"Gestörte Idylle" von Marcel Richtsteiger ist ein Horror-Thriller mit 658 Seiten, dessen Titel definitiv Programm ist!
Jana Richter aus Leipzig, Grundschullehrerin, erbt von ihrem Großonkel Joachim eine alteingesessene Wurstwarenfabrik im bayerischen Oberschnaubing. Um sich das Ganze anzusehen, macht sich Jana alsbald auf die Reise und kommt in einem idyllischen Bilderbuchdorf an, das jedes Klischee zu erfüllen scheint. Alles ist vorbildlich gepflegt, liebevoll hübschgemacht, inmitten toller Natur und mit netten Einwohnern, die sie freundlich und aufgeschlossen empfangen. Dennoch stoplert Jana über einige Kleinigkeiten, die nicht recht passen wollen. Einige Details, die ihr merkwürdig vorkommen. Und als sie anfängt, Fragen zu stellen, ändert sich die Stimmung und die Gemeinde Oberschnaubing wird recht abweisend. Janas Neugier ist nun aber geweckt, und als sie beginnt, genauer nachzuhaken, offenbart sich ihr Unfassbares - Grauen pur...
Mir hat "Gestörte Idylle" richtig gut gefallen und trotz der beachtlichen Länge habe ich es zügig inhaliert, denn es hatte mich einfach gepackt und der bodenständige, schnörkellose und ehrliche Schreibstil des Autors trieb mich stetig voran. Die erzeugte Atmosphäre bietet einerseits unfassbares Grauen, andererseits abenteuerreiches Mitfiebern, so dass ich das Buch kaum aus der Hand legen mochte.
Die Charaktere sind facetten- und detailreich angelegt, wirken jedoch teilweise etwas künstlich bzw. hölzern - was mitnichten an mangelnden Fähigkeiten des Autors liegt, sondern aufgrund der einzigartigen Situation vollkommen passend und einleuchtend ist!
Neben Jana mochte ich Frederick, Sylvia und Mina sehr gern, wenngleich man hier lange nicht weiß, wem man eigentlich trauen kann und wem besser nicht.
Auch die Bedeutung einzelner Details, die sich durch die komplette Story ziehen, fand ich klasse - beispielsweise die Eule(n).
Das letzte Kapitel (nach dem aufregenden "Showdown", also quasi der Epilog) hat mir leider nicht so gut gefallen, ich fand die Aufklärung der Vorfälle etwas zu ausführlich und darum eine Spur langatmig.
Alles in Allem ein packender, gruseliger Thriller, der mich bisweilen sprachlos gemacht hat - sehr empfehlenswert, aber nichts für Zartbesaitete!