Errichterschiffe vor der rauen Atlantikküste, ein Windpark auf hoher See, das Dröhnen der Maschinen über dem offenen Wasser beten eine Kulisse, die einen Krimi verspricht, der vom ersten Moment an fesselt.
Ein tödlicher Unfall auf einem Installationsschiff, heftigem Seegang ausgesetzt, fernab der Küste. Schnell wird klar, dass es kein Unglück war. Jemand an Bord muss der Täter sein. Diese Ausgangslage hat Kraft. Der Handlungsort auf einem Errichtungsschiff für einen Windpark mitten im Atlantik ist ungewöhnlich und reizvoll. Die geschlossene Crew, das Schweigen, das Misstrauen untereinander. Eigentlich beste Voraussetzungen für beklemmende Spannung.
Jean-Claude Vinet schickt seinen sympathischen Commissaire Chevalier erneut ins Rennen. Wie schon in den vorherigen Bänden überzeugt vor allem das Ermittlerteam. Chevalier wirkt nahbar, bodenständig, eingebettet in sein privates Umfeld zwischen Familie, Austern und gutem Wein. Dazu kommen stimmungsvolle Einblicke in die französische Atlantikküste rund um La Rochelle. Leckeres Essen, eine wunderschöne Landschaft, das Lebensgefühl am Meer wohnen zu können. Das liest sich angenehm und vermittelt Urlaubsatmosphäre, selbst wenn ein Mord aufgeklärt werden muss.
Trotzdem bleibt der Fall selbst hinter seinen Möglichkeiten zurück. Die Idee, den Täter auf einem Schiff festzusetzen, klingt nach Druck und Nervenkitzel. Doch die Spannung entwickelt sich nur verhalten. Viele Szenen verlaufen ruhig, fast zu ruhig für einen Krimi.
Das Ermittlungsgerüst ist solide konstruiert, aber selten überraschend. Und die Auflösung wirkt am Ende banal, beinahe beiläufig. Gerade hier hätte ich mir mehr Raffinesse, mehr Wucht gewünscht.
Was bleibt, ist ein angenehmer, unaufgeregter Krimi mit schöner Kulisse und einem sympathischen Ermittler.
Fazit:
Solide Unterhaltung vor maritimer Traumkulisse, atmosphärisch stimmig, kriminalistisch jedoch zu spannungsarm und in der Auflösung zu schlicht.