Ich bleibe hier

Roman. Originaltitel: Resto qui.
Buch (gebunden)
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Der Nr.-1-Bestseller aus Italien:

Der Stausee kommt, und alle gehen. Doch Trina bleibt.

Eine zu Herzen gehende Geschichte aus Südtirol, eine Ermutigung zum Widerstand.
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Produktdetails

Titel: Ich bleibe hier
Autor/en: Marco Balzano

ISBN: 3257071213
EAN: 9783257071214
Roman.
Originaltitel: Resto qui.
Übersetzt von Maja Pflug
Diogenes Verlag AG

24. Juni 2020 - gebunden - 285 Seiten

Beschreibung

Ein idyllisches Bergdorf in Südtirol - doch die Zeiten sind hart. Von 1939 bis 1943 werden die Leute vor die Wahl gestellt: entweder nach Deutschland auszuwandern oder als Bürger zweiter Klasse in Italien zu bleiben. Trina entscheidet sich für ihr Dorf, ihr Zuhause. Als die Faschisten ihr verbieten, als Lehrerin tätig zu sein, unterrichtet sie heimlich in Kellern und Scheunen. Und als ein Energiekonzern für einen Stausee Felder und Häuser überfluten will, leistet sie Widerstand - mit Leib und Seele.

Portrait

>Das Leben wartet nicht<Ich bleibe hier<
Bewertungen unserer Kunden
von Gisela Block - 10.08.2020
Auch heute noch ist die Kirchturmspitze, die aus dem Reschensee in Südtirol herausragt, eine Touristenattraktion. Doch dahinter verbergen sich menschliche Schicksale. Balzano schildert in seinem ausgezeichneten, vielfach gelobten Roman die Geschichte der Dörfer, die im Stausee verschwunden sind. Ein großartiges Stück Zeitgeschichte aus einem Landstrich zwischen Italien und Österreich, und eine berührende, faszinierende Lektüre gleichermaßen. Unbedingt lesen!
Was kann ein Mensch ertragen?
von Kaffeeelse - 02.08.2020
Dieses Buch thematisiert die Geschehnisse am Reschener Stausee, wo der Großkonzern Montecantini mit der Unterstützung von schweizerischen Geldgebern einen Stausee plant und baut und das Land Italien gegen die Einwohner mit einer immensen Härte vorgeht, die total erschreckt und abstößt. Sicherlich ist dies auch dem Fakt geschuldet, dass in der Region Südtirol meist deutschsprachige Einwohner leben und der Staat Italien damals gegenüber den Minderheiten im Land rigoros vorgeht/vorgegangen ist. Das Buch befasst sich auch mit den Geschehnissen im Zweiten Weltkrieg, wo die deutschen Bewohner Südtirols zum Spielball zwischen Mussolinis Faschisten und Hitlers Faschisten wurden. Dieser Roman erklärt mit diesen Rückblicken auch die heutige Situation in der Region Südtirol recht gut. Es ist sehr interessant, dass ein italienischer Schriftsteller dieses Geschehen in seinem Buch anprangert, wo doch Italiener die treibenden Kräfte hinter dem ungerechten Vorgehen gegenüber der deutschen Bevölkerung waren. Vielleicht auch eine Form der Wiedergutmachung, zumindest ist es aber ein Anfang. Historisch ist dieses Buch sehr interessant, unterrichtet es doch über ein nicht so bekanntes Geschehen. Vom Personal des Buches wird zudem noch gut verdeutlicht was die Politik und der Krieg mit den Menschen machen können. Hauptfiguren sind Trina und Erich, ein Ehepaar aus Graun, sie müssen die politischen Geschehnisse erdulden, aber auch persönliches kommt hinzu, so verlieren sie ihre Tochter Marica und müssen auch dies ertragen. Trina erzählt rückblickend ihr Leben in Briefen an diese Marica. Das Geschriebene ist kühl formuliert, hat aber dennoch viele Passagen, die sich ins Hirn brennen und das Buch hat mich stark beschäftigt. Ich habe dieses Buch geliebt!
Wenn ein Dorf im See versinkt
von Heidelinde Nürnberger - 02.08.2020
Das Cover: Der im Reschensee stehende Kirchturm von Graun ist berühmt und zeigt auf dem Buchcover, um was es geht. Ich finde es zusammen mit dem Klappentext eine einladende Buchpräsentation. Die Geschichte: Im Vordergrund steht Drina, die Lehrerin, ihr Leben und das ihrer Familie von 1939-1943. In diesen Zeiten werden sie vor die Wahl gestellt auszuwandern, oder als Menschen zweiter Klasse unter den Faschisten im Dorf zu bleiben. Drina unterrichtet heimlich in Kellern und Scheunen, weil es ihr verboten war, ebenso wie die deutsche Sprache. Auch sollen für einen Stausee Felder und Häuser geflutet werden. Eine dramatische Zeit beginnt. Meine Meinung: Diese Geschichte hat mich sehr berührt, ich kannte zwar das berühmte Foto mit dem Kirchturm im See, aber nicht die Tragödie der zwei Dörfer und ihrer Menschen, die bereits lange Zeit vorher 1939 begann. Zuviel möchte ich hier nicht aus dem Nähkästchen plaudern, weil ich der Meinung bin, dass man, je weniger man weiß, desto intensiver in den Roman eintauchen kann. Der Autor hat diese wahre Geschichte um die beiden Dörfer mit einer Romangeschichte auf das Feinste verknüpft und Drina als Erzählerin eingesetzt. Er schreibt in einer leicht verständlichen, aber eindringlichen und doch ruhigen Sprache, die das ganze Drama dessen zum Ausdruck bringt, was damals geschehen ist. Das Buch hat mich so fasziniert, dass ich es nicht mehr aus der Hand legen konnte. Eine Geschichte die Gänsehaut hinterlässt. Heidelinde von friederickes buecherblog
Südtiroler Geschichte erlebbar gemacht
von Literaturhexle - 31.07.2020
