Die Bagage

Roman.
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"Von uns wird man noch lange reden." Monika Helfers neuer Roman "Die Bagage" - eine berührende Geschichte von Herkunft und Familie

Josef und Maria Moosbrugger leben mit ihren Kindern am Rand eines Bergdorfes. Sie sind die Abseitigen, die Armen, die Ba … weiterlesen
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Produktdetails

Titel: Die Bagage
Autor/en: Monika Helfer

ISBN: 3446265627
EAN: 9783446265622
Roman.
Hanser, Carl GmbH + Co.

17. Februar 2020 - gebunden - 158 Seiten

Beschreibung

"Von uns wird man noch lange reden." Monika Helfers neuer Roman "Die Bagage" - eine berührende Geschichte von Herkunft und Familie

Josef und Maria Moosbrugger leben mit ihren Kindern am Rand eines Bergdorfes. Sie sind die Abseitigen, die Armen, die Bagage. Es ist die Zeit des ersten Weltkriegs und Josef wird zur Armee eingezogen. Die Zeit, in der Maria und die Kinder allein zurückbleiben und abhängig werden vom Schutz des Bürgermeisters. Die Zeit, in der Georg aus Hannover in die Gegend kommt, der nicht nur hochdeutsch spricht und wunderschön ist, sondern eines Tages auch an die Tür der Bagage klopft. Und es ist die Zeit, in der Maria schwanger wird mit Grete, dem Kind der Familie, mit dem Josef nie ein Wort sprechen wird: der Mutter der Autorin. Mit großer Wucht erzählt Monika Helfer die Geschichte ihrer eigenen Herkunft.

Portrait

Monika Helfer, geboren 1947 in Au/Bregenzerwald, lebt als Schriftstellerin mit ihrer Familie in Vorarlberg. Sie hat Romane, Erzählungen und Kinderbücher veröffentlicht, darunter: Kleine Fürstin (1995), Wenn der Bräutigam kommt (1998), Bestien im Frühling (1999), Mein Mörder (1999), Bevor ich schlafen kann (2010), Oskar und Lilli (2011) und Die Bar im Freien (2012). Im Hanser Kinderbuch veröffentlichte sie gemeinsam mit Michael Köhlmeier Rosie und der Urgroßvater (2010). Für ihre Arbeiten wurde sie unter anderem mit dem Robert-Musil-Stipendium, dem Österreichischen Würdigungspreis für Literatur und dem Solothurner Literaturpreis ausgezeichnet. Mit dem Roman Schau mich an, wenn ich mit dir rede (2017) war sie für den Deutschen Buchpreis nominiert. Zuletzt erschien von ihr bei Hanser Die Bagage (2020).

Leseprobe

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Pressestimmen

"Wie Monika Helfer hier in gut arrangierten Episoden mit Vor- und Rückblenden vom Verhängnis einer Außenseiterin erzählt, ist meisterhaft." Katharina Teutsch, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.05.20

"Wunderbar verdichtet und enorm präzise in der Beobachtung erzählt Helfer von Unordnung und frühem Leid in prekären Familienverhältnissen." Denis Scheck, Tagesspiegel, 26.04.20

"Das ganze, biografisch inspirierte Familiendrama erzählt von den größten Gefühlen, die wir haben: Liebe, Wut, Neid und Trauer." Meike Schnitzler, Brigitte, 6/2020

"Eine berührend archaische Dorfgeschichte aus dem Bregenzerwald. In Österreich und Süddeutschland liebt jeder dieses Buch. Sprachlich herausragend." Marc Reichwein, Die Welt, 07.03.20

"Ein intensiver Roman ... dicht und sprachmächtig." Sabine Scholl, Der Standard, 08.03.20

"Es ist erstaunlich, welch einen Kosmos an komplexen Figuren Helfer auf diesen gerade einmal 160 Seiten aufzuspannen gelingt. Mit nur wenigen scharf gezeichneten Strichen tritt uns diese ganze Bagage mit einem bleibenden Eindruck entgegen." Tom Wohlfarth, Die Tageszeitung, 02.03.20

"Monika Helfer hat mit 'Die Bagage' ein beeindruckendes, klug komponiertes Herkunftsbuch geschrieben." Michael Opitz, Deutschlandfunk Kulutr, 28.02.20

"Ein Buch, das durch seine Kargheit und seine Schlichtheit besticht... Ein sehr tolles Buch!" Katja Gasser, ORF 2, 12.02.20

"Ein fein konstruiertes, unprätentiös erzähltes Buch, das die 'Leute' der Erzählerin als eigenständige Charaktere auftreten lässt und sie nicht zu blossen Staffage eines Allerweltsdofres macht. ... Ein un- und aussergewöhnlicher Roman." Rainer Moritz, Neue Zürcher Zeitung, 12.02.20

"Helfers 'Bagage' beschreibt auf eindrückliche Weise, changierend zwischen fiktiven und autobiografischen Ebenen, wie jeder sein eigenes Päckchen zu tragen hat und es unweigerlich den Nachkommen aufbürdet und sofort." Ulrich Rüdenauer, Süddeutsche Zeitung, 10.02.20

"Die Erzählerin ist nicht auftrumpfend. Sie reflektiert und misstraut der eigenen Perspektive. Möchte nicht um jeden Preis eine Ordnung in die Erinnerung bringen. Weiß aber, dass vergangene Drama sehr anschaulich und dramaturgisch geschickt zu schildern. Ihre literarische Kunst besteht dabei auch und vor allem in der sprachlichen Einfühlung, sodass die Figuren, die das Leben der Autorin geprägt haben, eine allgemeingültige Relevanz erhalten." Carsten Otte, SWR lesenswert, 09.02.20

"Ein kleines Buch, doch man liest lange darin, denn jeder Satz klingt nach in verschwommener, unbeschreiblicher Schönheit." Alexander Solloch, NDR Kultur, 04.02.20

"Ein literarisches Werk von großer Qualität, das die unterschiedlichen Zeitebenen elegant wechselt und in Beziehung zueinander setzt." Christoph Schröder, Tagesspiegel, 02.02.20

"Ein schmaler Roman, der vom ersten Weltkrieg bis in die Gegenwart reicht - einer der schönsten des Frühjahrs: In 'Die Bagage' erzählt Monika Helfer die Geschichte ihrer Familie, scheinbar einfach, aber voller Hintersinn." Franziska Wolffheim, Spiegel Online, 31.01.20

"Familienromane gibt es viele, dieser aber ist etwas ganz Besonderes - meine persönliche Entdeckung in diesem Frühjahr... Ein Buch, das bleibt!" Denis Scheck, ARD druckfrisch, 26.01.20

"Es geht um das Gepäck, das wir alle haben, nämlich die Familien und die Familienbeziehungen, die wir mit uns herumschleppen und das ist eben schön österreichisch 'die Bagage'... Ein Buch, das einem Staunen lernt für die Wunder der Welt." Denis Scheck, WDR2 Lesen, 26.01.20

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 09.05.2020

Bei der braucht's doch keine Frisur!
Außenseiterschicksal im Bergdorf: Monika Helfers Roman "Die Bagage" erzählt Familiengeschichte

In einem dunklen Tal am Vorarlberg vor mehr als hundert Jahren, da galt als unterster aller Berufe nicht der Knecht, sondern der Träger. Was trugen die Träger? Sie trugen riesige Heuballen in die Scheunen der Bauern, die ihnen einen geringen Tagelöhnerlohn bezahlten. Ein festes Dach über dem Kopf hatten die Träger nicht. Sie kamen und gingen und galten deswegen als zwielichtig.

