Kriminologisch und sozial relevante Themen; fesselnden Erzählung in zwei Zeitebenen, die auf den Mord bzw die Hinrichtung zulaufen
In diesem Roman, den ich als kriminologisch bezeichnen würde, stecken sehr viele, miteinander verwobene Themen, die idealtypisch in der amerikanischen Gesellschaft, aber im übertragenen Sinne nicht nur da zu finden sind: Molly Carver, eine äußerlich taffe, junge Frau, lebt bei ihrem Onkel, nachdem ihr Vater nach einem Mordgeständnis im Todestrakt ist. Ihr bleibt nur knapp über ein Monat, um seine Unschuld zu beweisen. Sie bewirbt sich um eine Stelle als Hausmädchen bei den superreichen Eltern, deren damals 16-jährigen Sohn er ermordet habe soll und begibt sich zugleich auf eine kleine Reise in die Vergangenheit, denn die Familie lebt immer noch in ihrer Heimatgemeinde, in der sie im Trailerpark aufgewachsen ist.Sehr spannend ist, dass die Ereignisse in zwei Zeitebenen, kurz vor dem Mord aus Sicht Caspars, des Opfers, und v.a. aus Sicht Mollys, kurz vor der Hinrichtung ihres Vaters, erzählt werden. Neben der Todesstrafe kommen gesellschaftskritische Aspekte auch durch die Darstellung der sozialen Schere in den USA und die damit verbundenen Privilegien bzw. Schwierigkeiten zum Tragen: Molly und ihr Vater stellen das untere Ende dar, während die Familie des Opfers ganz oben steht - und mehr darf man eigentlich gar nicht verraten.Es ist eine spannende und zugleich sehr tragische Geschichte, die Würger erzählt, bei der einem schnell dämmert, dass es kein echtes Happy End geben kann. Ich habe den Roman in einem Tag gelesen, konnte ihn nicht aus der Hand legen und er gab mir auch anschließend Anlass zum Nachdenken. Die Figuren sind gut gezeichnet, allen voran Molly, unter deren taffer Schale immer noch das junge, verlassene und verzweifelte Mädchen steckt, das sie war als ihr Vater verurteilt wurde.