"Du weißt nichts über mich, und doch weißt du viel, weil du ja meine Tochter bist." Mit diesem ersten Satz leitet Marco Balzano seinen Roman ein und zeigt gleich zu Beginn auf, um was es sich handelt: um einen langen Brief an die Tochter der Ich-Erzählerin Trina. Trina wurde Anfang des 20. Jahrhunderts in Graun geboren, einem kleinen Südtiroler Bauerndorf im Dreiländereck I/CH/A, in dem Deutsch gesprochen wird. Mit Mussolini beginnt die Italianisierung der Region. Immer mehr Zuwanderer kommen, Deutsch als Sprache wird geächtet, Lehrer ausgetauscht. "Mussolini ließ Straßen, Bäche und Berge umtaufen¿ Sogar die Toten haben sie gestört, diese Mörder, indem sie die Inschriften auf den Grabsteinen änderten." (S. 22) Mit der Sprache verliert ein Mensch seine Identität. Was das mit ihm macht, davon handelt unter anderem dieser Roman. Trina schafft es gerade noch, ihre Ausbildung als (deutsche) Lehrerin abzuschließen, bekommt aber keine Stelle. Sie büffelt Italienisch - eine Fähigkeit, die ihr zwar keine Arbeit beschert, aber häufig im Leben nützlich sein wird. Die Deutschen haben es schwer in Südtirol. Sie werden unterdrückt und nicht geachtet. Trina heiratet den Bauernsohn Erich, sie gründen eine Familie. Trina hat ihre Schwierigkeiten mit der Mutterrolle, wird aber liebevoll von ihrer eigenen Mutter unterstützt. Die Kinder wachsen auf und entwickeln eigene Vorstellungen vom Leben. Parallel dazu erhebt sich der Nationalsozialismus in Deutschland. Hitler versucht, die frustrierten Südtiroler auf seine Seite zu ziehen: "Auf Adolf Hitler zu hoffen, war die einzige Rebellion. Und diese Rebellion zeigte sich in den Wirtshäusern, an den geheimen Treffpunkten, wo die Männer zusammenkamen, um deutsche Zeitungen zu lesen, verrauchte aber, wenn sie allein in den Ställen die Kühe molken und zur Tränke führten." (S. 71) In diesem Spannungsfeld zerbrechen Familien, auch die von Trina. Über die politischen Umwälzungen hinaus drohen den Menschen weitere Gefahren: Die italienische Regierung plant zusammen mit einer großen Schweizer Firma den Bau eines mächtigen Staudamms. Von Beginn an ist die Flutung der Orte Reschen und Graun geplant. Über die Jahre gibt es Verzögerungen, Kämpfe und Widerstand, jedoch zeigt bereits das Buchcover mit einem Bild des Kirchturms inmitten des Reschensees, wie die Sache ausgegangen ist. Heute ist dieser Turm eine Touristenattraktion, man kann ihn aber auch als Mahnmal verstehen. Der Autor versteht es meisterhaft, die historischen Ereignisse und Probleme dieser Region mit dem Einzelschicksal von Trina und ihrer Familie zu verbinden. Dadurch macht er die vergangenen belegten Tatsachen fühlbar, man bekommt ein Empfinden dafür, was es heißt, in schweren Zeiten einer unerwünschten Minderheit anzugehören und einen großen Krieg zu überleben. Immer wieder stellt sich für die Protagonisten die Frage, ob sie die Heimat nicht verlassen sollten. Für Erich ist das keine Option: "Weil ich hier geboren bin, Trina. Mein Vater und meine Mutter sind hier geboren, du bist hier geboren, unsere Kinder sind hier geboren. Wenn wir weggehen, haben die anderen gewonnen." (S.64) Der Roman fasziniert mich sehr. Balzano schreibt in klaren, einfachen Sätzen, er berichtet genau so, wie jemand eine Geschichte erzählen würde. Der Text ist immer wieder mit bemerkenswerten Aussagen/Weisheiten gespickt, die Wahrheit und Tiefgründigkeit beinhalten, etwa: "Es wird schon seinen Grund haben, wenn Gott uns die Augen vorne eingesetzt hat! Das ist die Richtung, in die wir schauen müssen, sonst hätten wir die Augen an der Seite wie die Fische!" (S. 95) Die spannende Handlung wird mit sehr viel Zwischenmenschlichem, Politischem, Familiärem begleitet - ohne je ins Triviale oder Kitschige abzugleiten. Gleichzeitig bekommt man Nachhilfe in Geschichte, man ist überrascht, wie eine ganze Region zum Spielball einzelner nationaler Interessen werden konnte. Das macht Lust, weitere Fakten über die Region herauszufinden und zu recherchieren. Balzano ist eine intelligente Familiengeschichte über mehrere Generationen gelungen. Er schreibt über eine Region, über die Menschen, über ihre Verluste und ihr Leben. Er hat interessante Figuren geschaffen und bleibt bis zum Ende hochgradig glaubwürdig. Besonders Trina entwickelt sich über die Jahrzehnte, sie wird von den Umständen geschliffen. Der Roman wird mit Sicherheit breiten Leserschichten gefallen. Er hat alles, was ein gutes Buch braucht. Große Leseempfehlung!
Geschichtlich äußerst interessant
von Anonym - 30.07.2020
Für Touristen ist er ein beliebtes Fotomotiv, der halb im Reschensee in Südtirol befindliche Kirchturm, der auch das Covermotiv darstellt. Doch wissen sie um die Geschichtsträchtigkeit der Gegend? Von mir muss ich eingestehen, dass mir über Südtirol bislang eigentlich nur bekannt war, dass dort deutsch gesprochen wird. Dank dieses wunderbaren, wirklich lesenswerten Romans verfüge ich jetzt aber über weitaus fundiertere Kenntnisse. In dem Buch lässt der Autor die fiktive Trina aus dem Bergdorf Graun in einem Notizbuch an ihre verloren geglaubte Tochter ihr Leben seit Anfang der 1920er bis hin zu Anfang der 1950er Jahre schildern. Sachlich, emotionslos, dem harten Leben der Bergbauern angepasst spannt Trina den Bogen von den wenigen Jahren nach Ende des Ersten Weltkriegs, als sie noch hoffen durfte, später als Lehrerin arbeiten zu können, über die Zeit nach der Machtergreifung Mussolinis, in der alles Deutsche in Südtirol unerwünscht war, sowie die ersten Jahre des Zweiten Weltkriegs, als sich die Leute für eine Auswanderung ins Deutsche Reich oder ihren rechtlosen Verbleib in Italien entscheiden mussten, bis hin zur Realisierung eines gewaltigen Staudammprojekts nach dem Krieg, das Graun und andere Dörfer dem Boden gleich machte. Trina und ihr späterer Ehemann sind heimatverbunden und vorbildlich in ihrem Widerstand gegen alle Repressalien. Doch gelingt es ihnen, sich immer durchzusetzen gegen die Mächtigen aus Politik und Wirtschaft? Wir werden es erfahren. Offen bleibt hingegen, was aus der Tochter geworden ist, die als Kind heimlich (oder unfreiwillig?) mit Verwandten ins Reich ausgewandert ist. Insoweit hätte ich gerne noch mehr erfahren.
