Im Mittelpunkt des Buches steht Yu-hee, die Pflanzen liebt, aber mit Menschen wenig anfangen kann. Sie lässt ihren frustrierenden Bürojob hinter sich und eröffnet einen eigenen Pflanzenladen. Dieser Laden wird zu einem geschützten Ort für Frauen, die unter Übergriffen, Machtmissbrauch und Erniedrigung durch Männer leiden. Yu-hee hört diesen Frauen nicht nur zu, sie greift ein. Männer, die Frauen schaden, verschwinden spurlos.Der Roman ist in einem sehr nüchternen, fast sachlichen Stil geschrieben. Gefühle werden kaum ausgesprochen, vieles bleibt unausgesprochen und nur angedeutet. Oft erfährt man nicht genau, was gesagt oder getan wird und muss die Leerstellen selbst füllen. Dadurch entsteht eine kühle, beinahe reportageartige Atmosphäre, die gleichzeitig Distanz schafft und die eigene Fantasie fordert. Yu-hee erklärt sich nicht und reflektiert kaum. Sie handelt einfach. Genau das macht sie zu einer ungewöhnlichen und faszinierenden Figur.Auch wenn es um Mordfälle geht und ein Polizist ihr immer näherkommt, ist Plant Lady kein klassischer Thriller. Das Buch will weniger nervenaufreibende Spannung erzeugen, sondern vielmehr zeigen, wie gesellschaftliche Strukturen Frauen oft schutzlos zurücklassen. Zwischen all der Tragik blitzt immer wieder bitterer Humor auf, doch die zugrunde liegende Aussage bleibt traurig. Es sollte nicht nötig sein, dass Frauen eine Rächerin brauchen, um sich gegen Gewalt und Machtmissbrauch zu behaupten.Besonders gefallen haben mir die Beschreibungen des Pflanzenladens und der Pflanzen selbst. Sie schaffen eine ruhige, fast gemütliche Stimmung, die in starkem Gegensatz zu den Geschehnissen steht. Der Schreibstil ist insgesamt sehr angenehm und leicht zu lesen, sodass ich schnell durch das Buch gekommen bin. Eine enge emotionale Bindung zu Yu-hee konnte ich nicht immer aufbauen, da vieles bewusst distanziert erzählt wird. Manche Entwicklungen hätten für meinen Geschmack etwas mehr Tiefe vertragen. Trotzdem überzeugt der Roman durch seine ernsten Themen, seinen ungewöhnlichen Ton und eine weibliche Hauptfigur, die man so nicht oft liest.