Schön konstruiert!
Die junge Polizistin Gunni Hilding wird vom Dezernat für Gewaltverbrechen angeworben. Ihre Verantwortlichen scheinen Potential in ihr zu sehen, das sie selbst nicht so fühlt. Und somit bringt schon der erste Fall, das Verschwinden eines achtjährigen Jungen, Gunni an ihre Grenzen. Dabei spielt ihre eigene Kindheitsgeschichte eine wesentliche Rolle.Eigentlich gibt es zwei Parallelgeschichten: einmal natürlich das Verschwinden des Jungen sowie dann auch ein weiteres Verbrechen. Und dann die Lebensgeschichte von Gunni, die nicht minder interessant ist. Genau das zu verbinden und im Gleichgewicht zu halten, hat der Autor hier wunderbar geschafft. Dabei bedient er sich eines eher unspektakulären Schreibstils, der der Authentizität der Geschichten auf jeden Fall guttut. Der Spannungsbogen bleibt kontinuierlich erhalten, atmosphärisch ist das Buch sehr gut aufgebaut. Die Protagonisten sind glaubwürdig und auf ihre Art sympathisch.Gunni's Lebensgeschichte, als Kind in einer Familie Zeugen Jehova's aufgewachsen zu sein und was das alles für sie persönlich mit sich bringt, hat mich schon sehr berührt. Das hat dem Ganzen noch einmal einen anderen Stellenwert gegeben und auf jeden Fall sehr viel Tiefe mit hineingebracht. Nur das Ende hätte ich jetzt irgendwie ein ganz klein wenig anders erwartet: Etwas mehr Außergewöhnliches hätte dem Ganzen sicher gutgetan.Nichtsdestotrotz bin ich auf jeden Fall jetzt ein Fan von Gunni und bin gespannt, welche Geschichten noch daraus entstehen werden.Gerne empfehle ich dieses Buch weiter!