Das höchste Übel ist Verlust der Heimat
von claudi-1963 - 28.07.2020
Wie schön ist es, eine Heimat zu haben und eine Heimat, mit der man durch Geburt, Erinnerungen und Liebe verwachsen ist. (Otto von Bismarck) Trina wächst in dem kleinen, idyllischen Bergdorf Graun in Südtirol auf. Wie ihre beiden Freundinnen wird sie Lehrerin. Doch die Zeiten sind hart und Südtirol gehört auf einmal zu Italien. Deutsch zu sprechen und vor allem zu unterrichten wird in Zukunft verboten. Trotzdem unterrichten sie heimlich, doch die Strafen sind hoch, wenn man erwischt wird. Immer mehr Grauner überlegen nach Deutschland auszuwandern oder in Italien weiter als Menschen zweiter Klasse zu leben. Trina die sich in Erich verliebt und heiratet ist klar, dass sie Graun nicht verlassen werden. Der Krieg, der Verlust der Tochter und die Flucht in die Berge lassen, Trina und Erich weiter für die Zukunft hoffen. Als die Italiener beschließen, den angefangenen Staudamm weiterzubauen, der ihr Dorf überschwemmen wird, bleiben Trina und Erich weiterhin im Dorf. Dieses Energieprojekt ohne Rücksicht auf die Bewohner Grauns und die Natur, ist selbst heute noch nicht vergessen. --- Meine Meinung: Das Bild mit dem Kirchturm des Reschensees ist maßgebend für diese Geschichte. Für mich ist es das erste Buch dieses Autors, dessen Schreibstil interessant und unterhaltsam ist, für mich jedoch ziemlich emotionslos blieb. Dafür das es eine Geschichte sein sollte, die hauptsächlich um die Geschehnisse von damals gehen sollte, war sie mir zu oberflächlich. Ich habe das Gefühl, der Autor wollte etwas zu viel in diesem Buch. Dadurch bleiben die Charaktere relativ blass und von einigen erfahre ich sogar im Nachhinein gar nichts mehr. Selbst die Geschehnisse um Trina und Erich, den beiden um die es hauptsächlich hier geht, waren mir zu emotionslos. In der Anmerkung am Ende schreibt der Autor, das es ihm darum ging, das Leute nicht nur Spaß an dem Stausee haben, sondern erfahren sollten von den damaligen Erlebnissen und wie schwierig der Verlust für die Menschen war. Viele von uns kennen sicher diesen Kirchturm, der im Reschensee herausragt, doch kaum einer kennt die Geschichte und das Schicksal der damaligen Bewohner. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass der Autor noch etwas mehr auf die Bewohner eingeht. Sicher ist es nicht einfach zu recherchieren, da es viele weit verstreut hat oder inzwischen verstorben sind. Jedoch einige der jüngeren Bewohner wohnen heute noch oberhalb des Sees. Doch leider überlagern zu viel andere Nebengeschichten, wie Krieg, Verlust der Tochter, das damalige Schicksal, sodass Graun ein wenig in den Hintergrund gedrängt wird. Erst gegen Ende ist dann das Dorf wieder präsent. Natürlich war es für mich interessant zu sehen, wie die Tiroler Bevölkerung sich gegen die Italiener wehrten. Besonders überrascht war ich, als sie mit dem Verbot deutsch zu sprechen aufgetaucht sind und welche extremen Strafen sie gegen das Verbot hatten. So kann ich gut verstehen, dass selbst heute noch einige Südtiroler wütend auf die Italien sind. Doch die Ungerechtigkeit die, die Grauner Bevölkerung mit dem Staudamm erleben mussten, hat mich am meisten erschüttert. Das ist auch das, was mich an dem Buch am meisten interessiert hat. Alles andere war zwar gut, hätte ich jetzt aber nicht unbedingt so ausführlich gebraucht. Viel lieber wäre es mir gewesen, hätte der Autor manche Charaktere, die er begonnen hat beendet, statt der Fantasie des Lesers zu überlassen. So hat mich das Buch zwar in manchem ganz gut informiert, jedoch in einigem mit Fragen zurückgelassen, was mich doch ein wenig enttäuscht hat. Interessant dagegen war noch die Anmerkung des Autors, warum er dieses Buch geschrieben hat. Von mir gibt es darum nur 3 1/2 von 5 Sterne für dieses Buch.
Die Auslöschung der Heimat
von Schmiesen - 27.07.2020
Niemand kann verstehen, was sich unter den Dingen verbirgt. Niemand hat Zeit, stehen zu bleiben und um das zu trauern, was gewesen ist, als wir nicht da waren. Vorwärts gehen, wie Mutter zu sagen pflegte, das ist die einzige Richtung, die erlaubt ist. Trina wächst in einem idyllischen Bergdorf in Südtirol auf, nahe der Grenze zu Österreich und der Schweiz. Doch die Zeiten sind hart und werden noch härter, als die Faschisten in Italien die Macht ergreifen und die deutschsprachige Minderheit in Südtirol vor die Wahl gestellt wird: Entweder nach Nazideutschland auswandern, oder als Bürger zweiter Klasse in Italien bleiben. Trina entscheidet sich zu bleiben. Und auch Jahre später, als ein Energiekonzern entscheidet, für einen Stausee Dörfer und Felder zu überfluten, bleibt sie - und kämpft für den Erhalt ihrer Heimat. Balzano hat sich mit Südtirol an eine Problemregion im Herzen Europas herangewagt. Grenzgebiete liefern immer viel Stoff für Geschichte(n), denn die Bevölkerung ist meistens durchmischt oder entspricht nicht der Standardethnie der Nation, zu der das Gebiet gehört. Im Falle Südtirols kommt erschwerend hinzu, dass es eigentlich zu Österreich gehörte und zum Zeitpunkt der Geschichte erst seit Kurzem an Italien angegliedert ist, Die Südtiroler sprechen kein Italienisch, die Italiener und v.a. die Faschisten betrachten sie als Bürger zweiter Klasse. Der Konflikt ist vorprogrammiert. Aber wie hart die Faschisten vorgingen, das war mir nicht bekannt. Deutsch sprechen und unterrichten wurde verboten, von heute auf morgen. Deutschsprachige Lehrerinnen fanden keine Anstellung, deutschsprachige Angestellte und Beamte wurden gefeuert. Es fand eine regelrechte Italianisierung statt. Die Dynamiken und Strömungen in der Bevölkerung schildert Balzano mit viel Einfühlungsvermögen, und er erklärt sehr anschaulich, wie es zu den vielen unterschiedlichen Meinungen und den scheinbar widersprüchlichen Haltungen und Anfeindungen kommen konnte. Er macht klar: Der Faschismus ist ein Krebsgeschwür, das jede intakte Gesellschaft zu zerstören vermag. Das Leben unter solchen Bedingungen, in einer eh schon abgeschiedenen Bergregion, ist natürlich besonders hart. Doch Trina ist eine wahrhaft starke Heldin. Durch all die schweren Zeiten bewegt sie sich mit erstaunlicher Gelassenheit, und das Einzige, das ihr wirklich etwas anhaben kann, ist das urplötzliche Verschwinden ihrer Tochter. Dieses bedingt auch die ungewöhnliche Erzählform des Romans: Trina schreibt eine Art langen Brief an ihre Tochter Marica, die sie immer wieder mit Du anspricht. Das verleiht der Geschichte eine tiefere Ebene, die man schnell übersehen kann. Gleichzeitig ermöglicht diese Art des Erzählens Trina eine relativ starke Distanzierung von den Geschehnissen. Zwar ist der Roman durchaus berührend, aber nie herzduselig oder -schmerzig. Obwohl so viel Tragisches passiert, lässt Trina die Leserin nie allein mit der Verwirrung und den Schmerzen, sondern nimmt sie behutsam an die Hand und führt sie durch diese harten Lebensabschnitte. Am Ende steht dann natürlich noch der Bau des Staudamms, der das Dorf schon seit Erzählbeginn bedroht wie ein Damoklesschwert. Hier gelingt es dem Autor sehr gut, die Ignoranz und blinde Gottesfürchtigkeit (und die damit verknüpfte Handlungsunfähigkeit) darzustellen, mit der die Bewohner dem Bauunternehmen begegnen (verkörpert durch den Mann mit Hut). Der Schmerz von Trinas Ehemann Erich wird erlebbar, und nach und nach bekommt man ein Gefühl dafür, was es bedeutet, wenn die eigene Heimat überflutet wird - es ist nicht einfach nur ein Abriss, nicht einfach nur ein Wegzug, es ist die endgültige materielle Auslöschung der eigenen Vergangenheit. Dennoch gelingt es Bolzano im letzten Abschnitt des Buches nicht vollständig, mich abzuholen, da die Geschehnisse fast wie im Zeitraffer erzählt werden, während z.B. die Flucht vor den Deutschen äußerst ausführlich geschildert wird. Aber vielleicht kennzeichnet ja gerade das den furchtbaren Verlust, den Trina und Erich erleiden: Dass Trina kaum darüber schreiben kann, dass sie es schnell hinter sich bringen will. Balzano gelingt es in seinem neuesten Buch, auf großartige Weise historische Fakten mit einer fiktiven, aber dennoch authentischen Individualgeschichte zu verknüpfen. Genauso könnte es gewesen sein in Graun, dessen Name schon für sich spricht, egal wie idyllisch die Landschaft auch sein mag.
