Manche Bücher liest man, andere fühlt man. The Weight of Falling (in Love) gehört für mich ganz klar zur zweiten Kategorie.
Ich bin ehrlich: Zu Beginn war ich mir nicht ganz sicher, ob die Geschichte mich wirklich erreichen würde. Aber diese Zweifel waren ziemlich schnell verschwunden. Sarah Stankewitz hat es geschafft, mich vollkommen in Clouds und Silas Welt hineinzuziehen. Ich habe mit ihnen gelacht, mit ihnen gelitten und an einigen Stellen auch einfach kurz innehalten müssen, weil mich ihre Geschichte emotional mehr getroffen hat, als ich erwartet hatte.
Cloud ist eine Protagonistin, in der ich mich immer wieder ein Stück weit wiedererkannt habe. Ihre Gedanken, ihre Unsicherheiten und die Art, wie sie mit all dem umgeht, haben sie für mich unglaublich greifbar gemacht. Und auch Silas ist mir während des Lesens immer mehr ans Herz gewachsen. Die beiden sind nicht perfekt und genau das macht ihre Beziehung für mich so schön. Ihre Liebe fühlt sich nicht übertrieben oder künstlich romantisiert an, sondern ehrlich, verletzlich und unglaublich menschlich.
Was dieses Buch für mich besonders macht, ist aber vor allem die Art, wie Sarah Stankewitz über mentale Gesundheit schreibt. Die Thematik wird nicht einfach als Teil der Handlung abgearbeitet, sondern bekommt Raum. Sie darf schwer sein, unangenehm, traurig und manchmal auch wütend machen. Gleichzeitig zeigt die Geschichte, dass ein Mensch nicht nur aus seinen Problemen besteht und dass selbst in schwierigen Phasen kleine Momente von Leichtigkeit existieren können.
Und genau deshalb hat mich das Buch emotional so mitgenommen. Ich war traurig, gerührt, wütend, hoffnungsvoll und zwischendurch einfach unglaublich glücklich. Es gab diese Stellen, an denen ich das Buch am liebsten ganz fest an mich gedrückt hätte, weil sich die Geschichte gleichzeitig so schmerzhaft und tröstlich angefühlt hat.
Besonders schön fand ich die Botschaft, dass wir nicht immer jemanden brauchen, der unsere Probleme für uns löst. Manchmal reicht ein Mensch, der bleibt. Der zuhört. Der uns daran erinnert, dass wir mehr sind als das, was gerade schwer auf unseren Schultern liegt. Und manchmal kann genau diese eine Person den Blick auf Dinge verändern, die vorher vollkommen aussichtslos erschienen.
The Weight of Falling (in Love) ist definitiv keine Geschichte, die man einfach nebenbei wegliest. Dafür trägt sie zu viel Gewicht. Aber genau darin liegt ihre Stärke. Sie regt zum Nachdenken an, berührt, schafft Verständnis und macht gleichzeitig Hoffnung.
Auch nach dem Beenden ist die Geschichte für mich nicht einfach abgeschlossen gewesen. Einige Gedanken sind geblieben und haben noch eine ganze Weile nachgewirkt.
Und gerade deshalb finde ich es so wichtig, dass Bücher wie dieses existieren. Psychische Erkrankungen sind für viele Menschen Realität und trotzdem wird noch immer viel zu wenig darüber gesprochen. Der Zugang zu psychologischer und psychiatrischer Unterstützung ist für Betroffene häufig mit enormen Hürden verbunden. Wer sich in einer ohnehin schwierigen Situation befindet, braucht nicht noch das Gefühl, sich die Hilfe erst erkämpfen zu müssen.
Sarah Stankewitz gelingt es, dieses Thema auf eine sehr persönliche und zugängliche Weise in eine Liebesgeschichte einzubetten, ohne dass dabei die Ernsthaftigkeit verloren geht. Und ich hoffe wirklich, dass dieses Buch viele Menschen erreicht, sowohl diejenigen, die sich selbst in Cloud oder Silas wiederfinden, als auch diejenigen, die dadurch vielleicht ein bisschen besser verstehen, was in einem anderen Menschen vorgehen kann.
Für mich ein Buch voller Herz, Schmerz, Hoffnung und ganz viel Menschlichkeit.
Cloud & Silas haben definitiv Spuren hinterlassen. Und manchmal sind es genau die Geschichten, die ein bisschen wehtun, die man am längsten im Herzen trägt.