Ein sanftes Nachhallen begleitet mich nach dem Lesen, als hätte jemand eine Tür geöffnet, hinter der Schmerz und Mut gleichzeitig stehen. Frieda Lewin beschreibt die Notgeburt mit einer Intensität, die tief unter die Haut geht, ohne je reißerisch zu werden. Der Moment des Kontrollverlusts, die aufkommende Schuld, das Gefühl, als Mutter versagt zu haben all das legt sie so offen, dass man unwillkürlich den Atem anhält.
Zwischen den schweren Erinnerungen taucht immer wieder ihr trockener Humor auf, wie ein kleines Rettungsboot, das sie selbst und die Leserin über Wasser hält. Besonders berührt haben mich die leisen Stellen: die Trigger im Alltag, die Unsicherheit im eigenen Körper, das allmähliche Wiederfinden eines inneren Gleichgewichts.
Ihre Schilderung der Traumatherapie wirkt einladend, nicht belehrend, und zeigt, wie langsam, aber zuverlässig Heilung möglich wird. Nur an wenigen Punkten hätte ich mir tiefere Einblicke in therapeutische Methoden gewünscht. Doch gerade weil das Buch konsequent persönlich bleibt, wirkt es so authentisch.
Am Ende bleibt ein warmes Gefühl die Ermutigung, milder mit sich selbst zu sein und das Schweigen über traumatische Geburten endlich zu durchbrechen.