Heul doch nicht, du lebst ja noch

Empfohlen von 14 bis 99 Jahren.
Buch (gebunden)
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Hamburg, Juni 1945: Die Stadt liegt in Trümmern. Mittendrin leben Traute, Hermann und Jakob. Der nennt sich allerdings Friedrich, denn niemand soll erfahren, dass er Jude ist. Als Hermann ihm dennoch auf die Spur kommt, will er nichts mehr mit Jakob … weiterlesen
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Produktdetails

Titel: Heul doch nicht, du lebst ja noch
Autor/en: Kirsten Boie

ISBN: 3751201637
EAN: 9783751201636
Empfohlen von 14 bis 99 Jahren.
Oetinger

8. Januar 2022 - gebunden - 192 Seiten

Beschreibung

Hamburg, Juni 1945: Die Stadt liegt in Trümmern. Mittendrin leben Traute, Hermann und Jakob. Der nennt sich allerdings Friedrich, denn niemand soll erfahren, dass er Jude ist. Als Hermann ihm dennoch auf die Spur kommt, will er nichts mehr mit Jakob zu tun haben. Schuld, Wahrheit, Angst und Wut sind die zentralen Themen dieses Buchs, dessen jugendliche Hauptfiguren durch die Schrecken des Krieges und der Naziherrschaft miteinander verbunden sind. Und für die es doch immer wieder Lichtblicke gibt.

