Eine etwas biedere Grundschullehrerin lebt ein zurückhaltendes, einsames Leben in Leipzig. Sie vermisst ihren Vater, der gestorben ist, und ist von Schuldgefühlen geplagt, weil einer ihrer Schüler, Leon, sich das Leben genommen hat. Erst zehnjährig. Eine Flucht vor den Gewalttaten, denen er zuhause ausgesetzt war. Sie hat das nicht bemerkt. Keiner hat das bemerkt, wie Freundin Claudia ihr immer wieder vorhält. Eines Tages erhält sie ein Schreiben, wonach sie von einem, ihr nur dem Namen nach bekannten, Großonkel eine Wurstfabrik geerbt hat. In Bayern. In Oberschwabing. Sie glaubt, dass das Fake ist. Aber Claudia überredet sie, sich das Ganze vor Ort anzusehen. Zu verlieren hat sie ja nichts, denkt sie. Aber dass da etwas ganz und gar gar nicht stimmt, merkt sie schon kurz nach der Anreise. Vom Zug abgeholt, fährt sie durch eine Landschaft, ganz ohne Bauernhöfe. Ganz ohne Vieh auf Weiden. Ihr Fahrer spricht nur von Käse und der Käserei und das alles, was in den Produkten verarbeitet wird, von hier stamme und traditionell verarbeitet werde. Das hört sie hinfort ständig. Tradition, Tradition, Tradition, ohne das dies näher erläutert wird. Einzig der attraktive Käsemeister, der ihr die Produktionsstätten zeigen soll, hält sie vor Ort. Als sie der Bürgermeister und sein Bruder mit Geld, viel Geld, wie es scheint, abspeisen wollen, um sie los zu werden und dann noch ein junger Wachmann, der ausgerechnet Leon heißt, um Hilfe bei der Suche nach seiner Schwester bittet, ist ihr Kampfgeist geweckt und sie versucht, den Ungereimtheiten auf den Grund zu gehen. Mit fatalen Folgen. Die folgenden Kapitel gleiten ins Eklige ab. Daher die Warnung, man sollte beim Lesen besser nichts essen und besser auch vorher nichts zu sich genommen haben. Es wird heftig. Über eine lange Strecke. Dank des flüssigen Schreibstils und einer gehörigen Portion Ironie und Sarkasmus, die der Autor seiner Protagonistin angedeihen lässt, liest sich das Buch zügig durch. Zum Schluss noch eine absolute Steigerung, weniger der Geschichte, denn der Veränderungen der Persönlichkeiten nach den durchlebten Traumata. Das wird sehr authentisch dargestellt. Der Sprachstil anders, gedämpft, zurückhaltend, fast literarisch. Mit ausgefeilten Gedankenspielen und Sprachbildern. Ein Kapitel hätte man tatsächlich auf das Nötigste zum Fortkommen der Geschichte schrumpfen können. Das mag aber Ansichtssache sein. Insgesamt eine heftige, spannende Lektüre.