Josef Moosbruggers Sippe nannte man in diesem österreichischen Tal wegen ihrer Trägertätigkeit die "Bagage". Und zwar noch lange nachdem die Bagage sesshaft geworden war "am letzten Ende hinten oben" - eine Marschstunde abseits des Dorfs. Und man muss den Josef also in diesem Licht betrachten, wenn man verstehen will, wie er, seine Frau Maria und ihre vier Kinder einerseits quer zum Dorf stehen und doch auch zu ihm gehören im Jahr 1914, als die Geschichte von Maria und Josef beginnt. Denn auch das dunkle Tal gehört zum Habsburger-Kaiserreich. Und dieses befindet sich neuerdings im Krieg.

Dorthin, wo der Josef zwei Kühe und einige Ziegen hält und eine unwirklich schöne Frau sein Eigentum nennt, dorthin bringt der Postadjunkt eines Tages den Stellungsbefehl. Josef wird eingezogen wie auch andere Männer aus dem Dorf. Damit setzt Monika Helfers Familiengeschichte ein. Es ist ihre eigene. Von Maria Moosbrugger, ihrer schwarzhaarigen Großmutter, die im Alter von nur zweiunddreißig Jahren starb und sechs Kinder hinterließ, hat Monika Helfer, Jahrgang 1949, die Schneewittchen-Anmut geerbt. Wenn jemand aus der Familie allerdings Vergleiche zur Großmutter zog, dann war denen stets ein warnender Ton beigemischt: Die Großmutter war "Vorbild und Vorwurf" in einem. Denn Schönheit war in einer hochtraditionellen Bergwelt vor hundert Jahren mehr Fluch als Segen für eine Frau von niedrigem Stand. Vor allem dann, wenn der Ehemann gerade weit weg in den italienischen Bergen kämpfte.

Dass Josef ab und zu auf Fronturlaub kam, konnte Marias Leumund nicht verbessern: Sie war der Lust der Männer, der Eifersucht der Ehefrauen und dem Gerede im Dorf ausgesetzt. Es galt in Monika Helfers Familie deshalb der Grundsatz, nicht so werden zu sollen wie die Großmutter. Diese hatte ihren Josef zwar geliebt. Aber sie war eben auch jung und lebensfroh. Zwei, drei Mal war ein Deutscher am Hof der Moosbruggers gesehen worden. Grete, Monika Helfers Mutter, galt fortan als Frucht dieser Besuche. Als der Krieg vorbei ist, wird Josef diesem Kind nie in die Augen sehen und nie ein Wort an es richten. Gegen die Macht des Verdachts ist kein Kraut gewachsen. Auch die fortgesetzte Ehe und zwei weitere Kinder können den Zweifel nicht zerstreuen.

Andere Männer spielen denn auch eine Rolle in diesem Roman. Ohne Josef, der mit dem Bürgermeister vor dem Krieg irgendwelche Geschäftchen gemacht hatte, wird das Essen zu Hause knapp. Bevor Josef ins Feld gegangen ist, hat er dem Bürgermeister aufgetragen, für seine Familie zu sorgen. Und ein Auge auf Maria zu haben. Damit hat er aber nicht gemeint, der Bürgermeister solle ein Auge auf Maria werfen. Mit düsteren Vorahnungen liest man nun vom rechtschaffenen Gottlieb Fink, ebenjenem Bürgermeister, der Maria eines Tages mit auf den Viehmarkt in die Stadt nimmt. Er lutscht auf dem Weg dorthin Pfefferminzbonbons. Maria versteht, dass er das für sie tut, dass er für sie gut riechen will. Später wird es nicht bei wohlriechenden Andeutungen bleiben. Da wird der gute Patriarch zum Realpolitiker: "In Zeiten wie diesen sei es doch völlig egal, ob sie ihn einmal lasse, völlig egal."

Wie Monika Helfer hier in gut arrangierten Episoden mit Vor- und Rückblenden vom Verhängnis einer Außenseiterin erzählt, ist meisterhaft. Denn obwohl die österreichische Literatur von Thomas Bernhard bis Peter Handke voll ist von Dorfdramen, gelingt es ihr, eigene Akzente zu setzen. Der Spannungsbogen der Erzählung reicht vom Ersten Weltkrieg bis hinein in die österreichische Nachkriegsgesellschaft und thematisiert dabei auch das zwiespältige Frauenbild der Achtundsechziger. In diesem Umfeld machen wir Bekanntschaft mit einer jungen Ich-Erzählerin, die sich mit siebzehn in einen verheirateten Mann verliebt, mit ihm sexuelle Freizügigkeit erfährt, aber auch in neue Abhängigkeit gerät. "Binde die Haare zusammen, bei dir braucht's nicht auch noch eine Frisur!" war folglich einer der Leitsätze, mit denen man bei Moosbruggers auf allzu reizvolle Äußerlichkeiten zu reagieren pflegte.

Auf weniger als hundertsechzig Seiten erzählt Monika Helfers "Die Bagage" nicht nur vom Leben der Großeltern der Schriftstellerin, sondern auch vom eigenen. Das Leben im Dorf war hart, der Winter knackig, die soziale Ordnung undurchlässig. Alle Mitglieder der Bagage werden so skizziert, dass ihre Rolle im Familien- und Dorfverbund plastisch wird. Die Söhne mit unterschiedlichen Temperamenten und Talenten zum Stammhalter ausgestattet. Die Töchter mit ihrem zukünftigen Pflichtenkorsett. "Als ich zum ersten Mal in Wien im Kunsthistorischen Museum war", schreibt Monika Helfer, "und die Bauernbilder von Pieter Bruegel dem Älteren sah, dachte ich: Die sehen aus wie die Meiningen aus den Erzählungen meiner Mutter und meiner Tante Kathe."

Schönheit als nicht abzutragende Schuld gehört zum moosbruggerschen Familienerbe. Ein früher Tod diverser Frauenfiguren verstärkt diesen Eindruck. Monika Helfer gelingt mit ihrer Familiengeschichte damit nicht nur das Porträt einer archaischen Bergwelt, sondern auch ein Blick auf weibliche Lebensentwürfe über eine Zeitraum von mehr als hundert Jahren hinweg.

KATHARINA TEUTSCH.

Monika Helfer: "Die Bagage". Roman.

Hanser Verlag, München 2020. 160 S., geb.

