The Road Between Us hat mich mit seiner Mischung aus Roadtrip, Best Friends to Lovers und ganz viel emotionaler Tiefe sofort abgeholt. Für mich ein Buch, die deutlich mehr zu bieten hat als nur eine Liebesgeschichte.
Die Handlung wird größtenteils aus Cleas Perspektive erzählt, unterbrochen von ihren Tagebucheinträgen und gelegentlichen Kapiteln aus Cas' Sicht. Dadurch lernen wir Clea sehr schnell kennen und bekommen einen guten Einblick in ihre Gefühle, Wünsche und Ängste. Sie war mir von Anfang an sympathisch. Man spürt ihren großen Wunsch nach Freiheit und neuen Erfahrungen, gleichzeitig aber auch, dass sie Ruhe braucht und durch vergangene Erfahrungen vorsichtig geworden ist.
Cas bleibt dagegen zunächst etwas schwerer greifbar. Da wir nur selten in seine Gedankenwelt eintauchen, lernen wir ihn erst nach und nach wirklich kennen. Gerade das hat für mich aber gut zur Geschichte gepasst, denn auch Clea muss während des Roadtrips erst verstehen, was in Cas vorgeht und welche Wünsche und Träume er eigentlich für sein eigenes Leben hat.
Während ihrer Reise entsteht zwischen den beiden eine Art kleine Bubble. Fernab von ihrem bisherigen Alltag haben sie Zeit, sich mit ihren Wünschen, Ängsten und Zukunftsplänen auseinanderzusetzen. Und genau diese Zeit miteinander macht sich auch in ihrer Entwicklung bemerkbar. Der Roadtrip ist damit nicht nur eine Reise entlang der Küste Maines, sondern auch eine Reise zu sich selbst.
Besonders gut gefallen hat mir der einfühlsame Umgang mit Cas' Blindheit. Wenn er sich in seiner vertrauten Umgebung bewegt, wird seine Blindheit kaum thematisiert. Auch Clea erwähnt sie in ihren Beschreibungen nur selten; das hat mich zunächst tatsächlich irritiert. Mit der Zeit wurde mir aber klar, wie logisch das aus Cleas Perspektive ist: Für sie gehört Cas' Blindheit zum Alltag und ist nichts, das ständig erwähnt werden muss. Während des Roadtrips wird sie dann immer wieder zum Thema, insbesondere wenn fremde Menschen auf Cas treffen und nicht wissen, wie sie mit seiner Blindheit umgehen sollen. Dadurch wird sehr schön deutlich, dass nicht Cas' Behinderung selbst das Problem darstellt, sondern häufig die Unsicherheit und die Vorurteile der Menschen um ihn herum.
Überhaupt haben mich Cleas Beschreibungen für Cas sehr berührt. Sie findet wunderbare Worte dafür, ihm Bilder und Eindrücke zu vermitteln und dabei nicht einfach nur zu beschreiben, was sie sieht, sondern welche Gefühle diese Dinge in ihr auslösen. Gerade diese Passagen haben für mich die besondere Verbindung zwischen den beiden sehr deutlich gemacht.
Der Schreibstil ist insgesamt einfühlsam, ruhig und voller Tiefe. Die Geschichte nimmt sich Zeit für ihre Figuren und lässt sie sich entwickeln, ohne dass dabei die Liebesbeziehung zu kurz kommt.
Für mich war The Road Between Us deshalb eine wunderschönes Buch über Liebe, Freundschaft, Selbstbestimmung und den Mut, den eigenen Weg zu gehen. Ich hatte eine tolle Lesezeit mit Clea und Cas und habe ihre Reise sehr gerne begleitet.