Es hat sich sehr gezogen. Wichtiges Thema, gut verpackt. Aber wenig Entwicklung der Charaktere.
Spoilerfreie Meinung ¿Mein erstes Abby Jimenez Buch! Die Thematik, die behandelt wird, ist schwerwiegend mit einem sensiblen Umgang. Leider gab es für mich einige Längen, weil emotionale Passagen mehr an mir vorbeizogen, als mich mitzureißen. An anderen Stellen war ich sehr überrascht von den Charakteren und es ging mir eher zu schnell! Dafür gibt es sympathische Charaktere, die auch mal für ein paar Lacher bei mir sorgten.Achtung, ab hier folgen Spoiler¿Setting ¿¿¿Minnesota und Kalifornien sind die beiden Settings, wo die Protagonisten leben. Es wurde viel Raum für eigene Fantasie gelassen und wenig vorgegeben. Das hat mich deshalb nicht sofort an die Orte versetzt, aber ich konnte die Handlung gut verfolgen. Einige Szenen, wie zum Beispiel der Escape Room, werden noch länger in Erinnerung bleiben.Charaktere ¿¿¿Samantha & XavierIch fand beide sehr sympathisch, hatte aber leider das Gefühl, sie kaum zu kennen. Mich hat Samanthas Humor abgeholt. Xaviers Vorgeschichte war sehr emotional und absolut zum Mitfühlen.Das Kennenlernen¿¿¿¿¿¿Xavier fand Samantha auf den ersten Blick attraktiv und beschrieb sie als "sexy". Ich war überrascht von dem Ausdruck, da ich vorher ein anderes Bild von ihm hatte. Er wirkte für mich nicht, wie der Typ, der sofort äußerliche Anziehung verspürt. Im Sinne von: Es bricht die Distanz und er will sofort etwas von ihr. Auf der anderen Seite: Warum nicht? Aber beim Lesen bin ich eher darüber gestolpert. Beim nächsten Zusammentreffen fragt er sie nach einem Date. Ich fand toll, dass er so ehrlich war und die Liebesgeschichte da keinen Aufhänger hatte. Aber auch hier: Vorher lernte ich ihn eher als eine "grumpy" Person kennen, die Menschen eher negativ gegenüber eingestellt ist. Da musste ich mich dran gewöhnen, dass er in dieser Situation sich anders verhielt. Samantha beschrieb Xavier nach dem ersten Zusammentreffen als "sexy" und "heiß", genauso wie Xavier sie. Gleichzeitig sagte sie zu ihrer Schwester, dass sie auf keinen Fall mit ihm ausgehen wolle. Als Xavier sie danach fragt, stimmt sie aber ohne Zögern zu. Mir ging das ein bisschen zu schnell, da es so im Widerspruch zueinander steht. Selbst wenn die körperliche Anziehung groß ist: Woher kam der Sinneswandel? Fernbeziehung¿¿¿¿¿¿Trotz Perspektivwechsel bekommt man fast nur die Beziehungssituation mit. Aber wie verhält sich Xavier mit seinen Freunden? Warum tauchen sie einfach bei seinem Date auf? Hat Samantha Freunde, außer ihre Schwester? Für mehr emotionale Tiefe hätte mir diese Infos geholfen.Bei Samantha wirkte es für mich in der Fernbeziehung so, als würde sie vorallem jemanden vermissen, der ihr hilft. Bei Xavier ging es eher um das Emotionale, wie für sie da zu sein. Ende¿¿¿¿¿¿Wenn die beiden sich trennen, hat Xavier fast nichts mehr von seinem selbst aufgebauten Leben. Gerade ist sein Ziel, bei ihr zu sein. Xavier hat vorher nie drüber nachgedacht, seine Praxis zu schließen. Sondern es macht ihm Spaß, auch wenn er viel arbeitet. Dadurch ist es zum Schluss eine Aufopferung für sie. Und ja, Kompromisse sind wichtig. Aber was gibt sie mit? Außer ihrer Liebe nichts. In ihrer Situation ist sie da auch begrenzt. Seine Aktion, ohne mit ihr drüber zu reden, sein Leben in Minnesota aufzugeben, ist überstürzt. Vielleicht hätte man mit einem Plan und regelmäßigen Facetime-Dates eine schönere Beziehungsdynamik geschaffen. Jeneva & TristanJeneva konnte ich nicht ganz