In Richard Mayhews Leben läuft es gut: Verlobt mit der schönen Jessica und erfolgreich im Job hilft er einer Unbekannten auf der Straße und sein Leben gerät aus den Fugen. Die junge Frau heißt Door und stammt aus einer Art parallelen Unterwelt Londons. Indem er ihr hilft macht er nicht nur ihre Verfolger auch auf sich aufmerksam. Sie verschwindet zwar schnell mit dem Marquis de Carabas wieder aus Richards Leben, aber leider verschwindet auch Richards Leben: Buchstäblich. Deshalb entscheidet er sich notgedrungen, den beiden zu folgen und entdeckt die verrückte Welt Unterlondons, bevölkert von aberwitzigen Gestalten und Gerät in das Abenteuer seines Lebens - ohne Rückfahrkarte?Richard und damit uns Lesern begegnen eine Vielzahl an skurrilen, fantasievollen, überzeichneter Gestalten. Von den sadistischen und sarkastischen Berufsmördern Mr. Croup und Mr. Vandemar, die sich ebenfalls an Doors Fersen geheftet haben, dem genannten Marquis, einer Art Hochstapler, der Monsterjägerin oder Figuren wie dem Engel Islington, der etwas religiöse Mythologie mit einbringt. Viele der Hauptfiguren sind nicht zu leicht zu durchschauen. Gaiman verliert manchmal den roten Faden aus den Augen, wenn er das bunte Potpourri seiner Fantasywelt bearbeitet. Im Kern geht es darum, den Mörder von Doors Vater zu finden. Wenn man mal - wie der Protagonist - aus seinem eigenen geordneten Alltag fallen möchte, dann ist das Buch auf jeden Fall aber eine gute Wahl. Wenn einem der rote Faden und eine eindeutig verfolgte Handlung wichtig ist, dann vielleicht eher nicht. Die Handlungsorte, Figuren und der schöne mal poetische, mal witzige, mal zynische Schreibstil des Autors sind hier eindeutig wichtiger als die Story selbst.