Basierend auf fantastischen Ideen, aber es hapert ein wenig an der Umsetzung.
Clementine führt ein zufriedenes Leben. Gemeinsam mit ihrem Vater wohnt sie in einem bescheidenen Städtchen und hütet die Anwohner vor den Albträumen, die sich in jeder Neumondnacht materialisieren und pure Gefahr verheißen. Zugehörig zu den zahlreichen Hütern des Reiches Azenor, hat sie einen angesehenen Ruf - der eine gravierende Kerbe geschlagen bekommt, als sie und ihr Vater von zwei unbekannten Hütern herausgefordert werden. Nach ihrer Niederlage sind sie gezwungen, ihr altes Leben aufzugeben und sich eine neue Bleibe zu suchen. Das Schicksal führt sie weit weg, in eine andere, größere Stadt, in der Clem durch Zufall auf einen der beiden Herausforderer trifft: auf Phelan, der ihr das Zuhause wegnahm. Sie schwört Rache, verleiht sich mithilfe eines Trugzaubers ein anderes Aussehen und nimmt den freien Hüterposten an seiner Seite an. Mit der Zeit spürt sie jedoch, dass sie sich zunehmend stärker zu ihm hingezogen fühlt. Des Weiteren verändert sich auch das Reich Azenor spürbar. Die Albträume werden von einer Feindesgestalt aufgewühlt, die Angst und Schrecken verbreitet und es nicht zuletzt auf Phelan abgesehen hat. Geheimnisse kommen ans Licht, Unsterbliche treten zutage und der Fluch, der einst zu den materiellen Albträumen führte, will gebrochen werden. Für Clementine, ihre Familie und ihre Freunde beginnt eine Zeit voller Spannungen, Verrat und Neubeginnen. Zuerst einmal muss ich erwähnen, dass es sehr wohltuend war, ein Buch zu lesen, dessen Geschichte nach einem Band in sich geschlossen ist. In einer Zeit, in der die Reihen immer länger werden, sehnt man sich hin und wieder nach einem Buch, das man nach Beenden zufrieden zuklappen kann. "Dreams Lie Beneath" war ein solches Buch - auch, was die Zufriedenheit am Ende betrifft. Während des Lesens hatte ich durchgehend ein schönes, behütetes Gefühl, das zum Schluss mit Zufriedenheit abgerundet wurde. Die Grundidee hat mir sehr gut gefallen. Die lebendig gewordenen Albträume bilden ein fantasievolles Gerüst, das sein Potenzial jedoch nicht immer im Vollen ausgeschöpft hat. Die Traumangelegenheiten hätten noch feiner und detailreicher ausgearbeitet werden können, außerdem wurden weitere extrem einfallsreiche Ideen bloß angedeutet. Das Buch hätte noch größer, epischer werden können, wenn die Autorin an bestimmten Stellen mehr in die Tiefe gegangen wäre. Nichtsdestotrotz habe ich es in kürzester Zeit verschlungen, denn der Unterhaltungswert war durchgehend vorhanden. Es war nicht immer spannend, aber dank der vermehrten Ortswechsel, der zahlreichen Figuren, der Geheimnisse, die unter der Oberfläche knistern und der spürbaren Magie war es jedes Mal aufs Neue reizvoll, auf die nächste Seite zu blättern. Ich habe auch die Wendungen geliebt. Besonders gegen Ende formieren sie sich zu einer starken Handlung, die mich in ihren Bann gezogen hat. Alle Fäden, die zuvor sorgsam gewebt worden waren, führen zusammen und lassen das Finale zu einem absolut würdigen Ereignis werden. Das Setting ist sehr hübsch und trägt zu der Behaglichkeit während des Lesens bei, jedoch fehlt es ihm ein wenig an Einzigartigkeit. Dafür, dass Azenor ein Fantasy-Reich ist, gleicht das Gelände ziemlich der realen Welt. Ich persönlich mag es gerne, wenn ein High-Fantasy-Setting auffälligere Unterschiede aufweist, die dem Leser zu jeder Sekunde verdeutlichen, dass er in ein fantastisches Reich jenseits der Wirklichkeit gereist ist. Die Atmosphäre gleicht sich an den Inhalt des Buches an und ist sehr verträumt. Sie zeichnet ein weiches Gefühl, das durchgehend präsent ist. Sie ist nicht die individuellste von allen, aber ausreichend vorhanden, um sich wohlig in das Geschehen einsinken und von der Geschichte mittragen zu lassen. Was die Hauptfigur besonders spannend macht, ist, dass sie im Laufe der Handlung zwei Gewänder trägt. Zuerst ist sie sie selbst, Clementine, später verändert sie sowohl ihr Aussehen als auch ihren Namen. Auch ihr Charakter wandelt sich. An dieser Stelle kritisiere ich, dass die Eigenschaften ihres zweiten Ichs nicht ganz greifbar sind. Clementine ist freundlich, großherzig und gütig, Anna Neven hingegen scheint selbst nicht zu wissen, wer sie ist. Manchmal hat sich ihre Figur uneindeutig angefühlt. Dennoch ist sie eine angenehme Persönlichkeit, die nicht vor Klischees trieft. Bei Phelan das Gleiche. Auch er wirkte manchmal etwas matt, wie nicht richtig ausgereift, bevor die Autorin ihn zu Papier gebracht hat. Ich weiß nicht genau, in welche Spalte ich ihn einzuordnen habe, ob er nun zu den Bad-Boys oder zu der gefühlvollen Variante gehört. Gefallen hat er mir trotzdem, denn seine Emotionen haben ihn nahbar gemacht. Die Liebesgeschichte zwischen den beiden nimmt einen wohltuenden Raum ein: Es ist das Fantasy-Abenteuer, das im Vordergrund steht, und es ist kein Spice vorhanden. Allerdings war es manchmal etwas uneindeutig, wann, wie und wo die beiden sich verlieben. Es gibt kein wirkliches Schlüsselereignis, das die zwei aneinanderbindet und eine merkliche Veränderung in ihrer Chemie hervorruft. Clems und Phelans Beziehung plätschert - meinem Empfinden nach - etwas ziellos vor sich hin. Die Figuren, die neben den Protagonisten vorkommen, üben eine große Faszination auf mich aus. Im Gegensatz zu den Hauptfiguren, sind sie allesamt sehr authentisch und facettenreich. Ich wusste bis zuletzt nicht, wer unter ihnen die Intrigen spinnt und wer nicht das ist, was er zu sein vorgibt. Der Schreibstil wechselt Schlichtheit mit wunderschön poetischen Beschreibungen ab. Er ist eine Mischung aus dem Verdacht, dass die Autorin noch etwas ungeübt im Schreiben ist, und den erwähnten Zeilen, die durch Einfallsreichtum und reine Magie brillieren. Unabhängig davon war er angenehm zu verfolgen und ist nur hin und wieder durch einige Wort- und Grammatikwiederholungen negativ aufgefallen. Um zu einem Abschluss zu kommen: "Dreams Lie Beneath" ist geprägt von Höhen und sanften Tiefen. Die Grundidee ist wundervoll, der Unterhaltungswert ist definitiv vorhanden, die Wendungen sind überraschend und die Magie prickelt zwischen allen Zeilen. Das Buch weist durchaus ein paar Schwächen auf, allerdings werden diese nahezu überdeckt von den positiven Aspekten. Das Lesen hat mir ein rundum gutes Gefühl gegeben und ich habe es mit einem Lächeln abgeschlossen - und der Gewissheit, dass "Dreams Lie Beneath" ein Re-Read-Kandidat ist.