1916 wird Manno jäh aus seinem bisherigen Leben gerissen. Nach dem Tod seiner Mutter einem Unfall mit Todesfolge wird er zu seiner Tante Edmonda nach Wien geschickt. Dort verdient sie ihren Lebensunterhalt auf eine zunächst wenig rühmliche Art und Weise. Was genau dahintersteckt, wird Manno allerdings erst viele Jahre später erfahren.
Ein Privatlehrer erkennt Mannos künstlerisches Talent und fördert ihn. Schließlich besucht er eine Sommerschule und dieser Aufenthalt wird zu einem entscheidenden Glücksfall in seinem Leben. Denn dort lernt er Béla, Franzi, Max, Bertl und Lotte kennen. Zwischen den sechs Jugendlichen entsteht sofort eine enge, eingeschworene Freundschaft, die sie über viele Jahre hinweg verbindet. Immer wieder verbringen sie gemeinsam ihre Ferien am Altaussee. Doch kann diese Freundschaft wirklich allen Widrigkeiten standhalten?
Wien verändert sich. Die politische Lage wird zunehmend bedrohlicher, Hitler marschiert in Österreich ein und die Spannungen innerhalb der Gesellschaft nehmen zu. Zwei der Freunde sind jüdisch, einer fühlt sich zu Männern hingezogen. Und plötzlich gerät auch die Freundschaft selbst in Gefahr: Béla wird von Bertl erpresst.
Die politische Situation verschärft sich immer weiter. Manno kehrt schließlich nach Haarlem zurück, doch auch dort übernehmen die Nationalsozialisten die Macht. Um der Zwangsarbeit zu entgehen, muss Manno sich verstecken. Erst später kommt es wieder zu Begegnungen mit seinen ehemaligen Freunden. Doch kann nach den Jahren des Krieges und all dem Erlebten jemals wieder das entstehen, was sie einst miteinander verbunden hat?
Manno ist der Betrachter und zugleich der Erzähler dieser Geschichte. Durch seine Augen erlebt man die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen, die immer stärker in das Leben der Freunde eingreifen.
Judith Fanto erzählt sehr eindringlich, intensiv und berührend. Der Roman entwickelt einen regelrechten Sog, dem man sich kaum entziehen kann. Die politischen Unwälzungen dieser Zeit sind beim Lesen beinahe spürbar. Gleichzeitig fiebert man mit den sechs Freunden mit und fragt sich immer wieder, ob ihre Freundschaft tatsächlich Bestand haben kann.
Die Geschichte hält einige unerwartete Wendungen und Ereignisse bereit und hat mich immer wieder überrascht. Besonders beeindruckend fand ich, wie eng die persönliche Geschichte der Figuren mit den politischen Entwicklungen dieser Zeit verwoben ist.
Eine eindringliche, bewegende und zugleich spannende Geschichte über Freundschaft, Verrat, Liebe, Verfolgung und die Auswirkungen politischer Gewalt auf das Leben einzelner Menschen.
Ein absolutes Lese-Highlight!