Mittelmäßiger Roman über einen interessanten Aspekt südtiroler Geschichte
von gaia - 24.07.2020
In seinem Roman lässt Marco Balzano die Südtirolerin Trina ihre Geschichte als Text an ihre Tochter schreiben. Sie erzählt nicht nur von Jugendfreundinnen und dem Kennenlernen des späteren Ehemannes, sondern auch den Auswirkungen der Machergreifung der Faschisten in Italien, die Zugehörigkeit zu diesem fremden Land als auch die Veränderungen des Lebens durch den Zweiten Weltkrieg. Besonders letztere werden emotional spannend erzählt. Der titelgebende Kampf um den durch einen geplanten Staudamm im Wasser zu verschwinden drohenden Heimatort Graun, wird scheinbar eher zur Nebensache. Diese Teile der Geschichte zum Beginn und zum Ende, werden recht nüchtern rekapitulierend geschildert. Dadurch verlor ich mit Fortschreiten des Romans immer mehr das Interesse an dem Plot. Es wird stark langweilig zum Ende hin. Die eigentlich interessante Historie des Ortes geht dabei eher unter, genauso wie letztendlich der Ort, aber das wissen wir ja schon vorher. Letztendlich bekommt man den Eindruck, dass das historische Kapitel um die Geschehnisse im Zweiten Weltkrieg im so bezeichneten Teil des Buches Auf der Flucht einfach (wie immer) den Hauptpunkt des Buches ausmacht. Und das finde ich schade. Eine universelle Parabel darüber, was uns Menschen ausmacht und wofür wir einstehen müssen , wie im Klappentext behauptet, kann ich leider nicht in diesem Roman erkennen. Insgesamt handelt es sich um einen mittelmäßigen Roman, dessen Figuren dem Leser leider zu fern bleiben, bzw. nur auf der Flucht ein wenig näher kommen. Immerhin, das Buch lässt sich zügig lesen und man hat ein wenig mehr über den durch Bilder bekannten Kirchturm mitten im See erfahren. Es hätte nur mehr Tiefe gebraucht, um dies dem Leser auch emotional näher zu bringen.
starkes Frauenportrait
von E. - 22.07.2020
Trina wächst Anfang des 20. Jahrhunderts in einem Tiroler Bergdorf auf. Die Tiroler sind unter sich, isoliert von Deutschland und Italien. Als der 2. Weltkrieg ausbricht, geraten ausgerechnet diese Menschen in den Konflikt Europas und werden vor die Ebntscheidung gestellt: Für die Italiener bütteln oder sich den Nationalsozialisten anschließen. Dazu kommt, dass in dem Dorf ein Staudamm gebaut werden soll, der ihre Heimat überfluten würde. Trina und ihr Mann, beide sozialistisch eingestellt, entscheiden sich zu bleiben. Nachdem eine Freundin durch Trinas Zutun abgeführt wird und die gemeinsame Tochter mit Verwandten den Ort verlässt, flieht das Paar in die Berge und kämpft dort um ihr Überleben. Das Buch ist in der Retroperspektive als Brief an die Tochter formuliert, die Trina nie wieder treffen wird. In der Wortwahl und der gesamten Lebensbeschreibung erfährt man viel über die innere Zerrissenheit Trinas und ihrem dennoch standhaften Willen und Selbstbewusstsein. Alles in allem habe ich dieses Buch als starkes Frauenportrait und spannende Familiengeschichte gelesen, bei der man auch viel über die Historie von Südtirol erfährt.
Fiktiv mit einem wahren historischen Kern
von Gisel - 21.07.2020
Graun ist ein kleines, idyllisches Dorf in Südtirol. Seit Jahrhunderten zusammengewachsen, werden die Bewohner von 1939 bis 1943 gefragt, ob sie nach Deutschland auswandern oder als Bürger zweiter Klasse in Italien bleiben. Die junge Trina entscheidet sich für ihr Dorf. Allerdings darf sie dann nicht als Lehrerin tätig sein, nur heimlich unterrichtet sie auf deutsch in Kellern und Scheunen. Da holt die italienische Regierung eine alte Idee erneut hervor: Ein Energiekonzern soll die Felder und Häuser für einen Stausee überfluten. Mit ihrem Ehemann leistet Trina Widerstand gegen diesen Plan. Es ist ein bekanntes Bild: der Turm der Kirche, der aus dem See herausragt, passend auch auf dem Titelbild des Buches wiedergegeben. Der Autor Marco Balzano spinnt um die Geschichte der versunkenen Dörfer Reschen und Graun eine Erzählung, die sich an den historischen Hintergrund im letzten Jahrhundert anlehnt. Das Problem der Südtiroler, die weder so richtig italienisch noch so richtig deutsch sind, wird gut dargestellt. Bitter ist die Herangehensweise des italienischen Staates, das über die Bedürfnisse der Dorfbewohner hinweggeht. Das spiegelt Balzanos Geschichte gut wieder. Etwas gestört hat mich der Erzählstrang um Trinas Tochter Marica, es lenkt zeitweise vom eigentlichen Konflikt des Buches ab. Diese fiktive Geschichte mit einem wahren historischen Kern empfehle ich gerne weiter und vergebe 4 von 5 Sternen.
Hier bleiben oder weggehen
von Anonym - 20.07.2020
Mit seinem Roman Ich bleibe hier entführt der Autor Marco Balzano seinen Leser in ein idyllisches Südtiroler Bergdorf und lässt ihn teilhaben an der Geschichte der Bewohner während der Zeit des zweiten Weltkrieges. Sie haben die Wahl nach Deutschland auszuwandern oder Bürger zweiter Klasse zu werden.Die Lehrerin Trina entscheidet sich für ihr Zuhause und leistet bald Widerstand. Das Thema ist interessant und hat mich anhand des Klappentextes sofort angesprochen. Die Geschichte ist traurig und bewegend. Leider konnte mich das Buch nicht so richtig überzeugen. Der Schreibstil war etwas monoton und den Protagonisten fehlt es an tieferem Charakter. Der geschichtliche Hintergrund dagegen ist sehr interessant.
