Der Struwwelpeter versammelt zehn kurze Bildergeschichten, in denen kindliche Unarten - Daumenlutschen, Zündeln, Suppenverweigerung oder gedankenloses Umherlaufen - in drastisch-komischen Konsequenzen enden. Hoffmanns knappe Reime, die klare Szenenfolge und die expressiven Original-Illustrationen verbinden moralisierende Didaxe mit makabrer Groteske. Als Klassiker der deutschsprachigen Kinderliteratur steht das Buch im Kontext bürgerlicher Erziehungsvorstellungen des 19. Jahrhunderts, übersteigt diese jedoch durch seine eigentümliche Bild-Text-Dynamik und seinen bis heute irritierenden Humor. Heinrich Hoffmann, 1809 in Frankfurt am Main geboren, war Arzt, Psychiater und später Leiter der städtischen Irrenanstalt. Sein Blick auf kindliches Verhalten verband medizinische Beobachtung, pädagogische Sorge und satirische Zuspitzung. Der Überlieferung nach schuf er das Buch 1844 als Weihnachtsgabe für seinen Sohn, weil ihm zeitgenössische Kinderbücher zu belehrend und leblos erschienen. Diese Entstehung erklärt die ungewöhnliche Mischung aus familiärer Nähe, drastischer Warnung und komischer Übertreibung. Empfohlen sei diese Ausgabe nicht nur Kindern und Eltern, sondern auch Leserinnen und Lesern, die die Anfänge des modernen Bilderbuchs verstehen möchten. Die Original-Illustrationen lassen erkennen, wie präzise Hoffmann visuelle Dramaturgie und sprachlichen Rhythmus aufeinander abstimmt. Wer Der Struwwelpeter heute liest, begegnet einem Werk, das gleichermaßen historisches Dokument, ästhetisches Experiment und provokanter Prüfstein pädagogischer Fantasie ist.