Das Cover besticht deutlich durch das grelle Gelb und mit der Kombination der lilafarbenen Schiften und den Haus über dem eine Wolke prangt kann man an sich mal so gar nichts anfangen. Es ist definitiv ein Blickfang, aber man erhält keinen Hinweis auf den möglichen Inhalt. Dazu muss man eben doch den Klappentext lesen.
Ich bin in diese Geschichte quasi hineingestolpert, ohne genau zu wissen, was mich erwartet, denn selbst der Kappentext klingt etwas außergewöhnlich und genau das hat den Reiz ausgemacht. Die Familie Flynn wirkt von außen wie das übliche Vorstadtmärchen, aber sobald man ein paar Seiten gelesen hat, merkt man, dass hier gar nichts glattläuft. Jedes Familienmitglied trägt ihr eigenes Chaos mit sich herum, und gerade das macht sie so lebendig.
Der Anfang hat mich sofort abgeholt: frech, unkonventionell, ein bisschen anarchisch. Die Flynns passen eben in keine Schublade, und das wird auch gar nicht versucht. Es gibt verrückte Szenen und auch einfach sehr humorvolle Geschehnisse. Nach und nach kippt nämlich auch die Stimmung dann in etwas Dunkleres, fast wie in einen Krimi. Ich war mir zwischendurch nicht sicher, ob mir dieser Wechsel gefällt, aber er hat mich neugierig gehalten und nie losgelassen.
Besonders stark fand ich die einzelnen Figuren und wie diese charakterisiert wurden. Harper mit ihrem Hang zu wilden Theorien, Louise in ihrer stillen Unsichtbarkeit, Abigail zwischen Teeniedrama und Selbstfindung jede von ihnen ist überzeichnet, aber nie lächerlich. Auch die Eltern, die in ihrer Ehekrise komplett gegensätzliche Wege einschlagen, tragen viel zur Spannung bei. Man spürt, dass hier nichts zufällig ist und dass die Autorin genau weiß, was sie tut.
Der Humor ist trocken, manchmal fast schwarz, und hat mich mehrfach laut auflachen lassen. Gleichzeitig steckt zwischen all den absurden Momenten viel Wahrheit über Familie, Erwartungen und das Scheitern an sich selbst. Gegen Ende wird es noch einmal richtig turbulent, fast wie ein Thriller, und auch wenn mir das Finale etwas zu schnell ging, hat mich das Schlussbild sehr berührt. Und ich kann ehrlich sagen, dass ich auch einfach hätte weiterlesen können und die Familie auf ihren Weg immer weiter begleiten hätte können.
Unterm Strich ist es ein ungewöhnlicher, mutiger Familienroman, der sich nicht an Regeln hält und gerade deshalb so gut funktioniert. Nicht perfekt, aber absolut lesenswert und definitiv anders als vieles, was man sonst so findet.