Eine deprimierende, aber unglaublich realistische Darstellung eines Dorfes, das
von Dark Rose - 15.07.2020
Trina wächst in einem kleinen Dorf in Südtirol auf. Als sie ein Kind ist, ist die Welt noch in Ordnung. Natürlich ist nicht alles perfekt, aber im Vergleich zu später ist es zumindest erträglich. Trina will Lehrerin werden und kaum hat sie ihr Examen, darf sie es nicht mehr sein. Denn sie ist Tirolerin und die Jobs gehen nur noch an Italiener, das hat der Duce so bestimmt. Wer heimlich unterrichtet, wird deportiert. Trina heiratet und bekommt Kinder, aber trotzdem wird sie immer wieder von den Ereignissen der Zeit eingeholt und heimgesucht. Irgendwann müssen sich die Bewohner entscheiden: bleiben sie oder "kehren sie heim ins Reich". Welcher Diktator ist das kleinere Übel? Schließlich steht sogar das ganze Dorf auf dem Spiel: ein Staudamm soll gebaut werden. Und Trinas Leben wird so oder so nie mehr sein, wie es einmal war. Dieses Buch ist wirklich erschütternd und deprimierend, aber auch sehr, sehr wichtig. Die Südtiroler gehören zu einer Gruppe, die seit den 1920er Jahren bis nach dem Krieg viel mitgemacht haben. Sie sind keine "richtigen" Italiener, aber auch keine "richtigen" Deutschen. Sie sitzen zwischen den Stühlen, wie auch ihre Heimat zwischen den Ländern eingepfercht liegt. Italien, Österreich (später das Deutsche Reich), die Schweiz. Sie gehören nirgendwo so richtig dazu und mal haben die einen die Macht, mal die anderen. Als Trina ein Kind ist, ist all das nicht wichtig. Man lebt einfach sein Leben. Das Dorf besteht zum Großteil aus Bauern und die Menschen leben nach dem Gebot der Jahreszeiten und mit der Natur. Politik ist ihnen nicht wichtig, ob sie offiziell nun zu diesem oder jenem Land gehören, schert keinen. Tradition ist wichtig, die Dorfgemeinschaft ist wichtig, mehr nicht. Doch dann wird das Dorf von den Ereignissen der Geschichte eingeholt: Mussolini beschließt, sie sind nicht Italiener genug. Alle Einwohner verlieren ihre Jobs, auch Trina darf, frisch examiniert, nicht unterrichten, ihre Trachten, ihre Sprache, alles wird verboten. Wer dagegen verstößt wird zusammengeschlagen, verschleppt, oder schlimmeres. Kaum ist Italien mit dem Deutschen Reich verbündet, mitten im Krieg, schon müssen die Einwohner entscheiden, ob sie zu Nazi-Deutschland oder Mussolini-Italien gehören wollen. Viele entscheiden sich für das Reich, andere, wie Trina, entscheiden sich zu bleiben. Doch die Nazis bedrohen auch ihre Heimat: ein Staudamm soll gebaut werden. Ein Plan, der immer wieder gefasst wurde, aber bislang nie durchgezogen wurde. Dieses Mal jedoch, scheinen alle wild entschlossen. Trinas Geschichte ist fiktiv, doch die Ereignisse in der Region sind wahr. Es gab die erwähnten Dörfer, es gab die Verbote, die Säuberungen und diese Region, die so oft zum Spielball der Geschichte wurde. Ich persönlich liebe es in Romanen versteckte historische Wahrheiten zu lesen. Geschichte war schon immer meine Leidenschaft und hier wird sie sehr überzeugend dargestellt. Dabei bricht das Buch immer wieder mit Klischees historischer Romane: die "Heldin" ist nicht die eine Abweichlerin unter vielen Lemmingen. Doch sie gibt den Ereignissen ein Gesicht. Ihre Geschichte ist nicht so fantastisch, dass sie nicht wahr sein könnte und deswegen macht sie das Buch realistisch. Fazit: Die Ereignisse in der Region sind wahr, es gab Trinas unter den Menschen dort, es gab Verletzte und Tote und Menschen, die sehr leiden mussten. Dementsprechend ist dieses Buch immer wieder sehr deprimierend, aber andererseits braucht die Handlung das auch, denn die historische Wirklichkeit für die Region, ist deprimierend und erschreckend. Man spürt die Verzweiflung und die Wut der Menschen und dieses Gefühl, egal, wer gerade an der Macht ist und das Sagen über die Region hat, besser wird es sowieso nicht, denn keiner stand jemals wirklich auf ihrer Seite. Sie waren immer der Spielball, immer der Außenseiter. Und dieses Gefühl bringt das Buch sehr gut rüber. Von mir bekommt es 4 Sterne, weil mir ein paar Fragen zu offen geblieben sind.
Konnte mich leider nicht 100% fesseln
von Glücksklee - 15.07.2020
"Ich bleibe hier" ist ein Roman des italienischen Autors Marco Balzano und befasst sich mit den Ereignissen in einem Dorf in Südtirol, während der Zeit des Nationalsozialismus. Die Handlung selbst ist dabei in drei Abschnitte unterteilt und wird zwar in Form eines zusammenhängenden Erzählstranges erzählt, ist aber eigentlich ein sehr, sehr langer Monolog oder Brief an die Tochter der Erzählerin. Dabei besteht mir der Roman persönlich aus zu vielen Beschreibungen vom Gefühlsleben von Trina (der Erzählerin). Es ist nicht so, als wären die Emotionen nicht thematisiert worden, nur wurden sie eher beschrieben als durch die Handlungen der Charaktere wirklich gezeigt. Die Geschichte selbst ist traurig und bedrückend, denn im Kern geht es um die Auswirkungen des Faschismus und des Nationalsozialismus auf das Leben der Menschen in Trinas Heimatdorf und der Umgebung. Das Buch las sich sehr schnell, aber für mich waren die historischen Hintergrundfakten interessanter als die tatsächlichen Charaktere, die der Autor entworfen hat. Leider war die Geschichte nicht so fesselnd wie erhofft, die Charaktere zum Teil sehr oberflächlich und in Form von Stereotypen entworfen, die eher eindimensional daherkamen. Irgendwie hatte ich eine andere Erwartung an die Geschichte und war von der tatsächlichen Umsetzung dann enttäuscht. Trotzdem komme ich insgesamt noch auf 3 Sterne.
Ein Stück Geschichte...
von MB - 12.07.2020
Niemand kann verstehen, was sich unter den Dingen verbirgt. Niemand hat Zeit, stehenzubleiben und um das zu trauern, was gewesen ist... Marco Balzano erzählt die Geschichte eines Dorfes in Südtirol am Vorabend des zweiten Weltkrieges bis hinein in die 50-er Jahre - konfrontiert zunächst mit zwei politischen und später dann mit einer wirtschaftlichen Katastrophe. Zuerst der italienische Faschismus unter Mussolini und dann der zweite Weltkrieg und die Nazis. Das Politische spaltet das Dorf und die Familien, einige bleiben andere wandern aus oder flüchten. Nach dem Horror des Krieges wird das Dorf in der Folge eines Staudammbaus geflutet und verschwindet bis auf den Kirchturm, der als letztes Anzeichen der Ansiedlung aus dem Wasser ragt (Siehe auch die aktuelle Netflix-Serie Curon). Als Leser*in folgen wir der Geschichte des abgeschiedenen Bergdorfes und seiner Bewohner*innen aus der Perspektive einer Familie, die stets ums Überleben kämpft, sich um den Zusammenhalt sorgt, Widerstand leistet und schlussendlich doch zum Opfer der Geschichte wird. Er hatte kein Vieh mehr, sein Feld war überflutet worden, er war kein Bauer mehr, wohnte nicht mehr in seinem Dorf. Er war nichts mehr von dem, was er sein wollte, und wenn du nichts mehr wiedererkennst, wirst du rasch lebensmüde. Dann genügt dir auch Gott nicht. Ein beeindruckendes Buch, weil es erlebte Geschichte erzählt, die sich hinter (unter) der südtiroler Touristenattraktion verbirgt - dem mitten aus einem See ragenden Kirchturm. Unbedingt lesenswert!
