Spannender Thriller, zwischendurch etwas langatmig
Inhalt: Halb versteckt im Wald und überragt von dunkel drohenden Gipfeln war Le Sommet schon immer ein unheimlicher Ort. Einst diente es als Sanatorium für Tuberkulosepatienten, dann verfiel es mit den Jahren und wurde schließlich aufgegeben. Nun hat man es zu einem Luxushotel umgebaut, doch seine düstere Vergangenheit ist noch immer spürbar. Als Detective Inspector Elin Warner zur Verlobungsfeier ihres Bruders anreist, beginnt der Albtraum: Erst verschwindet Isaacs Verlobte, dann geschieht ein Mord. Schließlich schneidet auch noch ein Schneesturm das Hotel von der Außenwelt ab, und die Gäste sind mit einem Killer gefangen ... Meinung: Für einen Thriller ist das Werk mit 500 Seiten ein ordentlicher Wälzer. Ich bin gut in die Geschichte rund um das Sanatorium reingekommen, in der Elin Warner die Hauptprotagonistin spielt. Sie kommt mit ihrem Lebensgefährten Will zur Verlobungsfeier ihres Bruders Isaac, den sie seit Jahren nicht mehr gesehen hat. Die Stimmung ist sehr angespannt, einerseits fühlt sich Elin in dem noblen Hotel nicht wohl, andererseits hat sie mit ihrem Bruder noch eine Rechnung offen, so verdächtigt sie ihn, in ihrer Kindheit ihren Bruder Sam umgebracht zu haben. Die Beziehung der beiden Geschwister ist frei von jeglicher Harmonie, jede Berührung, jedes Wort vermittelt dem Leser ein Gefühl der Bedrohung. Als Isaacs Verlobte verschwindet und kurz darauf eine Leiche entdeckt wird, beginnt Elin zu ermitteln, obwohl sie eigentlich für längere Zeit beurlaubt wurde. Das verschweigt sie jedoch. Der Schweizer Polizei ist es aufgrund der schlechten Wetterbedingungen nicht möglich, vor Ort zu sein, daher bietet Elin ihre Hilfe an und tauscht sich mit der Polizei per Telefon aus.Elin ist eine sehr anstrengende Protagonistin. Will tut einem als Partner hier schon richtig leid. Er gibt stets sein Bestes und versucht alles, um es Elin recht zu machen, aber sie ist einfach nur depressiv und hängt ihrer Vergangenheit nach. Alles ist wichtiger als ihre Beziehung. Sie stürzt sich kopfüber in Ermittlungen, die sie eigentlich gar nicht anstellen dürfte, vernachlässigt ihren Partner total und wenn er sich in ernsthafter Gefahr befindet, hat sie auch Besseres zu tun. Puh, der Dame hätte ich schon längst den Laufpass gegeben.Als Ermittlerin ist sie leider auch nicht die Hellste. Sie zieht voreilige, unlogische Schlüsse, spinnt sich hirnrissige Szenarien zusammen, verdächtigt Gott und die Welt und bringt sich und ihre Lieben selbst in Gefahr. Ihre Gedankengänge kreisen oftmals um ihre Vergangenheit und wiederholen sich pausenlos. Das war mir etwas zu anstrengend.Dass ich Elin nicht sympathisch finde, ist keineswegs ein schlechtes Zeichen. Auch unsympathische Hauptprotagonisten vermiesen mir nicht die Leselust. Ich war sogar sehr angetan von dem Buch, der düsteren Stimmung, dem Fall an sich. Doch ab der Mitte wird es etwas schleppend. Es passiert zwar immer etwas, aber das wirkt auf mich sehr gezwungen, als müsste die Autorin die Seiten füllen. Auch gibt es mehrere Dialoge, die nicht so detailliert hätten beschrieben werden müssen - meiner Meinung nach. Elin kämpft zudem ständig mit ihren Gedanken, irgendwann dreht man sich als Leser selbst mit ihr im Kreis und fragt sich, wann das Ganze denn zu einem Ende kommt.50-100 Seiten weniger wären absolut ausreichend gewesen.Die Auflösung ist etwas unglaubwürdig, aber okay. Überrascht hat sie mich auf jeden Fall, für einen düsteren Thriller passt es schon. Über das vorletzte Kapitel musste ich mich tatsächlich ein bisschen ärgern, da es Fragen aufwirft, die auf eine Fortsetzung hindeuten. Geschickt von der Autorin, da man natürlich neugierig wird und sich den Nachfolger holt. Ob der bei mir einziehen wird, ist noch nicht gewiss.Ich vergebe 3,5 von 5 Sternen - ein solider Thriller mit einigen Längen.