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Die aufgeregte Gesellschaft

Wie Emotionen unsere Moral prägen und die Polarisierung verstärken

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220 Lesepunkte
Buch (gebunden)
22,00 €inkl. Mwst.
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Eine Gesellschaftsdiagnose aus philosophischer Sicht voller überraschender Erkenntnisse

Konservative Landbewohner mögen Hunde, moderne Städter lieber Katzen. Wutbürger sind eigentlich Ekelbürger. Angst macht nicht fremdenfeindlich. Politische Korrektheit ist ein Erkennungszeichen für Gruppenzugehörigkeit. Menschen leben dort streng religiös, wo es viele Parasiten gibt. Erkenntnisse wie diese präsentiert Philipp Hübl aus weltweiten wissenschaftlichen Untersuchungen. Seine Erklärung lautet: Emotionen prägen unsere moralische Identität und damit unsere politischen Präferenzen. Zwischen Traditionalisten und Kosmopoliten verstärkt sich die Polarisierung, wir leben in einer immer aufgeregteren Gesellschaft. Dabei geht es um die Frage, welche Werte ein gutes Leben ausmachen. Die Bruchlinien verlaufen zwischen Alt und Jung, Land und Stadt, Auto und Fahrrad, Tatort und Netflix, Vergangenheit und Zukunft. Wir sind der Aufregung aber nicht hilflos ausgeliefert, sondern in der Lage, selbst zu entscheiden, nach welchen Werten wir leben wollen.

Produktdetails

Erscheinungsdatum
25. März 2019
Sprache
deutsch
Untertitel
Wie Emotionen unsere Moral prägen und die Polarisierung verstärken. Originalausgabe.
Auflage
Originalausgabe
Seitenanzahl
429
Autor/Autorin
Philipp Hübl
Verlag/Hersteller
Produktart
gebunden
Gewicht
680 g
Größe (L/B/H)
221/145/40 mm
ISBN
9783570103623

Portrait

Philipp Hübl

Philipp Hübl ist Philosoph und hat nach einem Studium der Philosophie und Sprachwissenschaft in Berlin, Berkeley, New York und Oxford Theoretische Philosophie an der RWTH Aachen, der Humboldt-Universität Berlin und der Universität Stuttgart gelehrt; derzeit ist er Gastprofessor für Philosophie und Kulturwissenschaft an der Universität der Künste Berlin. Er ist Autor des Bestsellers »Folge dem weißen Kaninchen . . . in die Welt der Philosophie« (2012, neu 2020), der Bücher »Der Untergrund des Denkens. Eine Philosophie des Unbewussten« (2015), »Bullshit-Resistenz« (2018) und »Die aufgeregte Gesellschaft« (2019) sowie von Beiträgen zu gesellschaftlichen und politischen Themen, unter anderem in der Zeit, FAZ, taz, NZZ, auf Deutschlandradio und im Philosophie Magazin.

Pressestimmen

»Richtig ist zweifellos: Es ist wichtig, unser moralisch relevantes Handeln nüchtern zu untersuchen. Wie viel es da zu berücksichtigen gibt, präsentiert Hübl auf beeindruckende Weise. « Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Das Buch ist vor allem deshalb interessant, weil es für die Bewertung von politischen Bewegungen in ganz Europa einen interessanten Erklärungsansatz bietet. Es fordert einen beim Lesen auf, sich selbst Urteile zu bilden und diese dann gleich zu hinterfragen. « Kleine Zeitung

»Ungemein anregend, sehr gut und kenntnisreich geschrieben. Die aufgeregte Gesellschaft lässt einen über die Welt und die Art und Weise, wie wir politische Entscheidungen treffen, nachdenken. Lesenswert. « SRF »Literaturclub«

»Solide mit Hinweisen auf aktuelle Forschung unterfüttert, piekst Hübl an so mancher bequemer Selbstgewissheit, um, verkürzt gesprochen, anzukommen beim Appell: Haltet mehr aus! « taz

