Nacht ist keine Stunde mehr, sie ist ein Tier und Tremorglade hat eindeutig mehr Zähne als ein normaler Wald. Bite Risk Totgesagt packt einen bei der Kehle, zieht nicht mehr los und schmeißt einem zwischendurch noch ein Grinsen ins Gesicht. Sel als Ripper? Perfekt kaputt. Die Mondnächte sind dichter beschrieben als manch romantische Kurzgeschichte, nur dass hier statt Kerzenschein knirschende Knochen und kalter Dreck die Stimmung machen.
Beim Lesen auf der Couch: meine Tochter stupst mich an, flüstert Papa, das ist gruselig und dann lacht sie schief, weil Sel wieder etwas macht, das man sowohl bemitleiden als auch feiern will. Solche Buddyread-Momente gemeinsam aufschrecken, gemeinsam kichern gab dem Buch noch mal extra Biss. Kleine Dialoge zwischen uns, kommentierende Zwischenrufe (Nicht umdrehen!, Doch, unbedingt!) haben die Szenen lebendig gehalten.
Autor baut Spannung wie ein Tüftler eine Falle: Details sitzen, die Welt atmet, und die Ripper sind nicht bloß Monster, sondern Charaktere mit schiefen Kanten. Das Monster, das nicht getötet werden kann, ist eine gute Idee weil es mehr Fragen stellt als Antworten gibt, und genau das verlangt man in Teil zwei einer Reihe. Humor trifft Horror; Herz trifft Düsternis. Zwischendurch dachte ich: Verdammt, das ist zu fies und kurze Zeit später lachte ich über einen sarkastischen Kommentar, der genau passte.
Wer auf Endzeit-Vibes mit knirschender Atmosphäre, moralischen Kanten und Buddyread-Momente steht, kriegt hier ein Vollbad in Mondlicht und Matsch. Bite Risk Totgesagt ist ein echter Night-Ride: laut, unvorhersehbar und mit Freunden besser erträglich. Nach dem letzten Kapitel saßen wir beide still da und konnten gleichzeitig nicht aufhören darüber zu reden. Mehr davon, bitte.