In "Prada Sie träumte von Mode und fand die Liebe" erzählt Susanne von Berg die Geschichte der jungen Schneiderin Sofia, die Anfang des 20. Jahrhunderts ihren Platz in einer sich wandelnden Welt sucht. Während die Mailänder Modeszene langsam an Bedeutung gewinnt und sich neue Möglichkeiten für Frauen eröffnen, träumt Sofia inständig davon, Teil dieser Welt zu werden. Mit Leidenschaft, Ehrgeiz und kreativen Ideen versucht sie, ihren Weg in der Modebranche zu finden. Gleichzeitig begegnet sie mit Mario Prada einem Mann, der ihr Leben nachhaltig verändert.
Mit "Prada Sie träumte von Mode und fand die Liebe" hat Susanne von Berg einen unterhaltsamen historischen Roman geschaffen, der die Anfänge der berühmten Modedynastie Prada mit einer romantischen Liebesgeschichte verbindet. Nachdem mich die Grundidee des Romans sofort angesprochen hatte, bin ich mit entsprechend hohen Erwartungen in die Geschichte gestartet. Vor allem die Verbindung aus Modegeschichte, historischem Setting und der Entstehung eines weltbekannten Namens versprach für mich eine spannende Lektüre.
Besonders gut gefallen hat mir die atmosphärische Darstellung des historischen Mailands. Die Autorin schafft es, die damalige Zeit lebendig werden zu lassen und vermittelt ein Gefühl für die gesellschaftlichen Veränderungen, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts stattfanden. Man spürt den Aufbruch einer neuen Epoche, in der traditionelle Rollenbilder zunehmend hinterfragt werden und neue Chancen entstehen.
Der Schreibstil liest sich angenehm flüssig und leicht, wodurch ich schnell durch die Seiten gekommen bin. Die Kapitel sind kurzweilig gestaltet und die Handlung entwickelt sich ohne größere Längen. Gleichzeitig hatte ich jedoch immer wieder das Gefühl, dass Sprache, Ausdrucksweise und einige Formulierungen für meinen Geschmack etwas zu modern wirkten. Manche Dialoge oder Gedanken hätten meiner Meinung nach genauso gut in einer deutlich späteren Zeit spielen können. Dadurch wurde ich beim Lesen mehrfach aus dem historischen Setting herausgerissen. Gerade bei einem historischen Roman ist Authentizität für mich ein wichtiger Faktor, weshalb mir diese modernen Einschläge stellenweise etwas von der Glaubwürdigkeit und dem Zeitgefühl genommen haben.
Auch die Figuren konnten mich nur teilweise überzeugen. Luisa ist zweifellos eine sympathische Protagonistin, deren Ehrgeiz und Leidenschaft für Mode nachvollziehbar dargestellt werden. Ihre Träume, ihr Wunsch nach Selbstverwirklichung und ihr Mut, eigene Wege zu gehen, machen sie zu einer interessanten Hauptfigur. Dennoch blieb sie für mich emotional etwas auf Distanz. Vor allem ihre romantische Entwicklung konnte ich nicht immer nachvollziehen.
Mein größter Kritikpunkt betrifft tatsächlich die Liebesgeschichte, die für mein Empfinden einen deutlich größeren Raum einnimmt, als ich erwartet hatte. Aufgrund des Titels und der Einordnung als Roman über Prada hatte ich gehofft, wesentlich mehr über die Entstehung des Unternehmens, die Entwicklung der Marke, die damalige Modewelt und das traditionelle Handwerk zu erfahren. Natürlich wird all das angesprochen, doch für meinen Geschmack blieb es eher ein Randthema. Stattdessen steht die Liebesgeschichte über weite Strecken sehr stark im Mittelpunkt.
Gerade dieser Fokus hat mich etwas enttäuscht, da ich mir einen stärkeren Blick hinter die Kulissen der frühen Modebranche gewünscht hätte. Die Einblicke in Stoffe, Designs, handwerkliche Arbeit und die Herausforderungen beim Aufbau eines Modeunternehmens fand ich durchaus interessant, allerdings waren sie mir insgesamt zu knapp. Hier hätte ich gerne deutlich mehr erfahren.
Hinzu kommt, dass sich die romantische Beziehung für mich sehr schnell entwickelt hat. Die gegenseitige Anziehung ist bereits früh spürbar und nimmt rasch einen großen Raum ein. Dieses klassische Motiv von Liebe beziehungsweise starker Anziehung auf den ersten Blick wirkte auf mich nicht besonders authentisch. Die Gefühle entstanden für mein Empfinden zu schnell und zu intensiv, sodass ich die Entwicklung nicht vollständig nachvollziehen konnte. Dadurch fiel es mir schwer, emotional mitzufiebern, weil die Beziehung für mich nicht ausreichend Zeit hatte, sich glaubwürdig zu entwickeln.
Fazit
Letztlich hat mich Prada Sie träumte von Mode und fand die Liebe gut unterhalten, auch wenn die Schwerpunkte der Geschichte nicht ganz meinen persönlichen Vorstellungen entsprochen haben. Besonders die Atmosphäre und die historische Kulisse konnten mich überzeugen, während der starke Fokus auf die Liebesgeschichte sowie die teilweise modern wirkende Sprache für mich einige Abstriche bei Authentizität und Lesegenuss bedeuteten.