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.
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Ein ganz besonderer Familienroman, der mit wenigen Worten solch große und tiefe Geschichte erzählt.
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Hier erzählt die Autorin die Geschichte ihrer Familie. Es geht um ihre schöne Großmutter und wie verhängnisvoll ihre Schönheit war. Knapp, intensiv und anrührend erzählt!
Bewertungen unserer Kunden
Eine schwere Bürde
von cosmea - 02.05.2020
In "Die Bagage" begibt sich die Autorin Monika Helfer auf die Spurensuche nach ihrer eigenen Herkunft. Die Geschichte beginnt Anfang des 20. Jahrhunderts. Josef und Maria Moosbrunner leben am Rande eines Bergdorfs - räumlich und gesellschaftlich ausgegrenzt, denn sie sind sehr arm. Man nennt sie die "Bagage", eine Anspielung auf den Beruf des Urgroßvaters, der für die Bauern Heuballen schleppte. Josef ist ein stattlicher Mann, mit dem sich niemand anlegt, Maria eine außergewöhnlich schöne Frau. Alle Männer des Dorfes begehren sie, die Frauen hassen sie. Als Josef zu Beginn des Ersten Weltkriegs eingezogen wird, gibt er Gottlieb Fink, dem Bürgermeister, der auch sein Partner bei etwas dubiosen Geschäften ist, den Auftrag, während seiner Abwesenheit auf seine Frau aufzupassen. Der Bürgermeister übernimmt die Aufgabe, wobei er seinen eigenen Vorteil nicht aus den Augen verliert. Er versorgt die Familie mit Lebensmitteln, wird aber öfter zudringlich. Bei einem Marktbesuch verliebt sich Maria in Georg aus Hannover, der sie zweimal besucht. Nach einem Fronturlaub von Josef wird Maria schwanger, und alle im Ort sind sich sicher, dass das Kind nicht von Josef sein kann. Alle wenden sich von Maria ab, und der Pfarrer und der Lehrer der Kinder beschimpfen sie öffentlich als Hure. Margarete genannt Grete wird als 5. Kind der Moosbrunners geboren. Als Josef 1918 aus dem Krieg zurückkehrt, erfährt er von den Gerüchten und glaubt seiner Frau nicht, dass Grete seine Tochter ist. Josef wird Grete niemals ansehen, ansprechen oder berühren. Das Besondere an dieser Situation ist, dass Grete die Mutter der Autorin ist. Monika Helfer will ihre Herkunft kennen. Ihre Hauptinformationsquelle ist ihre Tante Katharina, die ihre Geschwister nach dem frühen Tod der Eltern betreute. Auch Grete starb früh, und wieder ist es die Tante, die ihre vier Kinder aufnimmt, als die Autorin 11 Jahre alt ist. Ihre Erinnerungen und Geschichten aus der Familie gibt sie allerdings erst gegen Ende ihres Lebens preis. Die Autorin berichtet als Ich-Erzählerin, welche Bürde die Mitglieder dieser weitverzweigten Familie über Generationen tragen. Sie erzählt nicht streng chronologisch, sondern mit vielen Zeitsprüngen. Der kurze Roman, der auch die zum Teil von traurigen Ereignissen überschatteten Lebenswege von Gretes Geschwistern und deren Familien umfasst, sowie den tragischen Verlust ihrer eigenen Tochter Paula durch einen Bergunfall im Alter von 21 Jahren, ist sehr beeindruckend, nicht zuletzt durch die von Dialektausdrücken durchsetzte Sprache. Sie musste ihre Geschichte aufschreiben, um Ordnung in das Chaos zu bringen und die Erinnerung an all die Toten zu bewahren. Mir hat dieser zu Recht hochgelobte Roman sehr gefallen.
Berührend verdichtete Familiengeschichte
von Pedi - 02.05.2020
Monika Helfer spürt in diesem schmalen Buch der Geschichte ihrer Familie im ländlichen Bregenzerwald nach. Sowohl ihre Mutter Margarete als auch ihre Großmutter Maria starben früh. Auskunft konnte ihr nur die hochbetagte Tante Kathe geben. Diese erzählte ihr von den ärmlichen Verhältnissen im finsteren Tal, von der wunderschönen Maria und dem feschen Großvater Josef, der nach seiner Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg 1918 seiner schwangeren Frau nicht glaubte, dass das jüngste Kind, Helfers Mutter Margarete, von ihm stammt. Gerede im kleinen Dorf schürte sein Misstrauen, das dazu führte, dass er das kleine Mädchen völlig missachtete. Keine leichte Bürde. Und Monika Helfer führt das Drama um Großmutter und Mutter eng, untersucht die Spuren, die auch bei ihr und ihren Kindern zurückblieben. Und wirft einen unvergesslichen Blick auf ihre bemerkenswerte Familie. Lakonisch, klar, dicht - ein tolles Buch.
An meinen Erwartungen vorbei
von dj79 - 06.04.2020
Bei der Bagage handelt es sich um die Familie Moosbrugger, die in sehr ärmlichen Verhältnissen hinten am Berg am Ende eines Dorfes in Vorarlberg wohnt. Trotz der Armut läuft es gut zwischen der wunderschönen Maria und dem Josef, bis dieser in den Krieg ziehen muss. Während des Krieges kommt Grete, Monika Helfers Mutter, zur Welt. Über die Vaterschaft wird sich im Dorf das Maul zerrissen, die ganze Familie noch mehr als vorher schon ausgegrenzt. Das Gezeter rund um die Zeugung der Grete ist der Hauptinhalt der Geschichte. Schlimm, was sich ein ganzes Dorf zurechtlegt, nur um Maria in ein schlechtes Licht zu rücken aus Neid auf ihre unvergleichliche Schönheit. Die Frauen im Dorf haben Angst ihre Männer an Maria zu verlieren, die Männer sind sauer, weil sie nicht bei Maria landen können. Grundsätzlich sympathischer war mir die Nebenhandlung, die sich mit den Verhältnissen im Ersten Weltkrieg auseinandersetzt. Auch wenn Maria ihren Kindern nichts Materielles bieten kann und die Familie zeitweise nicht einmal satt wird, hält sie mit ihrer Liebe und Zuneigung alles zusammen. Die Sprache im Roman wirkt recht schnodderig, vermutlich durch den hohen Anteil an kurzen Sätzen. Das entspricht möglicherweise der Sprache im Ersten Weltkrieg, war mir persönlich aber zu holprig. Zusätzlich erschwert wurde das Lesen durch das Hin- und Herspringen zwischen verschiedenen Zeitebenen auf der einen und zwischen Erlebnissen der Großmutter und eigenen Erlebnissen auf der anderen Seite. Das Ganze ist zwar gut erkennbar durch den Wechsel der Erzählperspektive, dennoch hat es meinen Lesefluss ungünstig unterbrochen. Jedesmal, wenn ich gerade dabei war mich mit Maria anzufreunden, wurde ich wieder von ihr weggerissen. Letztlich zog somit die Geschichte einfach an mir vorbei, wirklich fesseln konnte sie mich nicht. Das ist sehr schade, da ich mich auf einen sehr gefühlvollen Roman gefreut hatte.
An meinen Erwartungen vorbei
von dj79 - 04.04.2020
