"Killer Trail" war kein Serien-Killer-Thriller par excellence, sondern ein Buch über toxische Freundschaften mit viel Action.
Ein gemeinsamer Wanderausflug führt Jade und ihre beiden Freundinnen auf den berüchtigten Bones Hollow Trail, an dem einst ein Serienkiller sein Unwesen trieb. Nach einem Unfall sind sie auf die Hilfe eines geheimnisvollen Einsiedlers angewiesen, wodurch die Ereignisse schon bald aus dem Ruder geraten.Drei Freundinnen, ein abgelegener Wanderweg und die düstere Geschichte eines Serienkillers. Damit klingt "Killer Trail" für mich nach einem Thriller ganz nach meinem Geschmack. Ich dachte dabei an tiefe Wälder, eine langsam eskalierende Situation und eine drückende Atmosphäre. Ganz erfüllt wurden diese Erwartungen zwar nicht, trotzdem konnte mich der Roman am Ende noch überraschen.Jade, Zoe und Stef unternehmen jedes Jahr gemeinsam eine Reise. Eine schöne Tradition, die ihre Freundschaft seit der Jugend hinweg zusammengehalten hat. Diesen Gedanken mochte ich, weil er zeigt, wie selten solche langjährigen Freundschaften mittlerweile geworden sind. Doch je mehr Zeit ich mit den drei Frauen verbracht habe, desto mehr stellte ich mir die Frage, weshalb sie überhaupt miteinander unterwegs sind.Erzählt wird die Geschichte aus Jades Sicht. Sie wirkte für mich von Anfang an wie das fünfte Rad am Wagen. Der Umgangston zwischen den Frauen war oft schnippisch, getarnt unter neckenden Andeutungen. Statt Zusammenhalt dominieren Misstrauen und unterschwellige Sticheleien. Dadurch fühlte sich diese Gruppe nicht wie enge Freundinnen an. Letztendlich geht es im gesamten Thriller weniger um einen Serienkiller als vielmehr um giftige Freundschaften, wobei Manipulation und Loyalität thematisiert werden.Etwas enttäuscht war ich vom Spannungsaufbau. Ich hatte gehofft, dass man die drei ein Stück auf der Wanderung begleitet, die Natur genießt und sich langsam ein ungutes Gefühl einschleicht. Stattdessen geht es ziemlich fix und die Action fängt relativ früh an. Dadurch bleibt kein Raum, die bedrückende Atmosphäre des Waldes oder die Einsamkeit des Bones Hollow Trails aufzusaugen. Das Setting hätte meinem Geschmack nach intensiver genutzt werden können.Die eigentliche Handlung des Thrillers war nicht so ganz nach meinem Gusto. Vieles entwickelt sich in eine Richtung, die relativ früh vorhersehbar ist. Dadurch verlor der Handlungsstrang rund um den Serienkiller meiner Meinung nach einen Teil seiner Spannung. Hinzu kam, dass sich die Frauen häufig sehr übermütig und unvernünftig verhalten, dass ich oft den Kopf schütteln musste. Manches Mal provozieren sie weitere Eskalationen und wirken dabei eher wie trotzige Teenager als wie erwachsene Frauen. Obwohl meine Ausführungen sich wahrscheinlich wenig begeistert lesen, war es ein gut geschriebenes Buch mit dem Handlungsschwerpunkt auf der zwischenmenschlichen Ebene der Freundinnen. Aufgewertet wurde der Roman außerdem durch das kompromisslose Finale. Eliza Jabore zieht ihre Geschichte konsequent durch. Besonders die letzte Entwicklung fand ich überraschend hart und mutig. Die Autorin ist eindeutig bereit, unangenehme Entscheidungen treffen. "Killer Trail" war kein Serien-Killer-Thriller par excellence, sondern vielmehr ein Buch über toxische Freundschaften mit einer ordentlichen Portion Action und ein bisschen Blut. Leser:innen, die auf eine packende Waldkulisse hoffen, dürften, wie ich, etwas enttäuscht werden. Dennoch hat die Autorin trotz meiner fehlgeleiteten Erwartungshaltung einiges rausgeholt.