Der Untergang eines Dorfes
von Langeweile - 12.07.2020
Inhalt übernommen: Ein idyllisches Bergdorf in Südtirol - doch die Zeiten sind hart. Von 1939 bis 1943 werden die Leute vor die Wahl gestellt: entweder nach Deutschland auszuwandern oder als Bürger zweiter Klasse in Italien zu bleiben. Trina entscheidet sich für ihr Dorf, ihr Zuhause. Als die Faschisten ihr verbieten, als Lehrerin tätig zu sein, unterrichtet sie heimlich in Kellern und Scheunen. Und als ein Energiekonzern für einen Stausee Felder und Häuser überfluten will, leistet sie Widerstand - mit Leib und Seele. Meine Meinung: Im Mittelpunkt der Geschichte steht Trina, die als Lehrerin arbeitet, bis ihr das von den Faschisten untersagt wird. Gemeinsam mit ihrem Mann nimmt sie den Kampf auf, der von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist. Den größten Teil der Geschichte erzählt sie in Briefen an ihre Tochter, die die Familie schon früh verlassen hat und niemals zurückkehrte. Die Geschichte eines Bergdorfes,das karge Leben ihrer Bewohner und Trinas Familiengeschichte,werden fortlaufend erzählt. Die Herrschaft Mussolinis ,der Schrecken des Hitlerregimes und die vielen Verluste ,sowohl menschlicher,als auch finanzieller Art werden relativ emotionslos beschrieben,ich fand keinen wirklichen Zugang zu den Personen,was ich sehr schade finde. Fazit: Eine sehr interessante, mir bis dahin zum Teil unbekannte Geschichte, welche mich emotional nicht wirklich erreicht hat.
Berührende südtiroler Lebensgeschichte in Zeiten des Faschismus
von meggie3 - 12.07.2020
Im Roman "Ich bleibe hier" wird die Lebensgeschichte der Protagonistin Trina aus ihrer Perspektive geschildert. Diese Erzählung richtet sich an ihre Tochter, die immer wieder direkt angesprochen wird. Trina ist in einem Dorf in Südtirol aufgewachsen und Lehrerin geworden. Sie darf aber nicht praktizieren, da die Faschisten die deutsche Sprache ablehnen und auf italienische Arbeiter und auch LehrerInnen setzen. Trina unterrichtet heimlich deutsch in einer sogenannten Katakombenschule und heiratet schließlich Erich, einen Bauern aus dem Dorf. Sie bekommen zwei Kinder, einen Sohn und etwas später eine Tochter. Es wird das beschwerliche Leben in Südtirol während des italienischen Faschismus und auch des zweiten Weltkriegs erzählt. Zusätzlich schwebt über all dem die Bedrohung des Dorfes durch einen Staudamm, den die italienische Regierung und ein Unternehmen bauen wollen. Dieses Projekt taucht fortwährend auf und damit verbunden der Kampf von Erich und auch Trina gegen den Damm und eine mögliche Vertreibung durch eine Überflutung des Dorfes. Der Roman erzählt fast die ganze Lebensgeschichte von Trina; also von der Zeit als junge Frau bis sie eine ältere Frau ist. Es wird ihre Trauer und Sehnsucht nach ihrer Tochter, dem Wunsch unterrichten zu dürfen und der schwierigen und unübersichtlichen politischen und geopolitischen Situation geschildert. Viele Facetten werden abgebildet, aber nicht so, dass ich als Leserin nicht mehr folgen konnte. Im Gegenteil, ich habe sehr viel gelernt. Mir war vieles nicht so bewusst, unter anderem in welchem Spannungsverhältnis sich Südtirol zwischen den italienischen Faschisten und Nazi-Deutschland befand. Sehr ruhig wurde der Kampf von Erich und Trina gegen den Staudamm beschrieben und die Schwierigkeiten, die sie bei der Suche nach Unterstützung hatten. Wie bestimmte Informationsschreiben in ausschließlich italienischer Sprache ausgehängt wurden, sodass die große Mehrheit der Bevölkerung diese nicht verstehen konnte. Und welche Möglichkeiten aber auch Barrieren sich durch Sprache ergeben können. Marco Balzano hat einen wirklich schönen Schreibstil, der detailliert und meinem Empfinden nach sehr realistisch und eindringlich beschreibt. Von den ersten Seiten hat mich Trinas Geschichte gefesselt, sowohl inhaltlich als auch sprachlich. Es gibt keinerlei Passagen, die ich als langatmig empfunden habe und das ist für mich ein echtes Qualitätsmerkmal bei einem Roman, der die Geschichte einer Person über einen Zeitraum von vielen Jahren erzählt. Es war mir möglich, mich in Trina und ihr Leben hineinzuversetzen und zu denken, da Marco Balzano gekonnt Personen, Umstände und Gedankenwelten beschreibt. "Ich bleibe hier" ist ein zum Nachdenken anregender, toll geschriebener Roman. Auch das Cover ist wunderschön und sehr passend. Für mich war das Lesen von "Ich bleibe hier" eine Bereicherung!
Was ist Heimat?
von Elke - 12.07.2020
Ein eigentümliches Bild, das der Blick auf den Reschensee bietet. Eine spiegelglatte Oberfläche, aus deren Mitte ein Kirchturm ragt. Was ist hier geschehen? Und was hat es mit den Menschen gemacht, denen keine andere Wahl blieb, als ihre Heimat zu verlassen? Diesen Fragen geht der mehrfach ausgezeichnete Autor Marco Balzano in seinem neuen Roman "Ich bleibe hier" nach, in dem er aus Sicht von Trina, Lehrerin und Bäuerin, die damaligen Ereignisse rekapituliert und den Leser am Beispiel des Städtchens Graun mit der schmerzhaften Geschichte Südtirols vertraut macht. Italienisch oder Deutsch, Mussolini oder Hitler. Eine Region, die vor dem Zweiten Weltkrieg zum Spielball der Mächte wird. Die Muttersprache ist ein zentrales Thema, das sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch zieht. Sie stiftet Identität, dient aber gleichzeitig auch als Kontrollmechanismus der Herrschenden und ist auch dafür verantwortlich, dass nach der Zwangsitalienisierung Südtirols unter Mussolini viele Grauner ein strammes Deutschtum entwickeln und empfänglich für Hitlers "Heim ins Reich-Ruf" werden. Es sind nicht viel, die bleiben, die weder dem einen noch dem anderen trauen, sondern misstrauisch sowohl gegenüber dem Duce als auch dem Führer sind. Die an ihrer Heimat hängen, sich ihre Skepsis bewahren, diese aber dennoch verlassen müssen. Trotz aller Widerstände lassen die Italiener von dem Staudamm-Projekt nicht ab, siedeln die Übriggebliebenen um, die sie mit lächerlichen Ausgleichszahlungen für den Verlust ihrer Heimat entschädigt haben. Wie es endet, ist bekannt. Das Tal wird 1950 geflutet. "Ich bleibe hier" ist eine Geschichte des Untergangs. Sie klagt nicht an, aber rüttelt auf, denn Balzano gibt in diesem dicht erzählten Roman den Vertriebenen eine Stimme. Er taucht in seine Figuren ein, schildert deren Gefühlswelt ohne überflüssige Sentimentalität und beeindruckt mit seiner klaren Sprache gerade deshalb den Leser. Jedenfalls werde ich beim nächsten Urlaub in Südtirol die zweisprachigen Hinweisschilder mit anderen Augen sehen.