Bei der Bagage handelt es sich um die Familie Moosbrugger, die in sehr ärmlichen Verhältnissen hinten am Berg am Ende eines Dorfes in Vorarlberg wohnt. Trotz der Armut läuft es gut zwischen der wunderschönen Maria und dem Josef, bis dieser in den Krieg ziehen muss. Während des Krieges kommt Grete, Monika Helfers Mutter, zur Welt. Über die Vaterschaft wird sich im Dorf das Maul zerrissen, die ganze Familie noch mehr als vorher schon ausgegrenzt. Das Gezeter rund um die Zeugung der Grete ist der Hauptinhalt der Geschichte. Schlimm, was sich ein ganzes Dorf zurechtlegt, nur um Maria in ein schlechtes Licht zu rücken aus Neid auf ihre unvergleichliche Schönheit. Die Frauen im Dorf haben Angst ihre Männer an Maria zu verlieren, die Männer sind sauer, weil sie nicht bei Maria landen können. Grundsätzlich sympathischer war mir die Nebenhandlung, die sich mit den Verhältnissen im Ersten Weltkrieg auseinandersetzt. Auch wenn Maria ihren Kindern nichts Materielles bieten kann und die Familie zeitweise nicht einmal satt wird, hält sie mit ihrer Liebe und Zuneigung alles zusammen. Die Sprache im Roman wirkt recht schnodderig, vermutlich durch den hohen Anteil an kurzen Sätzen. Das entspricht möglicherweise der Sprache im Ersten Weltkrieg, war mir persönlich aber zu holprig. Zusätzlich erschwert wurde das Lesen durch das Hin- und Herspringen zwischen verschiedenen Zeitebenen auf der einen und zwischen Erlebnissen der Großmutter und eigenen Erlebnissen auf der anderen Seite. Das Ganze ist zwar gut erkennbar durch den Wechsel der Erzählperspektive, dennoch hat es meinen Lesefluss ungünstig unterbrochen. Jedesmal, wenn ich gerade dabei war mich mit Maria anzufreunden, wurde ich wieder von ihr weggerissen. Letztlich zog somit die Geschichte einfach an mir vorbei, wirklich fesseln konnte sie mich nicht. Das ist sehr schade, da ich mich auf einen sehr gefühlvollen Roman gefreut hatte.
An meinen Erwartungen vorbei
von dj79 - 04.04.2020
Bei der Bagage handelt es sich um die Familie Moosbrugger, die in sehr ärmlichen Verhältnissen hinten am Berg am Ende eines Dorfes in Vorarlberg wohnt. Trotz der Armut läuft es gut zwischen der wunderschönen Maria und dem Josef, bis dieser in den Krieg ziehen muss. Während des Krieges kommt Grete, Monika Helfers Mutter, zur Welt. Über die Vaterschaft wird sich im Dorf das Maul zerrissen, die ganze Familie noch mehr als vorher schon ausgegrenzt. Das Gezeter rund um die Zeugung der Grete ist der Hauptinhalt der Geschichte. Schlimm, was sich ein ganzes Dorf zurechtlegt, nur um Maria in ein schlechtes Licht zu rücken aus Neid auf ihre unvergleichliche Schönheit. Die Frauen im Dorf haben Angst ihre Männer an Maria zu verlieren, die Männer sind sauer, weil sie nicht bei Maria landen können. Grundsätzlich sympathischer war mir die Nebenhandlung, die sich mit den Verhältnissen im Ersten Weltkrieg auseinandersetzt. Auch wenn Maria ihren Kindern nichts Materielles bieten kann und die Familie zeitweise nicht einmal satt wird, hält sie mit ihrer Liebe und Zuneigung alles zusammen. Die Sprache im Roman wirkt recht schnodderig, vermutlich durch den hohen Anteil an kurzen Sätzen. Das entspricht möglicherweise der Sprache im Ersten Weltkrieg, war mir persönlich aber zu holprig. Zusätzlich erschwert wurde das Lesen durch das Hin- und Herspringen zwischen verschiedenen Zeitebenen auf der einen und zwischen Erlebnissen der Großmutter und eigenen Erlebnissen auf der anderen Seite. Das Ganze ist zwar gut erkennbar durch den Wechsel der Erzählperspektive, dennoch hat es meinen Lesefluss ungünstig unterbrochen. Jedesmal, wenn ich gerade dabei war mich mit Maria anzufreunden, wurde ich wieder von ihr weggerissen. Letztlich zog somit die Geschichte einfach an mir vorbei, wirklich fesseln konnte sie mich nicht. Das ist sehr schade, da ich mich auf einen sehr gefühlvollen Roman gefreut hatte.
Gewöhnungsbedürftiger Schreibstil
von Xirxe - 20.03.2020
Die Anerkennung für dieses Buch ist enorm, Leserinnen (zumeist) und Feuilleton sind hingerissen. Aber mich konnte Die Bagage nicht begeistern, wobei es nicht die Geschichte an sich ist, sondern der eigenwillige Schreibstil der Autorin. Es ist ihre eigene Familiengeschichte laut Aussage Monika Helfers. Als nicht wirklich dem Dorf Zugehörige lebten sie dort am Rande in Armut, stets misstrauisch beäugt von den Einheimischen. Insbesondere, da die Grossmutter der Autorin eine aussergewöhnliche Schönheit war. Als deren Mann Josef in den Krieg musste und Marie, so ihr Name, schwanger wurde, war für die Dorfbewohner klar, dass da nicht alles mit rechten Dingen zuging. Monika Helfer beschreibt nicht nur das Leben ihrer Grosseltern, sondern flicht fast beiläufig die Lebenswege ihrer zahlreichen Onkel, Tanten, Cousinen und Cousins ein, was ihr häufig mit ein, zwei Sätzen gelingt. Dafür springt sie immer wieder innerhalb eines Absatzes nicht nur auf das Zeitliche bezogen hin und her, sondern auch thematisch. Auf rund anderthalb Seiten erfährt man beispielsweise, wie Tante Kathe zu ihrem Ehemann kam, dieser ihre Kinder be- und misshandelte, das Verhältnis der Ich-Erzählerin zu diesen Kindern (ihrem Cousin und ihrer Kusine), das Leben bei dieser Tante nach dem Tod der Mutter undundund. Ich fand dies nicht so schön, da mir die einzelnen Personen dadurch fremd blieben. Der Sprachstil wirkt schlicht, häufig sind es recht kurze Sätze, die aber immer wieder voller Hintersinn stecken. ... bereits einen Tag nachdem sie das Dorf verlassen hatten, waren sie getrennt worden. Die Hüte hatten die Köpfe überlebt. Bereits vier also waren tot. Oder Man sage ja auch gefallen , als ob das Sterben da draussen ein bloßes Hinfallen wäre. Wären nicht diese mich störenden, ständig auftauchenden Sprünge in Zeit und Raum ;-) gewesen, hätte ich mit diesem Buch vermutlich mehr anfangen können. So blieb es bei einem durchschnittlichen Lesevergnügen.
Familienbande damals und heute
von jenvo82 - 18.03.2020
"Eine Ordnung in die Erinnerung zu bringen - wäre das nicht eine Lüge? Eine Lüge insofern, weil ich vorspielen würde, so eine Ordnung existiere." Inhalt Die Familie Moosbrugger lebt am Rande eines österreichischen Dorfes, weit oben auf dem Berg und wird in dem Ort nur unter dem Sammelbegriff "Die Bagage" tituliert. Vater Josef ist ein stiller, charismatischer Mann, der keine großen Kontakte zu anderen pflegt, seine Frau Maria eine wahre Schönheit, die von den Frauen bewundert und von den Männern begehrt wird und ihre Kinderschaar bekommt ganz automatisch den Stempel der Abseitigen aufgedrückt, mit denen die anderen keinen Kontakt wünschen. Man zerreißt sich lieber die Mäuler über die Familie, die auch in aller Armut und Bescheidenheit ein kleines Stückchen Glück gepachtet zu haben scheint. Erst als Josef zum Kriegsdienst eingezogen wird, steht das Schicksal der Moosbruggers auf Messers Schneide. Denn der älteste Sohn ist noch zu jung, um die Mutter zu beschützen und Josef weiß sehr genau, dass Maria allein zum Freiwild werden würde. Er bittet den Bürgermeister darum, seine Familie zu beschützen und zu versorgen, weil er der Einzige ist, dem er ein gewisses Vertrauen entgegenbringt. Doch kaum ist Josef weg, bedrängt auch dieser vornehme Herr die Zurückgebliebenen und die Familie