Portrait

Kirsten Boie ist eine der renommiertesten deutschen Kinder- und Jugendbuchautorinnen. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises für ihr Gesamtwerk, das Bundesverdienstkreuz und die Hamburger Ehrenbürgerwürde.
Bewertungen unserer Kunden
Bewegendes Kinder- und Jugendbuch, welches die harte Lebensrealität der ersten N
von Lisa - 22.01.2022
Wie der Titel schon vermuten lässt ist "Heul doch nicht, du lebst ja noch" der Autorin Kirsten Boie wirklich keine leichte Kost. Dennoch lohnt sich die Lektüre, da sich der Roman einem wichtigem Thema annimmt. Das Buch erzählt erschreckend offen und sehr authentisch das Schicksal sehr unterschiedlicher Kinder in Hamburg. Obwohl diese sich auf den ersten Blick stark unterscheiden, offenbart jede der Perspektiven eine andere Facette der Grauenhaftigkeit der Kriegs- und Nachkriegszeit. Am meisten berührte mich dabei der jüdische Junge Jakob, welcher trotz zahlreicher Verluste doch seinen Lebenswillen nicht verliert. Auch mit den anderen Charakteren kann man mitfühlen, wobei diese vielschichtiger angelegt sind. Sehr differenziert wird die Frage aufgegriffen wer etwas vom Holocaust gewusst haben könnte oder nicht. Auch die jahrelange nationalsozialistische Propaganda ist noch deutlich im Denken der anderen Kinder, insbesondere bei Hermann, zu spüren. Auch die Lebensumstände wie der ständige Hunger, Fluchtgeschichten und zerbombte Häuser werden treffend geschildert. Gerade jüngere Kinder sollten das Buch meiner Meinung nach, nur mit Begleitung lesen, da die ungeschönte Geschichte reflektiert werden muss, um alle Einzelheiten verstehen zu können. Dabei hilft außerdem das tolle Begriffsverzeichnis, welches am Ende zu finden ist. "Heul doch nicht, du lebst ja noch" ist sicherlich eine großartige Schullektüre und sollte von möglichst vielen Kinder und Jugendlichen gelesen werden. Besonders da sie selbst aus der Perspektive von Jüngeren geschildert wird, entfalten die Ereignisse eine nochmals stärke Wucht.
Eine Woche im Juni 1945
von Magnolia - 21.01.2022
Eine Woche im Juni des Jahres 1945 zwischen den Ruinen Hamburgs und mittendrin drei Jugendliche - Jakob, Hermann und Traute. Keiner kommt ungeschoren aus den Wirren des Krieges, der familiäre Hintergrund mag zwar für jeden anders sein und doch müssen sie nach vorne schauen, der Krieg ist endgültig vorbei. Für den 14jährigen Jakob stellt sich dieses Ende ganz anders dar, ist er doch Jude und als solcher musste er lange im Verborgenen leben. Aus Sicht von Jakob, Hermann und Traute erfahre ich von deren Lebensweise und all den Entbehrungen. Sie mussten zurechtkommen - irgendwie. Der Hunger war ein zentrales Thema, die Wohnsituation brachte Einquartierungen mit sich. Viele Straßenzüge waren zerbombt, die einstigen Wohnungen nur noch Schutt und Asche. Die Kriegsversehrten waren auf Hilfe angewiesen, so manche Lebensträume zerplatzten wie Seifenblasen. War es für die Deutschen schon schwer genug, musste ein Jude erst recht auf der Hut sein. Kirsten Boie hat gut recherchiert, Jakobs Geschichte lag ihr dabei besonders am Herzen. Sein Vater galt als Deutscher als jüdisch versippt und Jakob war ob seiner jüdischen Mutter ein jüdischer Mischling. Als dieser bleibt er verschont von Deportation und doch ist er in seinen jungen Jahren ganz auf sich alleine gestellt, muss sich verstecken. Die letzte Verbindung, die ihn am Leben hielt, ist weg. Er weiß nicht, dass der Krieg vorbei ist aber eines weiß er ganz genau - er hat Hunger, muss irgendwie überleben. Hermanns Schicksal ist so ganz anders angelegt, er scheint der harte Bursche zu sein inmitten des Elends, das auch seine Familie heimsucht. Er ist ein starker Charakter, hat Wünsche und Träume wie jeder - endlich in Frieden leben können, vorwärts schauen. Ist es so einfach? Die Autorin verrät am Ende des Buches, dass diese Trümmerfelder ihr Spielplatz waren. Als Nachkriegskind war das zerbombte Hamburg ihre gewohnte Umgebung. Ihr Ton ist warmherzig, die Kinder nehmen der Trostlosigkeit seine allzu bittere Seite. Sie bringt die damaligen Lebensumstände wie die Rationierungen und die Lebensmittelkarten oder den blühenden Schwarzmarkt gut ins Geschehen ein. Das stimmige Cover sei noch erwähnt. Das Trümmerfeld, davor der Schatten des Jungen, in sich zusammengesunken. Die Worte "Heul doch nicht, du lebst ja noch". Alleingelassen. Nur noch schemenhaft nimmt er sich wahr. Schon vor der Lektüre fand ich dieses Titelbild passend und danach ist es perfekt gewählt für diese Geschichte. Drei Jugendliche erleben ihr Hamburg in Trümmern - ein Buch, das mich berührt hat, mich nachdenklich zurücklässt. Ein Buch für Jung und Alt, das ich gerne weiterempfehle.