Zwischen Rebellion und Flucht
von omberbomber - 09.07.2020
Das Cover wird wohl von einem der berühmtesten Kirchtürme Italiens geziert. Marco Bolzano lässt in seinem Werk mit Trina Hauser eine starke Frauenfigur zu Wort kommen. auch die anderen Figuren sind ebenso wie die Protagonistin vielschichtig und kompliziert jedoch auch sehr stark. Trina schildert wie sie sich in ihrem kleinen Dorf Graun im Vinschgau mit heimlichen Deutschunterricht gegen die italienischen Faschisten zu Wehr setze, dann in den Wirren des zweiten Weltkrieges zwischen den Stühlen stand und zur Flüchtenden wurde, nur um dann nach Ende des Krieges erneut um die eigene Heimat und Sicherheit des Ortes bangen zu müssen als der Staudamm gebaut werden soll, der Trina endgültig von ihrem Dorf entwurzeln sollte. Untergliedert ist das Buch dem Handlungsstrang folgend in drei große Kapitel: "Die Jahre", "Auf der Flucht" und "Das Wasser". Ein sehr gutes Buch, dass einen emotional sehr nah an die jüngere Geschichte Südtirols heranführt. Man kann Trina und ihren Mut nur bewundern und ihre Geschichte als Anlass nehmen für die wichtigen Dinge einzustehen und zu kämpfen.
Ein berührender Roman
von bookloving - 06.07.2020
In seinem neuen Roman "Ich bleibe hier" greift der italienische Autor Marco Balzano ein dunkles Kapitel aus der bewegten Vergangenheit Südtirols auf und widmet sich der berührenden Geschichte des kleinen Südtiroler Bergbauerndorfs Graun und seinem traurigen Schicksal im Wandel der Zeiten und als Spielball der politischen Interessen. Balzano erzählt zugleich aber auch eine berührende Geschichte über Heimatverbundenheit, Entwurzelung, Verlusten, Leid, Widerstand und Tapferkeit. Angesiedelt ist die vielschichtige Handlung im Vinschgau zwischen den 1930er bis in die frühen 1950er Jahre. Rückblickend berichtet die Ich-Erzählerin und Protagonistin Trina über ihr ereignisreiches Leben, erzählt von ihren geplatzten Zukunftsträumen, ihrem nur kurzen Familienglück und durchleidet erneut viele für sie sehr schmerzliche Erlebnisse. Im nüchternen, sehr emotionsarmen Stil einer Chronistin hat Trina ihre Familiengeschichte für ihre verschwundene Tochter zu Papier gebracht und lässt uns an dem kargen, entbehrungsreichen Leben im deutschsprachigen Vinschgau jener Zeit teilhaben. Schon bald hat mich die außerordentlich dichte und bedrückende Atmosphäre von Trinas Erinnerungen gefangen genommen und gefesselt. Oftmals schwingt beim Lesen der sachlichen Schilderungen ihrer bedrückenden Lebensgeschichte die Frage mit, wie viel Desillusionierung, Unglück und Leid ein Mensch in seinem Leben überhaupt ertragen kann und was ihn weiterleben lässt. Mit Trina hat der Autor eine überaus tiefgründige, sehr authentische Figur geschaffen, die mich sehr beeindruckt hat. Ausführlich protokolliert sie aber auch viele dramatische Ereignisse im Verlauf der bewegten Zeiten, die die Geschicke des Dorfs bedroht und das Leben seiner Bewohner sehr einschneidend bestimmt haben. Gekonnt greift Balzano in seinem Roman eine wenig bekannte Seite in der jüngeren Geschichte Südtirols auf, das mit dem italienischen Faschismus und dem nahtlos nachfolgenden Nationalsozialismus gleich von zwei totalitären Diktaturen heimgesucht wurde. Zudem schwebte immer wieder das Damoklesschwert eines unheilvollen Staudammprojekts über der Zukunft des Tales und drohte ihre Heimat zu vernichten. Gekonnt lässt Balzano die sorgsam recherchierten historischen Abläufe in die persönliche Geschichte von Trinas Familie einfließen. Äußerst bewegend ist es daher aus Trinas Sicht mitzuerleben, wie eine radikale Italienisierung unter Mussolini und die forcierte Siedlungspolitik die einheimische Bevölkerung unter Druck setzte und in verfeindete Lager gespaltete. Das Verbot der deutschen Amtssprache wurde von den Faschisten gezielt als perfides Mittel der Unterdrückung eingesetzt. Verschärft wurde ihre Lage noch durch ein zwischen Mussolini und Hitler geschlossenes Abkommen zur Umsiedlung der Südtiroler, wodurch sie sich für die deutsche Staatbürgerschaft und Auswanderung ins Deutsche Reich entscheiden mussten oder beim Bleiben in ihrer Heimat mit der italienischen Staatsbürgerschaft auch ihre Kultur und Sprache aufzugeben hatten. Auch der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs bringt für die Familie von Trina und Erich weitere Herausforderungen und folgenschwere Entscheidungen mit sich. Als nach Kriegsende schließlich das Staudammprojekt trotz massiver Proteste rücksichtslos realisiert wird, wird die Heimat vieler alteingesessener Familien dem sinnlosen Fortschritt geopfert und ein Stück Kulturlandschaft unwiederbringlich zerstört. Als ein Meister der leisen Töne versteht es Marco Balzano hervorragend, die Emotionen und Gedankenwelt seiner Hauptfiguren einzufangen und die erlebte Tragödie aus Perspektive der Einheimischen glaubhaft darzustellen. Ihre schmerzlichen Wunden und ihr bewegendes Schicksal, das man stellvertretend für das reale Leid der Menschen in jener Zeit miterlebt, entfalten eine außerordentliche Kraft aus sich heraus und stimmen sehr nachdenklich. Die Geschichte Grauns und das vielfältige Schicksal der Einheimischen gehen unter die Haut und werden mich die Touristenattraktion mit dem pittoresken Kirchturm im Reschen-See zukünftig mit beklommenen Gefühlen betrachten lassen. In den Anmerkungen des Autors geht Balzano ausführlich auf seine Beweggründe diesen Roman zu schreiben ein und erläutert zudem seine vielfältigen Recherchen zu den Hintergründen und Anspielungen auf einige historische Persönlichkeiten. Zur besseren Einordnung und Orientierung findet sich auf den Vorsatzblätter zudem einen hübsch illustrierte Landkartenausschnitt, der man die Lage des Vinschgauer Gebiets und die wichtigsten Orte entnehmen kann. FAZIT Eine berührende, großartig erzählte Geschichte über das Schicksal des kleinen Südtiroler Bergbauerndorfs Graun, die die Erinnerung an ein unrühmliches Kapitel in der jüngeren Geschichte Italiens wach halten möchte!