durchlebt Monate voller Angst und Entbehrungen. Bis zu dem Tag, an dem Josef zurückkehrt ¿ Meinung Monika Helfer widmet sich in ihrem aktuellen Roman ihrer eigenen Familiengeschichte und erzählt rückblickend aber gleichzeitig sehr präsent von ihrer wunderschönen Großmutter, ihren Onkeln und Tanten, ihrer Mutter, die eine schwere Kindheit hatte, da der Vater sie als ein Kuckuckskind betrachtete und kein Wort an sie gerichtet hat. Sie zeichnet die Lebenswege und Entwicklungen aller Familienmitglieder auf und springt dabei munter in den Zeitabläufen und Einzelgeschichten. Doch gerade diese scheinbar willkürliche Abfolge zwischen Vergangenheit und Gegenwart macht das Buch trotz seiner wenigen Seiten zu einem recht umfassenden Werk über die eigene "Bagage", deren Belange, Besonderheiten und ihr Wirken in der Familiengemeinschaft. Die Kerngeschichte, die sich zu Zeiten des 1. Weltkrieges abspielt, bleibt dennoch das tragende Element und spricht den Großeltern trotz ihrer Eigenheiten auch einen starken Charakter zu. Ein Ehepaar, welches nicht nur eine Zweckgemeinschaft mit vielen Kindern war, sondern sich prinzipiell sehr zugetan war. Ihre Kinder allesamt nicht nur zu Helfern degradiert, sondern als Menschen geachtet. Besonderes Augenmerk legt die Autorin auf die unüberwindliche, alles außer Kraft setzende Geschwisteraffinität. Die Kinder der Moosbruggers bilden eine starke Bande, sie nehmen ihre Rollen wahr, sie beschützen und vertrauen einander, sie ergreifen trotz schwieriger Umstände immer Partei füreinander, sie halten zusammen und wissen um ihre Besonderheiten. Selbst nach dem frühen Tod der Eltern besteht diese Einigkeit weiter, so dass selbst noch die Autorin in der nächsten Generation dieser Familie, niemals den Zusammenhalt und die Stärke der Verbands bezweifelt. Zwischendurch immer wieder kleine Episoden aus der Gegenwart, Erlebnisse mit den eigenen Kindern - dadurch entsteht ganz nebenbei eine generalistische Aussage, die den Wert der Familie durch alle Zeiten hindurch bekräftigt. Nicht nur die der eigenen Herkunft sondern ganz allgemein die Möglichkeiten mittels Eltern, Geschwistern, Kindern, Großeltern, Cousins und Cousinen ein intaktes, beständiges und doch freiheitliches Gebilde zu schaffen, in dem sich das Individuum wertgeschätzt fühlt, bestärkt wird und sich einmalig entfalten kann ohne den Rückhalt der Familie zu verlieren. Fazit Ein wunderbares kleines Buch mit einer lebendigen Familiengeschichte, starken Charakteren, intensiven Erinnerungen und biografischen Zügen. Der Mehrwert liegt hier nicht nur in der Besonderheit und den individuellen Entwicklungen, sondern vor allem in den Gedankengängen bezüglich funktionierenden Familienstrukturen, die es aufzubauen, zu pflegen und zu erhalten gilt. Deutlich wird aber auch, dass Krisen und Belastungsproben, die man gemeinsam gemeistert hat,einen unabänderlichen, eisernen Bestand an der Wertschätzung seiner nächsten Familienangehörigen hervorbringen. Ein einprägsamer, berührender Roman über Herkunft, Familie und Lebensentwicklung mit differenzierten Ansätzen und klaren Aussagen - sehr empfehlenswert.
Na ja
von Pseudo - 13.03.2020
Ein Cover das eine verschwommene Frau zeigt, ist sie eine Krankenschwester? Für mich passt Cover und Titel nicht zusammen. Um was geht es? Es handelt sich um eine arme Familie, Außenseiter in ihrem Dorf. Dann wird Josef eingezogen, er muss in den ersten Weltkrieg ziehen. Da die Familie mit dem Bürgermeister befreundet ist, lässt er seine Familie unter seinem Schutz zurück. Da Maria eine sehr schöne Frau ist und nun alleine ist, muss sie sich schon so manches Mal den Avancen der Männer erwehren. Der Schreibstil ist nicht so ganz einfach. Manche Sätze musste ich zweimal lesen. Außerdem hatte ich schon so das ein oder andere Mal mit den Zeitsprüngen zu kämpfen. Alles in allem kann man sagen, die Inhaltsangabe hatte meine Neugierde geweckt, aber die Erwartungen wurden nicht erfüllt.
Kompakte Familiengeschichte
von kingofmusic - 09.03.2020
"Hier, nimm die Stifte, male ein kleines Haus, einen Bach ein Stück unterhalb des Hauses, einen Brunnen, aber male keine Sonne, das Haus liegt nämlich im Schatten." (S. 7) Bereits hier, in diesem Eingangszitat, steckt schon etwas von dem, was die Leser*innen auf den nächsten knapp 160 Seiten erwartet. Die Rede ist von "Die Bagage" von Monika Helfer. Eine Familiengeschichte über 3 Generationen auf so "engen" Raum - kann das gut gehen? O ja, und wie! Hier zeigt sich eine besondere Begabung, wenn die Autorin in der Lage ist, kompakt, ungeschönt, offen und ehrlich von ihrer "Bagage" zu berichten. In einem nach außen hin unscheinbaren Erzählton, erzählt Monika Helfer (nicht nur) zwischen den Zeilen von den Schwierigkeiten ihrer Großeltern in einem kleinen, im wahrsten Sinne des Wortes hinterwäldlerischen, österreichischen Dorf, in dem Misstrauen und Missgunst gegenüber Maria und Josef Moosbrugger und ihre Kinder herrschen; erst recht als Josef in den Ersten Weltkrieg ziehen muss und Maria mit der späteren Mutter der Autorin schwanger ist, kochen die Gerüchte in dem kleinen Dorf hoch. Doch die wahre Größe der Geschichte zeigt sich in den leisen und zum Teil philosophisch angehauchten Zwischentönen, die sich aber umso nachhaltiger in das Gedächtnis der Leserinnen und Leser einfräsen. "Ich habe es probiert. Ein bisschen kann ich malen. Aber ich war nie damit zufrieden. [] Die Grundfarben meiner Vorvergangenheit sind fast alle im Bereich von Braun. Ocker. Kuhstallwarm, die Farbe der Kuhställe ist braun. [] Die Farbe der Gesichter undefinierbar. Von Grün gibt es die ganze Palette, aber eher versteckt ist das Grün. Weiß und Schwarz nur für Josef." (S. 53/54) Wie es mit Erinnerungen und erzählten Dingen so ist, springt die Geschichte von der Vergangenheit in die Gegenwart, von einem Ereignis zum anderen. Aber auch da gibt es eine schöne Definition der Autorin, warum das so ist: "Eine Ordnung in die Erinnerung zu bringen - wäre das nicht eine Lüge? Eine Lüge insofern, weil ich vorspielen würde, so eine Ordnung existiere." (S. 55) Für mich eine der besten Familiengeschichten, die ich jemals gelesen habe und ein weiteres "King¿s Crown Juwel 2020" und somit 5* wert!
Klein, aber fein
von schokoflocke - 08.03.2020