»Hochspannend, informativ, unterhaltsam! « Radio Bremen Bremen Zwei

»Kenntnisreich, pointiert und gut lesbar. « Landshuter Zeitung

Besprechung vom 07.05.2019

Leben Sie lieber neben einem Dieb oder einem Sodomiten?
Viel Gefühl, wenig Vernunft: Philipp Hübl versucht zu erklären, wie gesellschaftliche Polarisierungen funktionieren

Würden Sie einem Psychologen Ihre Seele verkaufen? Für zwei Dollar? Scott Murphy von der Virginia University hat es ausprobiert: Nur dreiundzwanzig Prozent der Probanden unterzeichneten seinen "Vertrag" und steckten die zwei Dollar für eine sinnlose Unterschrift ein. Was hielt die anderen davon ab? Was regiert unsere Entscheidungen? Ein Bauchgefühl, um das bestenfalls im Nachhinein eine Rechtfertigung gestrickt wird, oder die Vernunft? Und was bedeutet das für unser Zusammenleben? Das sind Fragen, denen der Philosoph Philipp Hübl in seinem neuen Buch nachgeht.

Dabei geht es weniger, wie der Titel verspricht, um die aufgeregte als um die gespaltene Gesellschaft: Konservative gegen Progressive, Stadt gegen Land, Jung gegen Alt, Kollektivisten gegen Individualisten. Hübl setzt auf die Moralpsychologie: Sie soll helfen zu verstehen, wie diese Polarisierung zustande kommt.

Moralpsychologie untersucht, wie Menschen tatsächlich urteilen, nicht, wie die philosophische Ethik, wie sie urteilen sollten. Dazu verwendet sie mit Vorliebe fiktive Geschichten, zu denen die Versuchspersonen ihre Meinung äußern oder eine Lösung vorschlagen sollen, wobei je nach Versuchsaufbau ihre Reaktionszeiten, die Veränderung des Hautwiderstandes oder die Schweißbildung gemessen wird.

Hübl erzählt eine ganze Reihe dieser Studien nach, der Leser kann selbst überlegen, wie er antworten würde: Darf man mit der Landesflagge die Toilette putzen? Würden Sie lieber neben einem Ladendieb wohnen oder neben jemanden, von dem bekannt ist, dass er Sex mit Tieren hat? Ist einvernehmlicher Sex zwischen erwachsenen unfruchtbaren Geschwistern verwerflich? Und auch die "Fruchtfliege der Psychologen" darf nicht fehlen: Darf man den dicken Mann vor den Zug schubsen, wenn man damit fünf Menschen retten könnte?

Im ersten Teil des Buches zeigt Hübl, dass die Regelmäßigkeiten, die die Forscher aus diesen Studien extrahieren, nicht gerade geeignet sind, ein Selbstbild als rationales Individuum aufrechtzuhalten, das nach wohlüberlegten Prinzipien handelt. Einer amerikanischen Langzeitstudie zufolge kann man etwa anhand der Charaktermerkmale, die Erzieher bei Vierjährigen feststellen, recht zuverlässig vorhersagen, ob sie später eher republikanisch oder demokratisch wählen werden und welche Einstellungen sie zu Schwangerschaftsabbrüchen oder Homosexualität haben. Ebenso korreliert die Ekelneigung einer Person mit ihren politischen Präferenzen und Einstellungen gegenüber Fremden.

Unsere Moral, so schließt Hübl daraus, verdankt sich eben nicht Prinzipien, sondern Emotionen wie Angst, Zorn, Ekel, Scham oder Schuld. Und sie ist biologisch grundiert, will heißen: anfällig für Angst vor Unbekannten, auf Hierarchien und Anerkennung aus. Und sie wird geprägt von der Welt, in der wir leben. Chinesen, die Reis anbauen, sind solchen Studien zufolge eher gesellschaftsorientiert und konservativ, solche, die Weizen anbauen, eher progressiv und individualistisch. Die angebotene Erklärung lautet: Reisanbau ist ein gemeinschaftliches Unterfangen, die Bewässerung muss geregelt werden, das Ganze kann nur gelingen, wenn alle an einem Strang ziehen. Beim Anbau von Weizen kann es dem einen Bauer hingegen ziemlich egal sein, was der andere auf seinem Acker tut.

