Die 15-jährige Lean und ihr kleiner Bruder Willin sind es gewohnt, allein zu sein, wenn ihr Vater als Fischer auf See ist. Doch jetzt ist er seit 12 Tagen überfällig. Ausgerechnet jetzt tauchen mitten in der Nacht Einbrecher auf. Beiden bleibt nur die Flucht. Als sie belauschen, dass die Eindringliche sie in ihre Hände bekommen wollen, müssen sie sogar ihre Heimatinsel verlassen. Ihre Flucht führt bis nach Nordafrika.
Diese historische Jugend-Abenteuer-Reihe von Foe de Mar kann trotz einer prinzipiellen Schwäche schon in diesem 1. Band überzeugen. Diese Schwäche ist die Handlungszeit. Während die Handlungsorte mit einer kleinen italienischen Insel unweit Siziliens sowie Tunis recht detailliert definiert sind, bleibt die Zeit der Handlung vollkommen widersprüchlich. Im Vorword schreibt der Autor "Dafür habe ich einiges auf die Bühne gebeten und geschleppt, das tatsächlich in jene Zeit gehört. Bis auf eine Handvoll Ausnahmen habe ich sogar nur Worte benutzt, die damals schon bekannt waren." Aber wann ist "damals"? Verschiedene Handlungs-Elemente lassen eine etwaige zeitliche Einordnung zu, nur widersprechen sich diese vollkommen. Ein paar Beispiele? Lean trägt ganz selbstverständlich Hosen, und niemand empfindet das als eigenartig. Das würde auf die 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts deuten. Fortbewegungsmittel sind aber ausschließlich Reit- und Zugtiere sowie Segelschiffe. Das würde eher für das 19. Jahrhundert oder früher passen. In Tunis herrscht eine islamische Kultur. Der Islam ist im 7. Jahrhundert entstanden und kam erst später nach Nordafrika. Allerdings gibt es noch eine Arena, in der Gladiatorenkämpfe stattfinden. Die dürften mit dem Ende des Römischen Reichs wohl ausgestorben sein. Andererseits wird erzählt, dass die Zeit der Rittertourniere vorbei ist. Und es wird ein Buch erwähnt, dass 1653 erschienen ist. Eine Zeit, in der alle diese Sachen zusammenpassen, existiert schlicht nicht. Wenn man diese Unstimmigkeit außer Acht lässt, bietet diese Geschichte jedoch eine wirklich gelungene Unterhaltung, die auch Lust auf die Fortsetzung(en) weckt. Die Protagonisten-Geschwister sind nämlich sympathisch und glaubhaft gezeichnet, ihre Abenteuer interessant und das Rätsel hinter den Vorkommnissen spannend.
Der Autor (Geschlecht unbekannt) erzählt aus Erzählerperspektive und lässt dabei den Fokus zwischen eine Anzahl an Charakteren pendeln.
Fazit:
Dieses interessante Jugend-Abenteuer lässt sich chronologisch nicht einordnen, nimmt den Leser aber trotzdem schnell gefangen.