Im Krieg gelten keine Regel mehr.Auch dort nicht, wo nicht geschossen wird. Kurz und bündig, aber inhaltlich vollwertg - so kann man, denke ich, am Besten diese Büchlein zusammenfassen. Auf nur 160 Seiten beschreibt die Autorin ihre Familiengeschichte, angefangen mit den Großeltern Maria und Josef. 1914 bleibt Maria mit 4 Kindern allein, da Josef in den Krieg einberufen wird. Leid und Hunger, für alle war das eine schwierige Zeit, für Maria aber ganz besonders. Ihre auffallende Schönheit und ihre Bedürftigkeit ( die Familie war schon vor dem Krieg arm ) bringen Männer auf, sagen wir mal so... dume Gedanken. Als Maria schwanger wird, fängt die Gerüchteküche zu brodeln an. Alle sind sich einig, dass da was sehr unmoralisches im Gange war, dass der Josef paar mal Heimaturlaub hatte spielte auch keine Rolle. Und so wurde aus Neid Ablehnung, dann folgte Ausgrenzung und Repressionen. Es ist wirklich erstaunlich, wieviel Inhalt man auf nur so wenigen Seiten unterbringen kann. Die Grausamkeit des Krieges, die harten Lebensumstände, die Rolle der Frau in der Gesellschaft und natürlich die Familiendynamik... und noch mehr. Die Geschichte wirkt authentisch und glaubwürdig, man kriegt ein detaliertes Einblick auf die damalige Zeit. Atmosphärisch dicht, aber im netten Pauderton geschrieben - ich fand diese Mischung sehr angenehm zum lesen. Für mich war das anspruchsvolle Unterhaltung, gleichermassen informatif und berührend, ich kann es nur weiterempfehlen.
Neid und Missgunst
von Magnolia-sieben - 07.03.2020
Die Geschichte beginnt im frühen September 1914 an einem Nachmittag. Es ist die Geschichte der Bagage, der Abseitigen, der Armen. Das sind Maria und Josef Moosbrugger mit ihren sieben Kindern. Maria steht im Mittelpunkt des Geschehens. Sie ist die schönste Frau weit und breit und wird von den Männern begehrt, sie aber mag nur ihren Josef. Als dieser in den Krieg muss, bittet er den Bürgermeister auf sie aufzupassen. Was dieser natürlich tut. Und wie! Der Bürgermeister, der Wohltäter, wie er sich selbst betitelt. Drei Tage Fronturlaub hat Josef und dann ist Maria gleich schwanger mit ihrem vierten Kind, der Grete - gibt es das? Auch andere Frauen von Soldaten sind das aber sie sind mehr oder weniger unscheinbare Frauen. Aber Maria ist eben das Luder, bei ihr werden andere Maßstäbe angesetzt. Von ihrer Tante Kathe lässt sich Monika Helfer aus dem beschwerlichen Leben ihrer Vorfahren erzählen. Eine unaufgeregte, aber sehr berührende und fesselnde Erzählweise machen dieses Buch zu etwas ganz Besonderem, ein Buch der Sonderklasse. Es ist die Geschichte einer Familie, einer Liebe zwischen Maria und Josef, unterbrochen und vergiftet durch den Krieg, durch die verlogene Dorfgemeinschaft, der Doppelmoral der Mannsbilder. Die Vorurteile im Dorf sind ganz schnell da. Ein knapp 160 Seiten umfassendes Werk, das ich nicht mehr aus der Hand legen konnte. Die Autorin erzählt ihre Familiengeschichte sehr einfühlsam, ohne dabei rührselig zu werden. Sie wollte von ihrer Mutter Grete mehr wissen und begab sich auf Spurensuche innerhalb der Familie. Sie erfuhr, dass ihr Großvater Josef die Grete nie anerkannte, sie nie beachtete, kein Wort mit ihr sprach. Was Neid und Missgunst alles anrichten kann, zeigt dieser wunderbare Roman. Wer gerne in Familiengeschichten aus einer vergangenen Zeit abtaucht ohne tränenreiche Rührseligkeiten, ist hier genau richtig. Ein absolut lesenswertes Buch, eine klare Kaufempfehlung von mir.
Eine besondere Familiengeschichte
von Philo - 07.03.2020
Die Autorin Monika Helfer beschreibt in ihrem Buch ihre eigene Familiengeschichte, die sich über einen Zeitraum vom ersten Weltkrieg bis in die heutige Zeit erstreckt. Sie beginnt in einem kleinen Alpendorf im Voralberg. Die Familie lebt außerhalb des Dorfes in großer Armut und ohne Freunde. Lediglich Josef, der Familienvater, unterhält eine Freundschaft mit dem Bürgermeister. Maria seine Frau ist eine außergewöhnliche Schönheit und alle Männer des Dorfes haben ein Auge auf sie geworfen. Als der Krieg beginnt, wird Josef eingezogen und als er heimkehrt ist die kleine Margarete geboren. Josef erkennt dieses Kind nicht an und spricht zeit seines Lebens kein Wort mit Margarete. Margareten ist die Mutter der Autorin. Nun richtet die Autorin aber nicht ihr Hauptaugenmerk auf ihre Mutter, sondern auf die schöne Großmutter, die sie nie kennengelernt hat. Sie berichtet von der großen Armut und der Erkenntnis nicht dazuzugehören. Die da oben am Berg nennt man die Bagage. Man kann sich das Leben im Dorf gut vorstellen. Das Gerede, als Maria ein Kind erwartet, wo der Mann doch im Krieg ist. Das Mitgefühl mit Margarete, mit dem der Vater nicht redet und sie auch nicht anschaut, ist groß. Josef liebt seine Frau und seine Kinder, nur eben Margarete nicht. Die Autorin hat recherchiert und vor den Augen der Leser ihre Familiengeschichte erstehen lassen, die einen mitnimmt in das armselige Leben auf dem Bauernhof außerhalb des Dorfes. Eine Familiengeschichte, die mich sehr berührt hat und die noch lange nachwirken wird.
Schönheit als Fluch
von Bücherwelt1967 - 26.02.2020
Monika Helfer erzählt in diesem beeindruckenden Roman die Geschichte ihrer Großeltern, ihrer Mutter und zugleich auch ihre eigene Geschichte. Maria Moosbrugger lebt mit ihrem Mann Josef und den Kindern abseits des Ortes, sie sind die Bagage, mit der niemand etwas zu tun haben möchte. Doch Maria ist eine Schönheit, was zu der damaligen Zeit mehr Fluch als Segen war. Als ihr Mann zur Armee muss, beauftragt dieser den Bürgermeister, auf Maria achtzugeben, doch auch dieser begehrt Maria. Schließlich wird Maria schwanger und als Josef zurückkehrt, zweifelt er die Vaterschaft an. Er wird mit dem Kind Grete nie ein Wort reden. Eindrucksvoll schildert M. Helfer das Geschehen, sie schreibt offen und authentisch. Empfehlenswert.
Eine kleine Leseperle
von Quincyliest - 24.02.2020
Die österreichische Autorin Monika Helfer erzählt in diesem schmalen, aber intensiven Buch ihre eigene Familiengeschichte. Die Großeltern Josef und Maria Moosbrugger leben mit ihren Kindern in ärmlichen Verhältnissen am Rande eines Bergdorfes. Es ist das Jahr 1914, Josef wird zur Armee eingezogen. Maria bleibt allein mit den Kindern zurück. Maria ist eine Schönheit und Männer suchen ihre Nähe. Als die kleine Grete geboren wird und Josef zurückkehrt, kann er sich nicht sicher sein, ob das Kind wirklich von ihm ist. Er wird mit Grete kein Wort wechseln. Margarete ist die Mutter der Autorin. M. Helfer präsentiert eine außergewöhnliche und einzigartige Familiengeschichte. Liebevoll und schonungslos porträtiert sie Lebenswege einzelner Familienmitglieder und erwärmt mit diesem großartigen Roman das Leserherz.
Klein, aber sehr fein
von Sursulapitschi - 24.02.2020
