Susanne Wegmann zeichnet in dieser Studie den Weg des lutherischen Bilddiskurses vom umstrittenen Bildmedium bis zu seiner Verortung im Kirchenraum. In Abgrenzung zu den reformierten Strömungen und in der Tradition des spätmittelalterlichen Bildgebrauchs etabliert sich das Medium dort in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts als konfessionelles identitätstiftendes Merkmal.
During the confessional age, pictures became established as an identity forming feature in the Lutheran church. They not only conspicuously separated Lutheran from reformed churches, but also defined the community of believers and placed a visual sermon in their midst. Susanne Wegmann traces the path of Lutheran picture discourse from spoiled and controversial medium to its relocation in the Lutheran context. The pictures themselves are the author's logical source for reflecting on their traditional use in late medieval times. The positions occupied by artists, benefactors and commissioners are determined through portraits, signatures and inscriptions in and on the pictorial Lutheran faith works. Im konfessionellen Zeitalter etablieren sich Bilder als identitätsstiftendes Merkmal im lutherischen Kirchenraum. Sie grenzen die lutherischen nicht nur sichtbar von den reformierten Kirchen ab, sie definieren die Gemeinschaft der Gläubigen und stellen eine sichtbare Predigt in ihre Mitte. Susanne Wegmann zeichnet den Weg des lutherischen Bilddiskurses vom zerstörten und umstrittenen Bildmedium bis zu seiner Neuverortung im lutherischen Kontext nach. Als Quellen nimmt sie konsequent die Bilder selbst in den Blick, die die Tradition des spätmittelalterlichen Bildgebrauchs reflektieren. Die Positionen von Künstlern, Stiftern und Auftraggebern werden anhand von Bildnissen, Signaturen und Inschriften in und an den Bildwerken im lutherischen Glauben verortet. Exemplarisch zeigen die Ausstattungsprogramme der Torgauer Schlosskapelle und der Marktkirche zu Halle die Einschreibung der Künstler und ihrer Werke in die im Kirchenraum erlebbare Reformationsgeschichte.