesem Roman, da ich sehr viel über menschliche Schicksale aus dieser Zeit erfahre, die mir diese schwierigen historischen Zeiten emotional näherbringen. Die Identifikation mit der Hauptfigur gelingt mir sehr gut, so dass ich zum Betrachter werden. Ein wirklich empfehlenswertes Buch.