greifen. Außer ihrer Unterstützung für Samantha und den beiden Söhnen weiß ich nichts über sie. Sie erwähnt, dass sie alleinerziehend ist. Aber warum ist sie das? In einem Betaband des Buches gab es dazu eine sprachlich problematische Erklärung, die entfernt wurde. Das Erklärungsloch blieb im Buch zurück.Tristans Verhalten lässt mich zwiegespalten zurück: Samantha dachte, er hätte die Tür offen stehen lassen und damit dafür gesorgt, dass ihre Mutter rausgehen konnte. Ich verstehe, dass ihn diese Anschuldigung sauer macht. Aber ihr das deshalb solange, hinterzutragen? Und in der schon angespannten Familiensituation dann extra Gerichte kochen, die Samantha nicht so mag? Aber vielleicht ist das auch einfach eine Geschwisterdynamik. Sie ist die ältere Schwester. Dan / DadIch fand toll, dass das Buch die Belastung der Angehörigen so gut zeigt. Bei Dan weiß man auch am Ende nicht, ob er Lisa betrügt. Und vielleicht ist das auch ganz gut so. Mich hat es auf jeden Fall zum Nachdenken angeregt, ob das zu vereinbaren ist. Lisa & GrandmaWie Lisa als demenzkranke Person dargestellt wurde, fand ich stark. Ich hab mitgefühlt, als sie Samantha nicht mehr erkannte oder als sie einen ihrer Wutausbrüche hatte.Dass die Oma starb, kam für mich plötzlich. Und da es das auch war, ist es vielleicht gut gelungen. Aber emotional hatte ich kaum eine Bindung zu ihr. Natürlich war es traurig und die Konsequenzen weitreichend. Aber das war es dann auch.Handlung ¿¿¿Ich fand richtig gut, wie hier eine süße Romance mit schwerwiegender Thematik verbunden wurde. Dadurch ist nicht der gesamte Fokus auf der Liebesgeschichte. Die Charaktere haben Probleme, mit denen sie zu kämpfen haben. Im Gesamten fühlte es sich für mich manchmal stockend an: Teilweise verstand ich Handlungen erst kurze Zeit später. Zum Beispiel dachte ich zu Beginn, dass ihre Schwester bei ihr wohnt und nicht, dass sie telefonieren. Manchmal wusste ich nicht, welche Person gemeint ist (z.B. Wer ist Becca?), auch wenn es bestimmt irgendwo erwähnt wurde. Oder auch als Dan, den Rest der Familie über den Tod der Großmutter informierte. Zu dem Zeitpunkt wusste ich nicht, wer noch zur Familie gehörte. Erst später wurde der Bruder und die Cousins erwähnt.Schreibstil-Gefühl ¿¿¿,5Den Perspektivwechsel fand ich sehr spannend und dadurch wurde die Fernbeziehung sichtbar. Als Leserin wusste ich immer, wo sich Samantha und Xavier mit ihren Gedanken befanden. Auch wenn es schon häufig erwähnt wurde: Die Beschreibung von Xavier als Rhysand war ein Cross-Over, was ich lustig fand. Die Dialoge wirkten zum Teil sehr gestelzt und zu "geschrieben". Es wurde von den Emotionen wenig gezeigt und mehr in der Gedankenwelt der jeweiligen Perspektive beschrieben.Ein bisschen gestockt habe ich auch bei folgendem Satz:Und unsere beste Hoffnung, sie [den Schmuck] wiederzufinden, waren ein Elfjähriger und ein Zwölfjähriger mit ADHS.ADHS wird hier nur als Superkraft betitelt, auch wenn es eine Erkrankung ist. Durch das beschriebene Alter wird der Stereotyp von ADHS, dass es sich primär um kleine unruhige Jungs handelt, verstärkt.Unterhaltung ¿¿¿Trotz schwerer Thematik empfand ich es als ein Buch für zwischendurch. Leider sind die Emotionen nicht auf mich übergesprungen. In Erinnerung bleiben sympathische Charaktere, Längen und ein überstürztes Ende.Band 2 werde ich erstmal nicht lesen. Chris taucht in diesem Band kaum auf und es macht deshalb nicht neugierig. Aber die Handlung klingt interessant, vielleicht greife ich irgendwann doch mal danach.