Eine bewegende Zeitreise
von Elke Seifried - 06.07.2020
Ich habe noch nie im Vinschgau Urlaub gemacht und muss ehrlich gestehen, ich weiß nicht ob, wenn ich in Graun vorbeigefahren wäre, nicht auch nur unüberlegt über den halb im Reschensee versunkenen Kirchturm gestaunt hätte ohne das Gesehene genauer zu hinterfragen. Dies wird sicher nicht mehr passieren. Marco Balzano entführt mit seinem Roman genau in dieses Südtiroler Bergdorf, das in seiner Geschichte nicht nur einer ganz besonderen Dynamik, in der Faschismus und Nationalsozialismus bruchlos aufeinander gefolgt sind, ausgesetzt war, sondern dann auch dem Gewinnstreben eines Energiekonzerns zum Opfer gefallen ist, das die Dörfer Reschen und Graun rücksichtslos überfluten hat lassen, um diesen Staudamm zu bauen. "Du weißt nichts über mich, und doch weißt du viel, weil du ja meine Tochter bist." Trina, die ihre Tochter schmerzlich vermisst, erzählt ihr hier ihre Lebensgeschichte. In einem ersten Teil "Die Jahre", erfährt man von ihr, ihren Freundinnen Maja und Barbara, deren Traum als Lehrerin zu arbeiten, und auch, wie sich die Ehe zwischen Trina und Erich anbahnt. Einige Zeit gilt, "Bis zum Marsch auf Bozen verlief das Leben in den Grenztälern im Rhythmus der Jahreszeiten, es schien als käme die Geschichte nicht bis hier herauf. Die Sprache war Deutsch, die Religion christlich." Als dann aber der Duce die Macht ergreift, ändert sich einiges. "Mussolini ließ Straßen, Bäche und Berge umtaufen¿Sogar die Toten haben sie gestört, diese Mörder indem sie die Inschriften auf den Grabsteinen änderten.". Auch eine Stelle als Lehrerin ist für die drei jungen Frauen trotz erfolgreichem Diplom und Italienisch-Kenntnissen nicht mehr drin, denn "Um bloß uns nicht nehmen zu müssen, stellten sie lieber Analphabeten aus Sizilien und dem ländlichen Venetien ein." Das Staudammprojekt, das bereits 1911 schon einmal angedacht war, wird von der Regierung wieder aufgegriffen und hängt somit wie ein Damoklesschwert über dem Dorf. Für die Bevölkerung heißt es jetzt, wir "Dämmerten tatenlos und unterdrückt bis zum Sommer 39 dahin, als Hitlers Deutsche erschienen, um uns zu verkünden, dass wir, wenn wir wollten, Italien verlassen und ins Deutsche Reich kommen könnten.", aber für Trinas Ehemann Erich steht felsenfest, "Ich würde nie aus Graun fortwollen, sagte er und wies auf das Tal.", und damit ist es auch für Trina keine Frage mehr, auch wenn sie und ihre beiden Kinder sich vielleicht mit dem Gedanken anfreunden könnten. Im zweiten Teil, "Die Flucht" wird man dann Zeuge, wie der Krieg auch vor dem Bergdorf keinen Halt macht, die Deutschen von vielen als Befreier gefeiert werden und schließlich Erich eingezogen wird, aufgrund seiner Erfahrungen aber nie mehr kämpfen will, und die beiden deshalb tief in die Berge fliehen. Das Staudammprojekt, das in diesem Teil brachliegt, wird dann im letzten Abschnitt "Das Wasser" zum zentralen Moment. "Wir müssen die Baustelle sabotieren, bevor sie uns ertränken.", ist hier nur ein Beispiel einer Idee neben vielen Briefen, Kampagnen und anderer Versuche, die vom erbitterten und letztendlich leider erfolglosen Kampf der verbleibenden Bevölkerung gegen den Staudamm erzählen. Der atmosphärisch dichte Schreibstil des Autors hat mich sofort in die Geschichte gezogen. Ohne große Worte drumherum, schafft er es einen emotional sehr gefangen zu nehmen. Ganz oft hat er mich mit seiner ergreifenden Geschichte sehr berührt, teils auch richtig schockiert. Sätze wie "Einen Nazi zum Sohn zu haben sei das Schlimmste, was einem passieren könne.", da will ich nicht zu viel verraten oder die Erfahrung als Trina mit ihrem Katakomben Unterricht auffliegt und gefangen genommen wird. "Als Pa¿ mich abholen kam, rissen sie ihm den Schnurrbart aus, wie sie es immer machten, bei denen, die ihnen nicht passten.", sind nur zwei Beispiele dafür. Als Leser darf man mit auf die Reise gehen und zwar nicht nur landschaftlich, sondern auch geschichtlich. Die Atmosphäre, die Ängste sowie Meinungen der Bevölkerung, wie gehen sie mit dem Machtwechsel, mit dem Hin und Her um und welche Auswirkungen haben die Ereignisse werden direkt erlebbar und somit ein Stück tragische Geschichte lebendig. Sehr gut hat mir zudem gefallen, dass Marco Balzano seine Geschichte auch mit einer feinen Prise Humor würzt, die das Lesen, trotz der schrecklichen Vergangenheit von der er berichtet, zu einem Vergnügen macht. "Um die Diskussion abzubrechen, zog sie an seiner Knollennase. [[Die ist ja noch länger geworden[[, sagte sie zu ihm. [[ Und bei dir ist der Arsch dicker geworden![[, erwiderte er. Má wurde dann laut: [[Da sieht man mal, was ich geheiratet haben, einen Trottel![[, ist ein Dialog, der das ganz gut zeigt. "Mit der Zeit ist man nah am Wasser gebaut. Und ich hasse es zu weinen, weil es idiotisch ist und weil es mich nicht tröstet." Trina ist eine starke Frau, die unendlich viel Leid erfahren muss, aber stets ohne sich zu beklagen versucht, sich mit den Bedingungen bestmöglich zu arrangieren. Gefühle werden bei ihr und Erich unter dem Deckel gehalten, der Autor lässt sie aber zwischen den Zeilen sehr gut erkennen. Auch in seiner Figurenzeichnung schafft er hier mit wenig enorm viel. Und das gilt auch für die Nebendarsteller, wie z.B. Trinas resolute Mutter, "Deine Großmutter war kantig und streng, sie hegte über alles klare Vorstellungen, unterschied mühelos Weiß von Schwarz und fällt wie mit dem Beil ihr Urteil¿." Erwähnen möchte ich auch noch deren Spruch "Es wird schon einen Grund haben, wenn Gott und sie Augen vorne eingesetzt hat! Das ist die Richtung, in die wir schauen müssen, sonst hätten wir die Augen an der Seite wie die Fische!", weil der mir sicher noch lange im Kopf bleiben wird. Der Autor hat in seinem Roman die bewegende und persönliche Geschichte von Trina und ihrer Familie erzählt und mir damit einiges über die Geschichte des Bergdorfs Graun, das Leben der einfachen Dorfbevölkerung unter den Faschisten und dann unter Hitler, einer gefährlichen Flucht in die Berge und später vom erbitterten Widerstand gegen die Staudammbauer nähergebracht und mich dabei viel über Verantwortungslosigkeit, über Grenzen und über Machtmissbrauch und die Bedeutung des Wortes nachdenken lassen. Völlig begeisterte fünf Sterne.
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