Ja, genau so geht das. So, und nicht anders, sollte man Familiengeschichten schreiben. Monika Helfer erzählt von ihrer Familie, der Bagage oben auf dem Berg, die nichts zu essen aber viele Kinder hatte. Über die man gerne tratschte, weil die Maria zu schön war und alle Männer von ihr träumten. Die schöne Maria Moosbrugger war die Großmutter der Autorin und musste daheim die Stellung halten, als Josef, ihr Mann, in den Ersten Weltkrieg zog. Davon, und von noch viel mehr, erfährt man hier in kleinen Portionen, ein Schnipsel hier und einer da, dann noch ein Schlenker, durch drei Generationen. Der Erzählstil ist so eigen wie genial. Hier spricht eine Österreicherin beinahe so, wie ihr der Schnabel gewachsen ist, nach der Schrift natürlich, trotzdem mit einem lokalen Einschlag, viel Intuition, Einfühlungsvermögen und Sinn für Poesie. Man muss sich daran gewöhnen, aber hat man sich eingelebt, fegt es einen weg. Dieses Buch ist klein, aber sein fein, unterhaltsam und mitreißend, aufwühlend. Es lässt uns mitfühlen, wie es ist mitten im Krieg zu leben, zu überleben, wenn einem das Wasser bis zum Hals steht. Ich bin sehr beeindruckt und erwarte, diesen Titel auf der nächsten Buchpreisliste zu sehen.
Wunderbar geschriebene Ahnenforschung
von Anonym - 19.02.2020
Inwieweit der Roman tatsächlich die Herkunft der Autorin wiedergibt, wie es auf dem Buchrücken heißt, vermag ich nicht zu beurteilen. Doch egal, ob Autobiografie oder Fiktion oder eine Mischung aus beidem - ganz wunderbar ist die Geschichte in jedem Falle. Basierend auf Erzählungen ihrer weit verzweigten Verwandtschaft, erzählt die Autorin das Leben ihrer Großmutter Maria und deren Nachkommen, die kinderreich und in Armut in der Zeit vor und während des Ersten Weltkriegs in einem österreichischen Bergdorf lebte. Ihre einzigartige Schönheit wird ihr zum Verhängnis. Die männlichen Dorfbewohner steigen ihr hinterher. Als sie dann während des Kriegsdienstes ihres Ehemannes schwanger wird, brodelt aus Neid und Missgunst heraus die Gerüchteküche um den wahren Kindsvater. Der Ehemann fühlt sich gehörnt (ob zu Recht oder zu Unrecht, muss jeder selbst lesen) und lehnt das Kind (Grete, die Mutter der Autorin) Zeit seines Lebens ab. Immer wieder schweift die Autorin bis in die Gegenwart vor und befördert zum Teil hanebüchen klingende Werdegänge ihrer Onkel und Tanten und deren Abkömmlingen zu Tage, die daher wirklich die saloppe Bezeichnung einer "Bagage" verdienen. Eine Vokabel übrigens, die eingangs der Geschichte gut erläutert wird. Ein wirklich besonderes Buch für jeden Leser von Familiengeschichten.
Ein unpersönlich persönliches Werk
von mondtropfen - 19.02.2020
Die schöne Maria lebt in Zeiten des ersten Weltkriegs abseits eines Bergdorfs mit ihrem Mann Josef und ihren Kindern. Man nennt die Familie die Bagage - titelgebend für das Buch. Leicht hat es die Familie nicht; sie ist arm und erfährt im Dorf Ausgrenzung, denn sie fällt aus dem Raster des Herkömmlichen, des Bekannten und gemeinhin Normalen : Maria ist zu schön und begehrenswert, Josef zu wortkarg und gefürchtet, Kinder haben sie zu viele, Kontakt zu anderen Dorfbewohnern pflegen sie keinen. Das alles bietet Raum für Spekulationen, für Gerüchte und Missgunst. Im Zentrum der Erzählung steht die Großmutter der Autorin, Maria - die schöne Maria, wie Monika Helfer nie müde wird zu betonen. Als Josef in den Krieg eingezogen wird, bleibt Maria alleine mit den Kindern zurück, in der Obhut des Bürgermeisters, der Josef verspricht, ein Auge auf die Familie zu haben. Maria findet sich in der ambivalenten Situation wieder, den aufdringlichen Bürgermeister abwehren zu müssen, von dessen Gunst sie jedoch abhängig ist. Außerdem trifft sie auf einen Mann, den sie anziehend findet, und wird schwanger mit Margarete, der Mutter der Autorin. Auch dieser Umstand sorgt für weitere Spekulationen: Ist das Kind von Josef? Schreibt die Autorin von Maria, so geschieht dies in Romanform. Doch wird die Erzählung hier und da durch Sprünge in die Zukunft unterbrochen, was, wie man zunächst meint, dem Buch ein wenig den Fluss nimmt. An einigen Stellen greift die Autorin vorweg, um anschließend wieder in die Erzählung zurückzuspringen - es ist, als wollte sie uns erinnern, ein Roman im klassischen Sinne ist dies hier nicht, nein, dies ist meine Familiengeschichte. Womöglich deshalb verzichtet sie auch gänzlich auf Kapitelunterteilungen. Die gewählte Erzählform macht aber durchaus Sinn, geht es doch um Erinnerung, um Überliefertes - und das ist nun einmal häufig nicht chronologisch wiederzugeben. Da die Autorin die meisten Geschichten über ihre Familie durch ihre Tante erfährt und die im Buch vorkommenden Personen bereits verstorben sind, das Geschehene also nicht selbst kommentieren können, bleibt offen, wie viel der Grund"geschichte" erdacht ist, ersponnen, ausgeschmückt, oder über die Jahre verblichen. Mit der Bagage hat Monika Helfer einen dichten, flüssig zu lesenden Roman erschaffen. Unprätentiös, fast emotionslos, erzählt sie die Geschichte ihrer eigenen Herkunft und präsentiert fast lapidar die Einzelschicksale ihrer Verwandtschaft, die in ihrer Häufung und Heftigkeit für den Leser nur schwer greifbar sind. Zumeist werden diese Schicksale in einem einzigen Satz oder gar Nebensatz abgehakt; hier wäre durchaus mehr Raum für weitere Ausführungen gewesen. Auch von der Mutter der Autorin erfahren wir überraschenderweise recht wenig. So bleibt Die Bagage ein unpersönlich persönliches Werk, dessen Reiz sich nur einer kleinen Randleserschaft offenbaren dürfte.
Ein sehr persönliches Buch
von Elisabeth B. - 16.02.2020
Die Geschichte ihrer Familie erzählt Monika Helfer in ihrem knapp 160-seitigen Roman "Die Bagage", erschienen im Februar 2020 im Carl Hanser Verlag. Sie lebt abgeschieden, die Familie Moosbrugger - am Rande eines kleinen Dorfes, am Rande der Gesellschaft. Weitgehend Selbstversorger, hat sie kaum genug, um über die Runden zu kommen. Als dann der Erste Weltkrieg ausbricht, wird Josef, der Ernährer, eingezogen. Zurück lässt er seine schöne Frau Maria und seine Kinder, die von nun an mehr oder weniger auf sich gestellt sind - unterstützt allein vom Bürgermeister des Dorfes, der sich allerdings immer wieder an Maria heranmacht. Und dann ist da noch der hübsche Hannoveraner Kaufmann Georg, der ebenfalls seinen Weg zu Maria findet. Kurze Fronturlaube entfremden die Familie eher, als dass sie sie zusammenschweißen. Als Maria schwanger wird und Grete gebiert, keimt in Josef der Verdacht, dass seine Frau ihm ein Kuckuckskind ins Nest gesetzt hat ¿ und er wird zeitlebens nie ein Wort mit diesem Mädchen, der Mutter der Autorin, wechseln. Ich muss gestehen, dass ich mit anderen Erwartungen an das Buch herangegangen bin, als das Buch schließlich erfüllte. Ich dachte, mehr über Gretes Leben und Entwicklung zu lesen - wie schrecklich muss es sein, vom eigenen Vater ignoriert zu werden. Stattdessen erzählt Helfer die Geschichte sämtlicher Familienmitglieder, von 1914 bis hinein in die Gegenwart. Grete spielt dabei eher eine untergeordnete Rolle, im Zentrum stehen Josef und Maria Moosbrugger. Das Buch beginnt mit einem Idyll: Ein Bild soll gemalt werden, von einem kleinen