Dieser Thriller hat mir richtig gut gefallen, er erzählt eine sehr komplexe und durchdachte Geschichte und ist trotz seiner Längen, überwiegend in einigen Dialogszenen, trotzdem nie langweilig. Aber da mir Handlung sowieso immer lieber ist als Gedankenaustausch, bin ich da wohl auch etwas voreingenommen. Die Protagonistin Jana, die unverhofft eine Fleischfabrik und Molkerei erbt und in der ländlichen Idylle von Oberschnaubing den reinsten Horror erlebt, war mir nicht unsympathisch, allerdings konnte ich manche unvorsichtige, vielleicht sogar dumme und daher gefährliche Handlungen auch nicht nachvollziehen. Nun gut, vielleicht hat Jana nicht so viele Thriller gelesen und kennt daher einige Grundregeln nicht, so dass sie einige typische Fehler macht... Gefallen hat mir aber, dass ihr Charakter sehr vielschichtig und keine Heldin war. Da gab es eine andere Person, die mir viel mehr ans Herz wuchs und die ich schlichtweg bewunderte für ihren Mut und ihre Beharrlichkeit. Ein weiterer kleiner Kritikpunkt ist die Beziehung von Jana zu Frederick, die mir zu schnell ging und für mich bei allem, was passiert, einen komischen Beigeschmack hatte. Doch das sind nur Kleinigkeiten, denn die Story an sich, die Erzählweise und die Zusammenhänge haben mich wirklich gefesselt, schockiert und begeistert. Sehr bemerkenswert war dabei der historische Hintergrund, der den Grundstein legt für die unglaubliche Tradition, die in Oberschnaubing über die Jahrzehnte gewachsen ist. Dabei ist es besonders makaber und faszinierend zugleich, wie selbstverständlich alle damit umgehen. Da wird wirklich nichts ausgelassen, und man ist ein ums andere Mal fassungslos angesichts solch unverfrorener Doppelmoral und Scheinheiligkeit. Fazit: klare Leseempfehlung!