Wenn man Insel-Horror mag: Unbedingt lesen, vor allem wegen der Fusion mit Maya-Mythologie!
"Bermuda" startete mit der eindrücklichen Schilderung der Havarie eines Kreuzfahrtschiffes, auf dem die Protagonisten Alex - als Passagier - sowie Itzil - als Mitarbeiterin - bereits im urplötzlich aufziehenden Hurrikan seltsame Phänomene bemerkten. Der Roman wurde durchweg aus der Perspektive der beiden erzählt, wodurch sie nicht nur die am besten ausgearbeiteten, sondern wohl auch meine Lieblingscharaktere waren.Auf dem mit Basaltfelsen bedeckten Strand der Vulkaninsel landete lediglich ein Dutzend Überlebende, was es für mich einfach machte, jedem Namen die jeweilige Figur zuzuordnen. Einzig, wenn die Personen mit ihrer Nationalität bezeichnet wurden, etwa "der Kanadier", war ich bisweilen verwirrt.Der Einstieg war klassisch - es wurde abgeklappert, was man auf einer einsamen Insel eben so tut: ein Lager errichten, die Nahrungs-, vor allem jedoch Wassersuche planen, über Feuer und andere Signalmöglichkeiten nachdenken. Bald merkte der aufmerksame Leser: Irgendetwas stimmte nicht mit der Zeit.Wie zu erwarten, entstanden rasch Intrigen, obgleich die Gruppe in Anbetracht der Umstände wirklich gut zusammenhielt. Selbst, als die erste Nacht zeigte, dass sich die Schiffsbrüchigen die Insel mit merkwürdig andersartigen Kreaturen teilten. Unbekannten Raubtieren ...Die Spannung nahm keinen Abbruch, sodass sich der Roman flott lesen ließ. Durch die Begrenzung auf Alex' und Itzils Perspektive wurden die im Lager am Strand Zurückbleibenden zu Beginn über mehr als hundert Seiten vernachlässigt, was mich ein wenig störte, andererseits trieb dies den Nervenkitzel weiter in die Höhe.Mir gefielen besonders die Überschriften für jedes Kapitel, zudem muss ich unbedingt das Cover loben: Der Ozean mit einem transluzenten Totenkopf und dem Titel im Wasser, im Hintergrund die Insel sowie ein einsames rotes Rettungsboot - das muss eines der schönsten Buchcover sein, die ich je gesehen habe. Deshalb, gleichwohl selbstverständlich nicht minder wegen des verheißungsvollen Klappentextes, freute ich mich lange im Voraus auf "Bermuda", und meine hohen Erwartungen wurden nicht enttäuscht.Die Monster-Geschöpfe waren als Bedrohung perfekt, die Zeitanomalie ein unglaublich interessantes Mysterium. Insbesondere die Fusion von Einsamer-Insel-Geschichte mit Maya-Relikten, über die Itzil als indigene Nachfahrin reichlich Auskundschaft geben konnte, faszinierte mich. Beide Thematiken üben auf mich einen reißenden Sog aus, meine Reaktion auf (SPOILER) die später eingeführte Stufenpyramide (SPOILER) ist damit denkbar.Zu bemängeln wären allenfalls die hin und wieder sehr auffälligen Wortwiederholungen, mitunter innerhalb zweier Absätze oder gar Zeilen. Die ständig gleiche Beschreibung der Vorkommnisse in der Dämmerung (was ein anderer Rezensent kritisch hervorhob) mit zirpenden Kreaturen und Rhomben am Himmel betrachtete ich hingegen eher als Stilmittel, um auf den immerwährenden, fremden Kreislauf der Insel hinzuweisen.Wer nicht gespoilert werden möchte, sollte im Übrigen den Textauszug auf der Innenklappe nicht lesen, denn die dort abgedruckte Passage ist erst nach knapp zweihundert Seiten verortet und verrät etwas hinsichtlich der Charakterentwicklungen: (SPOILER) Ricardo, ein Millionär mit allerhand technischen Geräten taucht als weiterer Verunglückter auf und Jordans Verschwinden wird erwähnt. (SPOILER ENDE) Darüber hinaus finde ich die Stelle weder besonders spannend noch neugierig machend, somit kaum zum Anpreisen des Romans passend.(SPOILER) Am Ende nahm der Plot mit der Erklärung der seltsamen Natur der Vulkaninsel eine Wende in das Sci-Fi-Genre: Für die Zeitanomalie sowie die vielen Schiffsbrüche im Bermudadreieck war das abgestürzte Raumschiff der fremden Kreaturen - Aliens - verantwortlich; wie genau dies funktionierte, wurde mir indes zu kompliziert erklärt - da ging es mir wie Ross, der zum Retten seiner eigenen Haut die noch am Lebenden schonungslos mit Ricardo zurückließ und nichts kapierte.Innerhalb der letzten Seiten gab es noch etliche Wendungen, was die Sympathieverhältnisse betraf. Spannungsgeladen gelang es Alex und Itzil, dem Alien-Boss zu entkommen, wenngleich ich einen Frieden mit den Außerirdischen stärker begrüßt hätte.Die letzten Zeilen - dass Sophia in der Hybridumwandlungskammer ihre Demenz verloren hatte und dafür langsam zu einer der Kreaturen wurde - konnte man dagegen bereits antizipieren. (SPOILER ENDE)Fazit: "Bermuda" war ein fesselnder Horrorthriler, der bis zum Ende schlüssig blieb. Einige Passagen mögen klischeehaft oder einen Hauch zu ausschweifend gewesen sein, dafür gab es Fakten zu den Göttern der Maya in Fülle sowie mehrere unvorhersehbare Wendungen.Noch eine kleine Anmerkung: Auf Seite 90 befindet sich bei "Es datierte auf ." vor dem Punkt ein Leerzeichen, auf Seite 352 steht "dahinten" statt "da hinten" bei "Alex kam nicht dazu, den Satz zu beenden, dahinten beim Funkturm der aufgeregte Ruf Scotts ertönte", auf Seite 447 "Augenblich" statt "Augenblick" und auf Seite 515 wurden "meines Wissens" sowie "meiner Meinung nach" fälschlich zu "meines Wissens nach" vermischt.