von Andersleser - 18.01.2022
Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll, dieses Buch ist einfach wieder eines, das es mir wirklich schwer macht. Ich kann nicht so wirklich in Worte zusammenfassen, was ich insgesamt davon denke. Es lässt mich irgendwie ohne Worte zurück und vielleicht ist das auch einfach der Punkt. Dass nicht zu allem etwas gesagt werden muss oder kann, dass manche Bücher auch einfach nur wirken und man gar nicht so viel dazu sagen sollte oder muss? Aber ich kenne mich, genau in solchen Momenten sind es gerade viele Worte, um die fehlenden zu beschreiben. Einerseits finde ich die Geschichte wirklich gut, und ich will das Buch lieben. Vor allem, weil die Kinder zu Wort kommen und die Geschichte komplett aus deren Sicht erzählt ist. Weil es Sichtweisen sind, die genauso wichtig sind, wie alle anderen. Andererseits habe ich mich mit dem Schreibstil wahnsinnig schwer getan, denn damit bin ich das gesamte Buch über nicht warm geworden. Und gerade daran hängt beim Lesen ja schon sehr viel. Doch entgegen dieser Tatsache bin ich total fasziniert davon, dass mich das Buch trotzdem immer wieder fesseln und mitziehen konnte, denn damit hätte ich nach meinem Start gar nicht unbedingt gerechnet. Die Story trägt hier gefühlt sehr viel mehr, als es der Schreibstil tut. So bin ich nun natürlich noch mehr hin und her gerissen, zwischen Szenen, die mich ziemlich aus der Geschichte rausgerissen haben, aber auch anderen, bei denen ich so tief darin versunken war, dass es mich eben doch erreichen konnte. Aber leider gab es auch immer mal wieder Momente, bei denen ich eher ein unbeteiligter Zuschauer war, selbst wenn ich mir meinen Teil gedacht habe. Es konnte mich einfach nicht vollkommen packen, mich nicht komplett in sich hineinziehen und mir auch nicht so richtig das Gefühl geben, dass es etwas mit mir macht, was bei solchen Themen eigentlich schon der Fall ist. Doch so oder so: Das Buch bietet immer wieder Potenzial, dass man wütend wird, den Kopf schüttelt, Mitleid hat und Trauer empfindet - oder eben doch einfach die Hoffnung kurz aufflackern spürt. Die Stimmungen der Kinder und der Zeit im allgemeinen sind durchaus greifbar. Nur für mich fehlt hier einfach was. Und ich denke, dass es zum Teil tatsächlich am Schreibstil lag. Die Geschichte in diesem Buch wird aus mehreren Perspektiven erzählt. So gibt es hier die drei erzählenden Kinder, die aus völlig unterschiedlichen Verhältnissen kommen und noch zwei weitere, die im Buch mitlaufen, aber keinen eigenen Erzählstrang haben. Und auch wenn manche mehr Leid erfahren als andere, so leiden sie dennoch alle auf irgendeine Art, was beim Lesen durchaus ergreifen kann. Man erkennt aber auch, wie sehr das Denken und Handeln der Kinder zu Kriegszeiten beeinflusst wurde, immerhin wurde diesen alles mögliche so lange eingetrichtert, bis sie es geglaubt haben. Es blieb ja auch kaum was übrig, zumal so viele ohnehin zu jung waren um tatsächlich zu hinterfragen, was die Erwachsenen einen erzählen. Und nun müssen sie sehen, wie sie nach dem Krieg zurecht kommen, was sie glauben sollen und wie sie sich verhalten sollen. Das ist nicht einfach und stellt das gesamte bekannte Leben und Weltbild völlig auf den Kopf. Ich würde sagen, dass sich dieses Buch durchaus lohnen kann, gerade wenn man Geschichten solcher Art mag. Es wird einiges vermittelt, ist aber auch nicht immer ganz einfach. Trotzdem eignet es sich meiner Meinung nach gut um auch mal einen Einstieg in die Zeit nach dem Krieg zu finden, wo die Bücher doch meist währenddessen spielen. Ich würde meinen, dass sich das Buch auch gut im Unterricht eignen würde, wenn man mit dem Thema des zweiten Weltkriegs gerade durch ist. Ich erinnere mich nämlich noch sehr genau, dass ich in der Schule zwar zu dem Krieg einiges gelernt habe, aber ohne jedes Wissen über die Zeit danach, selbst die unmittelbar darauffolgende Zeit, abgegangen bin - und das immerhin nach zehn Jahren Schule. Alles was ich auf dem Gebiet weiß, musste ich mir später selber anlesen, dabei halte ich es durchaus für Sinnvoll auch über die Dinge nach dem Krieg informiert zu sein, auch diese sind Geschichte und gehören dazu.