Haus in einer heilen Welt. Leserinnen und Leser werden dabei direkt von der Autorin angesprochen, zum Stift zu greifen und loszulegen. Doch dann ein Bruch: "Die Wirklichkeit weht hinein in das Bild, kalt und ohne Erbarmen." (S. 7) Der Vater zieht in den Krieg, die Familie kämpft ums Überleben. Durch Vorgriffe in die spätere Geschichte zeigt Monika Helfer immer wieder auf, wie insbesondere die Kriegsjahre mit ihren Folgen das weitere Schicksal ihrer Familie geprägt haben. Besonders beeindruckt hat mich dabei, wie treffend sie am Beispiel ihres Großvaters Josef aufzeigt, wie der Krieg den einst selbstbewussten Mann und seine Beziehung zu seinen Lieben verändert hat. Aber auch die Schwierigkeiten, die ihre Großmutter als schönste Frau des Dorfes, von Männern begehrt, von Frauen verachtet, hatte, wird plastisch insbesondere anhand des Bürgermeisters beschrieben. Dieser wankt immer wieder zwischen seinem Versprechen, sich um Maria zu kümmern, und seinem Begehren nach ihr. Wie geächtet die Familie Moosbrugger in ihrer Gemeinde ist, wird sehr anschaulich, wenn sie in der Kirche in der hintersten Bank knien und beten muss - auch hier, wo die Gemeinde sich am nächsten sein sollte, ist also kein Platz für die "Bagage". Vieles bleibt in diesem Buch unklar, die Familiengeschichte ist, wie wohl jede, von Legenden umwoben: Ist die im Krieg geborene Grete Josefs Tochter? Er bezweifelt es, die Familie glaubt es. Doch, wie oben schon beschrieben, hätte mich gerade Gretes Schicksal noch mehr interessiert, als es in diesem Buch erörtert wird. Monika Helfers Sprache ist eher einfach, dem Inhalt der Geschichte dadurch jedoch umso angemessener. Auch hatte ich während des Lesens oftmals das Gefühl, mit der Autorin zusammen über das Leben ihrer Familie zu philosophieren, was in erster Linie darauf zurückzuführen ist, dass sie immer wieder Stichpunkte aufgreift, um auf spätere Schicksale zu schreiben zu kommen. Dieses hilft beim Lesen, tief in die Geschichte einzutauchen sowie mit der Familie mitzuleben und mitzuleiden. Auch wenn das Buch nicht die Geschichte erzählt, die ich im Vorfeld erwartete, habe ich es nicht bereut, es zu lesen. Eindrücklich und mitreißend erzählt Monika Helfer hier eine, nämlich ihre (Familien-)Geschichte des 20. Jahrhunderts - jenseits von Ruhm und Geld, sondern eine Geschichte einer einfachen Familie fast am Rande der Gesellschaft, die zu lesen sich auf jeden Fall lohnt.
Last der Vergangenheit
von KrimiElse - 14.02.2020
Monika Helfer erzählt in ihrem gerade mal 160 Seiten langen Roman "Die Bagage" von der Last der Vergangenheit über mehrere Generationen hinweg, von der Zähigkeit des dörflichen Lebens, vom Fluch der Schönheit und von der Mühsal des Überlebens. Vom Weltkrieg bis in die Gegenwart reicht das schmale Buch, das trotz der Knappheit eine Familiengeschichte dreier Generationen enthält, die die eigene der Schriftstellerin ist. Maria und Josef leben am Rand des österreichischen Bergdorfes, haben viele Kinder, aber an allem anderen herrscht Knappheit. Als Josef eingezogen wird als Soldat im Ersten Weltkrieg verschlimmert sich die Situation für die Familie Moosbrugger. Maria ist eine Schönheit, seit langem von den Männern begehrt und von den Frauen verachtet. Der Bürgermeister des Dorfes, den Josef um Schutz für seine Frau bat, macht sich gewaltsam an Maria heran. Die Vorführung männlicher Potenz, die Eifersucht und Missgunst der Frauen treten immer mehr zutage, dazu der Krieg, der auch die abgegrenzte Dorfwelt berührt. Maria wird schwanger, und es ist unwahrscheinlich, dass das Kind vom sehr selten gesehenen Josef ist. Fragen kommen auf, ob der Bürgermeister oder Georg, ein Mann aus Hannover, in den sich Maria verliebte, der Vater sein könnten. Das Kind, Grete, ist die Mutter der Autorin, von dem letztlich sogar Josef glaubt, daß ihm ein Kuckucksei ins Nest gelegt wurde. Nach dem Krieg ist die Tochter Grete für ihn nicht existent, er spricht sein ganzes Leben kein Wort mit ihr. Die Bagage sind arme Menschen und gleichzeitig Lasten, die man mit sich herumträgt. Zeitlebens gemobbt von Josef, was die Autorin äußerst naturalistisch darzustellen vermag, wächst Grete in armen Verhältnissen und umgeben von Geheimnissen und Missgunst auf, trägt die Last ihrer armen Herkunft und den Makel ihrer Geburt. Das Buch "Die Bagage" ist dicht erzählt, und durch die Nähe zur Familiengeschichte der Autorin ist man beim Lesen ganz nahe am Geschehen, auch wenn große Zeitsprünge und Vielstimmigkeit höchste Konzentration verlangen. Der emotionale Ballast wird weitergereicht von einer Generation zur nächsten, und alle erzählen davon. Liebevoll und zugleich schonungslos, ohne Schnörkel, betrachtet Monika Helfer ihre Figuren, die sich auf oft krummen Wegen im Abseits bewegen müssen. Dass es sich dabei um ihre eigene Geschichten handelt, macht das Buch für mich umso eindrucksvoller. Stilistisches das Buch nur scheinbar einfach verfasst, entsprechend der dörflich-hinterwäldlerischen Redeweise, denn es steckt voller hintersinnigem Witz. Man merkt dem Text an, dass die österreichische Schriftstellerin schon mehrere Romane veröffentlicht hat, von dem einerseits zwei Jahren für den Deutschen Buchpreis nominiert war.
Die Bagage
von Gelinde - 11.02.2020
Die Bagage, von Monika Helfer Cover: Passt: Ein verschwommenes Bild einer Frau. Soll es nun erotisch sein? Inhalt: Die Enkelin erzählt über ihre Oma und ihrer ganzen Familie. Viel vom "Hören-Sagen" her. Einer sehr armen Familie, ausgegrenzt, die Bagage eben, in der Tiroler Bergwelt um 1914 herum, der Krieg bricht gerade aus. Meine Meinung: Eine interessante Geschichte, aus der man meiner Meinung nach viel hätte machen können. Doch ich bin mit dem Schreibstil und der Erzählweise überhaupt nicht klar gekommen. Alles klingt sehr hart, kühl, distanziert, oft klingt es für mich recht altertümlich (obwohl es ja die Enkelin im "Heute" erzählt). Es wird wild (oder wirr) durcheinander erzählt. Die Erzählerin kommt vom Hundertsten ins Tausendste, vom Hölzchen aufs Stöckchen, und ich weiß oft nicht wo oder bei welchen Personen ich mich gerade befinde. Von der Person "Grete", das Kind das ignoriert wurde, das auch in der LP angesprochen wird, von der erfahre ich kaum etwas. Auch Gefühle und Emotionen kommen bei mir überhaupt nicht an. Unklar ist mir nun, ob dies eine Biografie oder ein Roman mit wahrem Hintergrund, bzw. die Familiengeschichte der Autorin ist. Autorin: Monika Helfer, geboren 1947 in Au/Bregenzerwald, lebt als Schriftstellerin mit ihrer Familie in Vorarlberg Mein Fazit: Eine durchaus interessante Geschichte (4 Sterne) . Aber mit der Erzählweise bin ich so überhaupt nicht warm geworden (2 Sterne). Also 3 Sterne.
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