Dieses Buch kam gerade zur rechten Zeit und es ist einfach so fantastisch! Ich hab es nun schon im zweiten Lesedurchgang und ich sag euch: Die hälfte der Seiten ist angestrichen!
Und ich werde von Tag zu Tag und von Seite zu Seite mutiger!!! Dank Marie Luise Ritter und ihres so fantastischen Buches!!!!
Okay... aber worum geht es?
Marie Luise Ritters Bücher folgen einem Prinzip: persönliche Geschichten, in der die Fragen gestellt werden, die viele beschäftigten, aber die selten laut ausgesprochen werden noch, dass jemand sie wirklich mal beantwortet. Oder es wenigstens mal versucht. Und jetzt ist das ganze zum Thema Mut in einem Buch erschienen.
Ich will ehrlich sein: Am Anfang dachte ich, als ich die ersten Seiten laß, dass das für mich nicht passen könnte. Wie könnte ich denn frei sein, wenn ich doch mit Job, der die Anwesenheit in einem Büro erfordert, einer Bonus-Familie und so vielen Verpflichtungen hier irgendwie gebunden bin. Ganz im Gegensatz zur Autorin. Und dann habe ich mitbekommen, dass es nicht um das Ausbrechen aus dem leben geht, sondern um die vielen kleinen Momente, wo wir Freiheit suchen könnten und es vielleicht nicht tun, weil es eben doch Mini-Portiönchen Mut erfordert.
Und dann war ich wie gebannt. Das Buch war für mich wie ein persönlicher Spiegel meines Lebens und hat so viele Fragen aufgeworfen, die ich auch irgendwo in mir spürte, sie aber noch nicht formuliert bekam. Und jetzt - dank des Buches - liegen sie vor mir und ich kann dran arbeiten und mache es. Und ich merke das erste Mal, wie befreiend es ist, alltagsmutig zu sein. Aber auch erschreckend, wie sehr wir - vor allem wir Frauen - uns das erst erarbeiten müssen. Wir haben noch einen langen Weg vor uns.
Ritter ist freie Autorin, lebt wechselweise in München und Nizza, ist auf Instagram als @luiseliebt mit einer treuen Community (der ich jetzt auch anghöre!) unterwegs und schreibt über das Leben als Frau in einer Welt voller Möglichkeiten und der seltsamen Lähmung, die diese Möglichkeiten manchmal auslösen. Ihr Tonfall ist persönlich, direkt und nie belehrend, was sie von vielen Titeln in diesem Genre unterscheidet. Und was mich zusätzlich in ihren Bann gezogen hat!
"Vom Mut, frei zu sein" versammelt 30 Kapitel rund um eine einzige Frage: Was bedeutet es, wirklich frei zu sein? Nicht im politischen oder philosophischen Sinn, sondern im sehr konkreten, alltäglichen: Das Leben zu leben, das zu einem passt, statt irgendwo zu verweilen und seine Zeit abzusitzen, wie Ritter selbst es formuliert. Sich zu trauen nicht unbedingt immer in großen dramatischen Gesten, sondern in den kleinen, oft hinausgezögerten Entscheidungen, die das eigene Leben tatsächlich verändern können und vor denen man vielleicht manchmal einfach Angst hat. Diese ganzen "Was wäre wenn"-Situationen, die nur in den eigenen Gedanken Gestalt annehmen, die wir aber nie umgesetzt bekommen. Wieso auch immer.
Dieses Buch ist definitiv kein Ratgeber, der einem erklärt, wie man Mut bekommt. Es sind Geschichten von Menschen, denen die Autorin begegnet ist, von Momenten, die etwas verschoben haben, von Dingen, die man hätte tun können und dann doch getan hat. Dieser Ansatz lässt Raum für die Lesenden, denn das Buch denkt nicht für einen, aber es gibt einem einen sanften und liebevollen Stupser, um dann selbst weiterdenken zu können und vor allem zu wollen.
Deshalb würde ich dieses Buch all jenen wärmstens empfehlen, die das Gefühl haben, ihr Leben vor sich herzuschieben und einen sanften Anstoß brauchen, um das zu bemerken. Es ist auch ein gutes Buch für eine Phase, in der man keine langen Texte schafft, aber trotzdem etwas lesen möchte, das Gewicht hat. Als Geschenk funktioniert es ebenfalls wahnsinnig gut.
Ach, dieses Buch geht einfach ins Herz und in die Seele und ist wahnsinnig schön! Und hilfreich, für diejenigen, die dafür offen sind!