Neben dieser "Reistheorie" gibt es auch eine "Parasitentheorie", der zufolge Menschen in Gebieten mit hoher Parasitenbelastung eher zum Kollektivismus neigen, Traditionen betonen, Autorität, schätzen, für Vetternwirtschaft und Fremdenfeindlichkeit anfällig sind.

Mit der Rationalität der Moral ist es demnach also nicht so weit her. Aber warum polarisiert sich dann heute die Welt immer stärker? Weil der Wandel immer schneller voranschreitet, meint Hübl in den Teilen zwei und drei, die Politik und Gesellschaft gewidmet sind. Die jungen, progressiven Stadtbewohner, so legt er sich die Sache zurecht, begrüßen diesen Wandel, sie erwarten, dass es in der Zukunft besser wird. Die konservativen Landbewohner hingegen sähen die Globalisierung als Gefahr, verklärten eine vermeintlich bessere Vergangenheit und reagierten mit Abwehr, im Extrem mit Nationalismus und Xenophobie auf die Veränderungen.

Doch trotz solcher Umweltbestimmtheit und der gleichzeitig konstatierten Neigung zu stammesartigen Gebilden, über die Identitäten und Loyalitäten organisiert werden, hat Hübl auch naheliegende aufmunternde Worte parat. Die Moral habe zwar eine biologische Basis, sei aber ebenso eine Frage der Entscheidung. Wir können lernen, unsere Einseitigkeiten und Vorurteile wahrzunehmen, sie zu überdenken und zu revidieren. Wir sind in der Lage, eine gefühlte Terrorangst mit dem Blick auf die Statistik auf ein realistisches Maß zurückzudrängen.

Fremdenfeindlichkeit und Rechtspopulismus seien ein letztes Aufbäumen der alten Welt gegen die progressive Revolution, die die Welt freier und individueller machen werde. Das zeigten auch jene siebzehn Prozent der Probanden, die ihre Seele erst nicht verkaufen wollten, es nach einer vernünftigen Diskussion dann aber doch taten.

Also wird doch alles gut? Um solche Schlüsse aus den präsentierten Befunden zu ziehen, dazu ist das Bild, das Hübl von Menschen zeichnet, zu schematisch. Konservative Städter und progressive Landmenschen sind in seinem Modell schwer zu erklären. Wenn unsicherer werdende Lebensverhältnisse die Rückkehr tribalistischen Denkens befördern, ist zudem kaum zu sehen, warum dieses gerade jetzt zurückgehen sollte, wo viele Menschen sich abgehängt fühlen und der Klimawandel schwierige Konstellationen noch verschärft. Auch den Despoten Afrikas die dort herrschenden Infektionskrankheiten in die Schuhe zu schieben, wirkt unterkomplex.

Richtig ist zweifellos: Der Mensch ist nicht durch und durch rational und es ist wichtig, unser moralisch relevantes Handeln und die für es aufgewendeten Maximen nüchtern zu untersuchen. Wie viel es da zu berücksichtigen gilt, präsentiert Hübl auf beeindruckende Weise. Natürlich sollten wir nachdenken, bevor wir unsere Urteile in die Welt posaunen. Natürlich sollten wir mehr Vernunft wagen, lernen, die guten von den üblen Emotionen zu unterscheiden und mehr von Angesicht zu Angesicht streiten, als anonym im Netz herumzumotzen. Das allein wird aber kaum ausreichen. Wenn die Umwelt die Moral des Menschen so stark prägt, sollte uns vielmehr daran gelegen sein, sie so einzurichten, dass sich möglichst wenige bedroht und gedemütigt fühlen müssen.

MANUELA LENZEN

Philipp Hübl: "Die aufgeregte Gesellschaft". Wie Emotionen unsere Moral prägen und die Polarisierung verstärken.

C. Bertelsmann Verlag, München 2019. 429 S., geb.

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.

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LovelyBooks-BewertungVon maybelle am 12.01.2022
Durchaus spannend, jedoch werden wissenschaftliche Erkenntnisse zum Teil zugunsten der eigenen Meinung interpretiert.
LovelyBooks-BewertungVon UdoFroehlich am 23.03.2021
Interessant, mit vielen neuen Aspekten aus vielfältigen Blickwinkeln.
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