Die Opfer des Krieges
von Christian1977 - 18.01.2022
Seit sechs Wochen ist der Zweite Weltkrieg vorbei, doch noch immer versteckt sich der 14-jährige Jakob in einer Wohnruine des zerbombten Hamburg. Bisher hat niemand dem jüdischen Jungen gesagt, dass Deutschland den Krieg verloren hat und er in Sicherheit ist. Derweil trauert der gleichaltrige Hermann seiner Zeit als HJ-Führer hinterher, während Traute ihre Freundinnen vermisst und in den Trümmern des Krieges Anschluss sucht... Hinter dem etwas sperrigen Titel Heul doch nicht, du lebst ja noch verbirgt sich der neue Jugendroman der Hamburger Autorin Kirsten Boie. Und hätte ich nicht ihren Namen auf dem Cover entdeckt, wäre dieser Roman wohl an mir vorbeigegangen, denn angesprochen hat mich dieser Titel nicht. Verpasst hätte ich ein abermals bewegendes und gut recherchiertes Buch, das die - allerdings auch wahrlich überragende - Qualität und Intensität des inoffiziellen Boie-Vorgängers Dunkelnacht jedoch nicht erreicht. Dennoch leistet Boie erneut einen wertvollen und wichtigen Beitrag gegen das Vergessen. Besonders gelungen ist, dass die Autorin sich konsequent in die Perspektiven ihrer drei jugendlichen Protagonist:innen versetzt. Dabei schafft sie es, sich einer Bewertung zu enthalten. Denn die Figuren sind nicht schwarz-weiß gezeichnet, sondern ambivalent, sie alle machen Fehler, doch sie alle reflektieren auch ihr Verhalten. Es wäre einfach gewesen, den HJ-Jungen Hermann als Antihelden darzustellen, gerade zu Beginn des Romans verhält er sich wie ein klassisches Ekel. Doch in seinem Zuhause erkennen wir einen Jungen, der ebenfalls ein Opfer des Krieges ist. Denn während Hermann von Amerika träumt, wartet daheim ein tyrannischer Vater, der beide Beine im Krieg verloren hat und von Hermann regelmäßig auf die ein Stockwerk tiefer liegende Toilette getragen werden muss. Doch im Mittelpunkt steht Jakob, dessen Schicksal stellvertretend für die Verfolgung jüdischer Familien in Hamburg steht, wie Boie auch im Nachwort noch einmal betont. Es ist die wahrlich traurige Geschichte eines Jungen, der vor lauter Angst vor Verfolgung nicht einmal mitbekommt, dass der Krieg längst vorbei ist. Dass nicht auch er in seiner Not einen schwerwiegenden Fehler begeht, verhindert ausgerechnet - Hermann. Während die beiden Jungenfiguren und ihre Schicksale den Leser:innen ans Herz gehen sollten, bleibt Traute als einzige weibliche Protagonistin verhältnismäßig blass. Sie spinnt die Fäden eher im Hintergrund, wird leider nicht mehr als eine Art verbindendes Element zwischen den beiden so unterschiedlichen Jungen. Ohne etwas über das Ende verraten zu wollen, muss ich konstatieren, dass es mich wirklich schockiert hat. Boie leitet es ein wenig knapp mit den Worten Bis das Schreckliche passiert ein. Gerade jüngeren Leser:innen dürfte es einigermaßen schwerfallen, dieses für eine der Figuren erdachte Finale verarbeiten und akzeptieren zu können. Der Sprachstil der Autorin ist insgesamt gewohnt empathisch, doch hat es mich diesmal ziemlich gestört, dass sie sehr oft auf Pronomen verzichtet. Gab ja keine mehr , heißt es dort, oder Waren weniger und weniger geworden . Mir erschloss sich der Zweck nicht, und auch jugendliche Leser:innen könnten dies etwas seltsam finden. Zudem zieht sich dieser Tonfall durch den kompletten Roman und unterscheidet nicht zwischen den einzelnen Perspektiven der drei Protagonist:innen, wodurch die Stimmen ziemlich ähnlich klingen - auch die der Erwachsenen. Trotz dieser kleineren Kritikpunkte ist Heul doch nicht... ein berührender Jugendroman geworden, der für eine Altersgruppe ab 13 Jahren empfohlen wird. Gerade auch an Hamburger Schulen kann ich ihn mir sehr gut als aufregende Lektüre vorstellen. Den Vergleich mit Dunkelnacht verliert er aber recht klar.
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